Konrad Laimer, Goldschmied und Künstler in Naturns, verarbeitet unter anderem Tierknochen in formschöne Ringe, Armreife, Anhänger. Er beschäftigt sich auch mit Gußtechnik, hält Kurse zur Verarbeitung von Metall und Glas und entdeckt in der unerschöpflichen Natur immer wieder Vorbilder für seine Arbeiten.

Schmuck und Abwehr

Publiziert in 21 / 2004 - Erschienen am 5. November 2004
Der Talisman oder das Amulett sind Gegenstände, die Dämonen, Unglück oder Gefahren abwenden sollen. Sie haben große Ähnlichkeit mit Schmuckgegenständen: Ringe, Armreifen, Ketten, Anhänger, Tätovierungen oder neuestens : Piercing. Aber gar so neu ist das nicht und wenn Mädchen ein großes schwarzes Kreuz um den Hals tragen, so bedeutet dies nicht so sehr Frömmigkeit als vielmehr Angst, Abwehr. Dies behaupten zumindest einige Psychologen. Das Fleisch durchdringende Metallknöpfe, also „Piercing“, hat in jüngster Zeit beängstigende Formen angenommen. Dieser Kult flaut aber allmählich ab, wie besorgte Eltern - und vielleicht auch Liebhaber? - erleichtert feststellen. Aber das stimmt nur beschränkt, denn die “jüngeren“ Eltern schützen sich auch gern mit Nasenschmuck und durchbohrten Lippen. Eigentlich geschieht hier etwas, was auf kulturellem Gebiet schon längst bekannt ist, nämlich die Rezeption afrikanischer und asiatischer Kunst und Körperkuktur: Lange belächelt, wurde sie bald Mode. Piercing für die Ohren, das ist keine Neuigkeit. Abgesehen von den Ohrringen, die seit eh und je auch bei Soldaten, Zigeunern, Piraten üblich waren, steckten auch unsere männlichen Vorfahren Goldknöpfe ins Ohrläppchen, um das Sehvermögen zu stärken. Schmuck hat heute vor allem die Aufgabe, den Wert des Körpers sichtbar zu machen, zu verschönern, aber auch zu schützen; instinktiv geht es immer auch um Abwehr. Ganz frühen Abwehrschmuck finden wir bei Kriegern mit den aufgesetzten Hörnern, die kaum zur Steigerung der Kampffähigkeit beitrugen. Mit ihnen wollte man den Gegner abschrecken, imponieren...und das ist ein bißchen bis heute so geblieben. Schmuck gibt Selbstvertrauen, schützt; über edle Materialien fließen Kräfte, Schmuck kann zur Rüstung, zur Waffe werden. Edelsteine helfen gegen allerhand Beschwerden. Helfen vor allem im Partnerkonflikt: Durch Gold und Diamanten wird das Gewissen des Sünders beruhigt.. Eng mit der Wirkung des Schmuckes verwandt ist das Ornament, etwa der „laufende Hund“. Wir finden diese Wellenzeichen auf dem 2500 Jahre alten Negauer Helm und als Umrahmung der Fenster bei alten Häusern zur Geisterabwehr. Schmuck ist aber vor allem Lebenssymbol, bedeutet Fruchtbarkeit und unvergängliche Schönheit.
Hans Wielander

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