Nach den Plänen von Othmar Prenner wurde der Bunker „wohnlich“ gemacht.
Mit einem Leuchtstift hat Pirner die unsichtbare Schwienbacher sichtbar gemacht.
Der erblindete Gerald Pirner und die Theaterpädagogin Nadja Schwienbacher wiesen das Publikum ein.

So viel Kreativität und so viel im Dunkeln

Publiziert in 16 / 2023 - Erschienen am 12. September 2023

Tartsch - Es war meine erste Annäherung an den Bunker 23. Auch regnete es am letzten August-Sonntag und mir fiel nicht ein, irgendwo gelesen zu haben, warum das Ungetüm so genannt wird. Ordinär festgestellt: Das „Sauwetter“ war auch ein Segen für jene, die unter der Hitze gelitten hatten. Die Annäherung erfolgte mit Regenschirm und war trotzdem feucht. Eiligst ging es durch den Bau voller Nischen und Zellen; vorbei an Bildern, Collagen und Objekten hin zum nordseitigen Ausgang. Dort standen geschätzt 30 Personen – es sollen mehr gewesen sein. Künstler und Kunst-Schaffende nicht nur aus dem Vinschgau warteten gespannt auf die Performance des „blinden Kunstkritikers, Essayisten, Künstlers und Fotografen Gerald Pirner aus Berlin. Der Titel oder das Motto klang verheißungsvoll: „Sprich, damit ich dich sehe“. Dann die Hinweise: „Hand auf die Schulter des Vordermannes oder der Vorderfrau. Vor dem Schlechtwerden melden. Wir kommen Sie holen.“ Das Abschleppen würden wohl Bunker-Besitzer Othmar Prenner und die als Regisseurin und Theaterpädagogin angekündigte Nadja Schwienbacher besorgen. Jedenfalls baumelte eine gelbe Taschenlampe an ihrem Hals. Dann wurde uns allen schwarz vor den Augen. Es ging in winzigen Schritten vorwärts; die Pausen wurden als lang empfunden. Die einzige Abwechslung bis zum Stopp in einem Saal waren Stufen und laute Anweisungen, wie zu bewältigen. Schließlich stand man in einem Raum. Das merkte man auch im Dunkeln. In der Hoffnung, den Fotoapparat richtig eingestellt zu haben, lauschte man den Rufen von Nadja Schwienbacher und den Erklärungen des Künstlers, der es schließlich mit „Lightpainting“, mit Licht malend, zu einer Projektion brachte. Als Silhouette war Nadja Schwienbacher erkennbar. Auf dem Boden robbend durchmaß der blinde Künstler den Raum und stellte sich den Fragen einiger Besucher. Da die Gedenkausstellung „Benny, Sven und die Künstlermenschen“ an Sonntagen bis zum 15. Oktober von 14 bis 19 Uhr und mit Führung um 16 Uhr zugänglich ist, wuchs der Wunsch einer Wiederholung des Besuchs unter günstigeren Bedingungen.

Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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