Oswald Krad: Altarschrein in Tschirland (1668); der Hauptschrein enthält die Statuen des hl. Oswald von Nordthambrien, die hl. Maria Magdalena und die hl. Margareth, die seitlichen Bischöfe sind später beigesetzt worden. Im Statuentabernakel darüber ist die Muttergottes eingesetzt. Zu oberst schließt die Statue des hl. Michael das Altarwerk ab.

Oswald Krad, Bildhauer aus Naturns

Publiziert in 9-10 / 2021 - Erschienen am 18. März 2021

Naturns/Latsch - Der Bildhauer Oswald Krad ist in Naturns geboren (ca. 1620) und am 16. März 1681 in Bozen gestorben. Da das Taufbuch von Naturns erst 1633 beginnt, sucht man das Taufdatum vergebens. Laut der ersten schriftlichen Notiz tritt Oswald Krad 1651 in Mals als Meister auf, somit kann seine Geburt um 1620 angenommen werden, vor 400 Jahren also. Seine Ausbildung erhielt er vermutlich bei Hans Patsch, dem großen Barockmeister aus Landeck. Seinen ersten Auftrag, soweit das ausgeforscht werden konnte, erhielt er 1651 in Mals. Dort baute er den Tabernakel auf dem Hochaltar. Dieses Werk ist nicht erhalten geblieben. Es ging 1799 beim Franzoseneinfall samt der Pfarrkirche zugrunde. Danach stattete Krad die St. Michaelskirche in Burgeis mit dem Hochaltar aus, der vollständig erhalten ist; die wertvollsten Statuen sind aber derzeit aus Sicherheitsgründen deponiert. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts wurden auf Anordnung der geistlichen Obrigkeit in den Kirchen des Vinschgaus die Sakramentshäuschen in der Mauer gegen neue Tabernakel auf den Hochaltären ausgetauscht. Das war für einige Zeit die Hauptbeschäftigung von Oswald Krad, der sich 1657 in Latsch niederließ, Lehrlinge annahm und von hier aus seine Werke fertigte: den Tabernakel in der St.-Peter- und Pauls-Pfarrkirche in Latsch, ca. 1745 ersetzt; den Tabernakel  in der Spitalkirche in Latsch, auch davon hat sich nichts erhalten; in der St.-Michael-Kirche in Tarsch gibt es mehrere Statuen, die von einem Tabernakel herrühren; in der St.-Peters-Pfarrkirche in Gratsch baute Krad ebenfalls einen Tabernakel, dort gibt es noch die beiden Apostel St. Petrus und Paulus, die Krad zugeschrieben werden. Von den Altarwerken Krads im Vinschgau sind erhalten geblieben: der genannte Altar in St. Michael in Burgeis; in der St.-Remigius-Pfarrkirche in Eyrs die beiden Seitenaltäre aus der alten St. Josefs-Kirche; in St. Oswald in Tschirland der großartige dreistöckige Hochaltar; in St. Michel in Tarsch haben sich zahlreiche Krad-Statuen erhalten, die auch auf einen Altar schließen lassen. Um 1660 übersiedelte Krad von Latsch nach Bozen. In der Stadt selbst sind allerdings die Krad-Arbeiten spätestens im letzten Krieg verloren gegangen. An noch vorhandenen Kunstwerken des Bildhauers im Bozner Umfeld sind aufzuzählen: der Altar in St. Magdalena in Rentsch, der Hochaltar in St. Jakob in der Au, drei Statuen in der St. Martins-Pfarrkirche in Girlan, zwei Seitenaltäre in der St.-Andreas-Pfarrkirche in Salurn, drei Altarwerke in St. Josef am Friedhof in Salurn sowie der Altar in der Mariä-Heimsuchungskapelle bei Gfrill. Zum 340. Todesjahr Oswald Krads gab der Heimatpflegeverein Naturns-Plaus eine Biographie heraus (Erarbeitung von Hermann Theiner, Latsch; Fotos: Kurt Wieser, Schlanders).

Redaktion

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.