Stilfs im Sommer
Gerd Klaus Pinggera
Roland Angerer
Hartwig Tschenett
Auch dieses besondere Foto von Stilfs stammt von Duilio Avezzu.
Auch dieses besondere Foto von Stilfs stammt von Duilio Avezzu.
Auch dieses besondere Foto von Stilfs stammt von Duilio Avezzu.

„Lebenswelt Bergdorf Stilfs“

Besonderes Vorhaben im Rahmen des Projektes „Panoramastraße Stilfserjoch“. Viel Begeisterung, aber keine Finanzierungszusage für Studie.

Publiziert in 21 / 2020 - Erschienen am 18. Juni 2020

Stilfs - Steile und enge Gassen, Ställe und Scheunen, Gärten und Brunnen: Das sind nur einige der besonderen Merkmale, die das Bergdorf Stilfs seit Jahrhunderten prägen. Man kann auch von einem „Schatz“ sprechen. Ihn zu heben und für Einheimische und Gäste zugänglich zu machen, ist einer der Leitgedanken des Projektvorhabens „Lebenswelt Bergdorf Stilfs“. Gerd Klaus Pinggera, der Ideengeber des Vorhabens, wertet das Projekt als kulturhistorischen Baustein von regionaler und überregionaler Bedeutung und als Erweiterung und Ergänzung des bereits bestehenden Museums „Einstieg - Bergbau in Stilfs“. Zu den Projektverfechtern von Anfang an gehören Bürgermeister Hartwig Tschenett und seine Mitverwalter sowie das Ratsmitglied Roland Angerer, dem das Vorhaben ein besonderes Anliegen ist. „Dieses Projekt könnte eine Chance sein, das Dorf Stilfs, das wirtschaftlich gesehen nicht besonders stark ist, zu entwickeln und nachhaltig aufzuwerten“, stimmten Hartwig Tschenett und Roland Angerer kürzlich in einem Gespräch mit dem
der Vinschger überein.

Eingebettet in das Projekt „Panoramastraße Stilfserjoch“

Das Vorhaben ist von Gerd Klaus Pinggera so konzipiert worden, dass es im Rahmen der Umsetzung des Projektes „Panoramastraße Stilfserjoch“ verwirklicht werden sollte. In diesem Sinn hatte es bereits im Oktober 2016 eine erste Aussprache mit Stephan Gander gegeben, der in der Arbeitsgruppe
„Panoramastraße Stilfserjoch“ mitarbeitet. Im Konzept zur Aufwertung der Panoramastraße sind viele Maßnahmen vorgesehen bzw. angedacht: museale Nutzung der Festung Gomagoi und des Berghotels Franzenshöhe, Maßnahmen auf der Passhöhe zur Entflechtung der Verkehrssituation und weitere gestalterische Eingriffe sowie Einbindung des Messner Mountain Museums Ortles in Sulden und des Nationalparkhauses „naturatrafoi“ in Trafoi. „Das Dorf Stilfs darf man aber nicht vergessen“, sagt der Bürgermeister. Das Projekt „Lebenswelt Bergdorf Stilfs“, das in Form eines Freilicht-Parcours umgesetzt werden sollte, füge sich bestens als Baustein in das Gesamtkonzept „Panoramastraße Stilfserjoch“ ein. Außerdem könnte der Freilicht-Parcours auch als zusätzliches Angebot für Gäste und Wanderer gesehen werden, die den Ortler Höhenweg, den Marmorrundweg oder den Archaikweg begehen und dabei auch nach Stilfs gelangen.

Kulturelle und wirtschaftliche Aufwertung

Um das Projekt „Lebenswelt Bergdorf Stilfs“, das zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Aufwertung des Dorfes beitragen soll, weiter voranzubringen, hat sich rund um Gerd Klaus Pinggera ein Projektteam gebildet, dem internationale Experten und Fachleute angehören. Im Konzept von Gerd Klaus Pinggera heißt es, dass sich Stilfs als Bergdorf, die Siedlungen gleichermaßen wie die Landschaft, bis heute in einer archaischen Form präsentiert: Die Architektur dokumentiert einen Zeitraum von etwa 500 Jahren, wobei das Dorf als Ensemble von Mauern, Gärten, Wegen, Gassen, Brunnen, Wohnhäusern, Scheunen, Ställen, Fluren usw. einen einzigartigen Formenschatz in sich birgt. „Architektur ist hier Landschaft, Landschaft ist Architektur“, so das Projektteam. 

„Landschafts-Architektur“

Man habe es mit „Landschafts-Architektur“ auf sehr begrenztem, exponiertem Raum, über Generationen entwickelt, angelegt, gebaut und gepflegt, zu tun. Die Landwirtschaft, das Handwerk und das Kleingewerbe im 19. Jahrhundert und danach der Tourismus und das Handwerk seien für Stilfs dominierende Wirtschaftsbereiche. „Es kann aus der Geschichte der Karrner, der Schwabenkinder, der Hirten, Bauern, Bergleute, Dienstboten, Bergführer, Maurer, Zimmerleute usw. erzählt werden“, ist das Projektteam überzeugt. Entlang des Freilicht-Parcours durchwandert der Besucher Natur- und Kulturraum. Er vertieft und reflektiert eine Lebenswelt, die von Kargheit und Entbehrung geprägt ist, von Weltoffenheit und Gastfreundschaft und in der ein ständiges Kommen und Gehen das Denken und Handeln einer kleinen Dorfgemeinschaft bestimmten. Als wichtigste Ziele des Projektes nennt das Team die lokale Sicherung und Vermittlung kulturhistorischer Zeugnisse, die unmittelbare Stärkung des Bewusstseins der Menschen für ihren Lebensraum sowie das Hervorheben der regionalen und interregionalen Charakteristiken.

Studie unabdingbar

Um das Vorhaben umzusetzen, braucht es eine tiefer gehende Projektstudie zur konzeptuellen und finanziellen Konkretisierung. Zumal die Gemeinde Stilfs über keine Geldmittel verfügt, um die Studie erstellen zu lassen, sind Hartwig Tschenett, Roland Angerer und Gerd Klaus Pinggera seit 2017 mehrmals nach Bozen gefahren. Es gab je zwei Aussprachen beim damaligen Landesrat Florian Mussner, beim ehemaligen Landesrat Richard Theiner sowie beim Am für Museen. Das Projektvorhaben stieß zwar überall auf helle Begeisterung, doch eine verbindliche Zusage für die Finanzierung der Studie blieb aus. Begeistert vom Projekt zeigte sich im Oktober 2019 auch Landeshauptmann Arno Kompatscher. Er versicherte der Delegation aus Stilfs (Gerd Klaus Pinggera, Roland Angerer, Roland Brenner, BM Hartwig Tschenett und Vize-BM Franz Heinisch), dass sich ein Weg finden werde: entweder über eine Finanzierungsschiene des Landes (Artikel 5) oder über die Region.

Enttäuscht von Absage 

Nachdem seitens des Landes der Hinweis gekommen war, man möge sich an die Region wenden, wurden die Stilfser bei dieser vorstellig. Aber auch dort blitzten sie ab. Es wurde ihnen mitgeteilt, dass die Region keine Studien finanzieren, sondern lediglich konkrete Umsetzungsmaßnahmen unterstützen könne. „Wir sind enttäuscht, dass uns weder das Land noch die Region hilft“, sagt der Bürgermeister. Man habe nun erneut einen Brief an den Landeshauptmann geschickt und warte derzeit auf die Antwort. Es wäre schade und bitter, wenn dieses für Stilfs sehr wichtige und nachhaltig angelegte Projektvorhaben nach jahrelangen Vorarbeiten an der Finanzierung der Studie scheitern müsste.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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