Leo Andergassen erklärte den wieder hergestellten Altar.
Das Vokalensemble Horus Vocals am geschlossenen Flügelaltar.
Am Ende gab es Blumen für Isabella Erhard Brunner.
Isabella Erhard dankte Benno Münch mit einem Gemälde von Franz Paulmichl.
Klemens Jahn hat die Tafeln unentgeltlich vom Auktionshaus an die Pfarre übergeben.
Seit 1969 mussten die Besucher auf leere Altarflügel starren.

Laatscher Heiligenhimmel wieder vollständig

Zufälle, großzügige Menschen und ein rühriger Pfarrgemeinderat retteten wertvolles Kulturgut.

Publiziert in 16 / 2022 - Erschienen am 13. September 2022

Laatsch - Inzwischen ist vieles einmalig in der Pfarre Laatsch. Südtirols einzige Cäsarius-Kirche steht seit fast 500 Jahren im Ortsteil Flutsch. Dieselbe Kirche schmückt Südtirols schönster, nachgotischer Flügelaltar. Genauer gesagt, er ist es wieder seit Samstag, 20. August 2022. Mit einem Festgottesdienst, wie ihn die kleine Pfarre noch nie erlebt hatte, teilte der Pfarrgemeinderat der Öffentlichkeit die Vervollständigung des Flügelaltares mit. Dazu gibt es eine Vorgeschichte, der ein Diebstahl von acht Figurenreliefs aus beiden Altarflügel im Jahre 1969 vorausging. In einer unglaublichen Kette von Zufällen und Aktionen spielten Klemens und Georg Jahn aus Meerbusch (Nordrhein-Westfahlen) und Benno Münch aus Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) die entscheidenden Rollen. Sie waren die Akteure im Recherchieren nach Farbbildern, um die Tafeln nachzubilden, und im Ersteigern zweier Tafeln, die über den Kunsthandel aufgetaucht waren. Sämtliche Bemühungen  und Glücksfälle wurden von der Heimatpflegerin, später Vermögensverwaltungsrätin und seit Oktober 2021 Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Isabella Erhard Brunner koordiniert und mit dem Auftrag zum Nachschnitzen der Reliefs an Helena Ebner, Restauratorin aus Thüringen, ergänzt. Den abschließenden, feierlichen Schlusspunkt setzten Dekan Stefan Heinz, assistiert von Kooperator Michael Lezuo und dem Spiritual im Kloster St. Johann, Müstair, Pater Gregor Niggli. Zu den Klängen des Bläserensembles der Musikkapelle Laatsch unter Hermann Brunner zogen sie von der Cosmas und Damian-Kapelle aus zum Gottesdienst in St. Cäsarius. Ein erstes Ereignis – Kunsthistoriker Leo Andergassen nannte es „einen hoch emotionalen Moment“ – war die Öffnung des Flügelaltares begleitet vom Vokalensemble Horus Vocals aus Graz unter der Leitung von Edward Mauritius Münch. Zu Claudio Monteverdis „Messa di 4 voci da capella“ weihte Dekan Hainz den vervollständigten, einmaligen Flügelaltar. Der Hl. Florinus von Matsch und der Hl. Luzius von Chur, Laatscher Pfarrpatrone und Schreinwächter, wachen nicht mehr über leere Altarflügel, sondern sehen zu ihrer Linken wieder die Apostel Petrus, Paulus, Bartholomäus und Jakobus der Ältere und zur Rechten den Hl. Dominikus mit Margareth, Barbara und Katharina. Es oblag Leo Andergassen, in seinem Vortrag die Zusammenhänge und Gründe zu erklären und zu deuten, warum man in Laatsch gerade diese Heiligen verehrt und warum sie gerade in der Cäsarius-Kirche dargestellt wurden. Die Rückholaktion zwischen Düsseldorf, Ludwigshafen, Budapest und Laatsch wurde finanziell von der Eigenverwaltung mit Vorsteher Andreas Paulmichl, von der Raika Prad-Taufers und von der Volksbank unterstützt.

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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