Musikkapelle Partschins

Publiziert in 11 / 2006 - Erschienen am 31. Mai 2006
Adlige Geschichte Die Musikkapelle Partschins wurde 1818 gegründet; wie die vom Schulleiter Josef Blaas zwischen 1888 und 1904 verfasste Dorfkronik besagt, bestand sie anfangs sicherlich nur aus Trommlern und “Schweglern” (Pfeifern), spielte bei Schützenaufmärschen und Prozessionen auf und bildete die musikalische Umrahmung bei Veranstaltungen im Dorf. Ihr Repertoire bestand nur aus wenigen auswendig gelernten Stücken. Ritter Franz Ferdinand von und zu Goldegg und Lindenburg erwarb 1837 durch Heirat den aus dem 12. Jahrhundert stammenden Ansitz Schloss Spauregg in Partschins und nutzte ihn als Wohnsitz. Seine Nachkommen bewirtschaften noch heute das Schloss und den dazugehörigen Park. Ihm ist die Gründung einer ersten Kapelle zu verdanken; er kaufte alle Instrumente für den Kirchenchor und die zukünftige Musikkapelle, sowie die notwendigen Partituren, finanzierte auch die musikalischen Ausbildungen und ließ 1822 den Orgelchor in der Partschinser Peter und Paul-Kirche erbauen. Somit kann die Musikkapelle von Partschins als eine der ältesten im Burggrafenamt angesehen werden. Schon bald hatte sie ein hohes musikalisches Niveau erreicht; 1820 übertrug man ihr die Ehre, den Empfang der Erzherzogin Maria Luise von Österreich in Meran zu gestalten und 1823 auf dem Jaufenpass für sie aufzuspielen. Bereits zu Lebzeiten des Peter Mitterhofers, der in Partschins geborene Erfinder der Schreibmaschine, soll die Kapelle zu den besten der Umgebung gezählt haben. Um ihren Fortbestand zu gewährleisten, verpflichtete der Ritter namenhafte Kapellmeister und Komponisten und gewährte ihnen festes Gehalt und freie Unterkunft im Schloss. Zu den bekanntesten Kapellmeistern jener Zeit zählen sicherlich Michael Nagiller, späterer Kirchenkomponist und Musikdirektor in Innsbruck, und Franz Schöpf, Pfarrorganist aus Bozen, dessen Kompositionen heute noch auf den Fronleichnamsprozessionen von der Kapelle gespielt und vom Kirchenchor gesungen werden. Seine „Jubel-Ouverture“ wurde 1968 zum 150-jährigen Jubiläum der Kapelle gespielt. Schwierige Zeiten Durch den Tod des Ritters Franz Ferdinand im Jahre 1874 hatte die Kapelle ihren Gönner und Beschützer verloren. Die jährlichen 70 bis 80 Gulden aus der Gemeindekasse reichten hinten und vorne nicht und viele Musiker verließen die Kapelle. 1904 bemühte sich Pius Prantl, Sohn des Dorflehrers und einer der besten Hornisten im Lande, um den Wiederaufbau der Kapelle und ihm gelang es, die alte Begeisterung wieder aufleben zu lassen. Aufschwung Nach ihm übernahm der Schulleiter und Organist Thomas Ebner aus Tilliach im Ost-Pustertal die Leitung der Kapelle und kümmerte sich auch um die Ausbildung der Musiker. Der Erfolg blieb nicht aus: vor Ausbruch des ersten Weltkrieges zählte die Kapelle bereits wieder 26 aktive Mitglieder. In dieser Zeit hieß es flexibel zu sein: die Musiker mussten gleichzeitig Feuerwehrmänner mit allen Diensten und Pflichten sein und dazu gehörte zum Glück auch das Musizieren. So spielten sie mal in Feuerwehruniform, mal in Tracht auf. Mit Unterbrechungen aufgrund des Krieges war Benedikt Burger sen. Kapellmeister. Ludwig Schweitzer war 22 Jahr lang Obmann und hat es verstanden, auch während der schwierigen Nazizeit die Musiker bei der Stange zu halten, ebenso wie Malermeister Karl Strimmer gleich nach Kriegsende. Nach Übergabe seiner Aufgaben an Johann Gamper 1926 stand er seiner Kapelle noch bis 1945 mit Rat und Tat zur Seite und leitete den Kirchenchor. Gamper wurde aufgrund seiner Genauigkeit und Strenge von den Musikern geliebt – jedoch auch gefürchtet. Von 1933 bis 1965 war der Posaunist Toni Schönweger vom Grasweghof aus Vertigen Kapellmeister; er verstand es, seine Kapelle wieder auf ein hohes Niveau zu bringen. Ab 1965 übernahm Benedikt Burger jun., Enkel des früheren Kapellmeister, die Leitung der Kapelle für 29 Jahre und hat sich als gewissenhafter Kapellmeister, und gleichzeitig als Organist und Chorleiter, einen Namen gemacht; er war es auch, der zum 175. Jubiläum 1993 die Festschrift verfasst hat. Mit Begeisterung dabei Die Kapelle zählt 58 aktive Mitglieder, davon sind 9 Madeln: 5 Flöten, 12 Klarinetten, 1 Bass-Klarinette, 4 Saxofone, 6 Trompeten, 2 Tenorhörner, 5 Bassflügelhörner, 5 Flügelhörner, 4 Waldhörner, 5 Bässe, 5 Posaunen, Schlagzeug, kleine und große Trommel, Pauken und Becken. Ende der 60er Jahre entstanden in Südtirol verschiedene Landesmusikschulen, dank denen die musikalische Ausbildung des Nachwuchses gesichert wurde. Viele der Partschinser Musiker bleiben ihr Leben lang der Musik und dem kulturellen Geschehen ihres Dorfes verbunden, wie die zehn beweisen, die bereits zwischen 40 und 55 Jahre aktive Mitglieder der Kapelle sind. 1993 übernahm Albert Zerzer die Aufgaben als Obmann und bei den letzten Wahlen im Januar dieses Jahres ist er in seinem Amt bestätigt worden. Seit 1996 ist der Musiklehrer und Landwirt Michael Pircher Kapellmeister; wieder ein Partschinser und aus den Reihen der eigenen Musikkapelle hervorgegangen. Auftritte und Konzerte Die Partschinser Musikkapelle hat etwa dreißig Auftritte im Jahr im Ort und außerhalb. Leider verfügt ihr Dorf über keinen geeigneten Konzertsaal, der groß genug für Kapelle und Publikum wäre und somit muss sie, wenn sie nicht im Freien aufspielt, ihre Konzerte im Peter Thalguterhaus in Algund oder im Bürger- und Rathaussaal in Naturns abhalten. Auch heuer stehen verschiedene Veranstaltungen, sogar eine Einladung nach Deutschland, auf ihrem Programm, außer den etwa zwölf Konzerten für Einheimische und Gäste in Partschins und Rabland; zu allen kirchlichen Feiertagen und bei offiziellen Anlässen spielen sie im Ort auf und ihre Konzertsaison endet auch heuer erst mit dem Schlusskonzert am 1. Oktober in Meran. Unter der Leitung von Georg Schweitzer spielt die „Böhmischen“ zur Unterhaltung bei Festen, Frühschoppen und Bunten Abenden auf. Der Wunsch aller 58 Musiker, Mitarbeiter und Promotoren ist es, noch viele Jahre dem Publikum viel Freude mit ihrer Musik zu bereiten und dass das kulturelle Erbe ihrer Vorgänger auch in Zukunft erfolgreich weiterleben kann.
Christel Strasinsky

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