Horst Saller (links) beim Filmvorgespräch mit Thomas Strobl.

„Tu, was du für richtig hältst“

Publiziert in 39-40 / 2021 - Erschienen am 23. November 2021

Schlanders - Darf ein Mann seine Frau, seine drei Kinder und seine Mutter allein zurücklassen, weil er es vorzieht, hingerichtet zu werden als den Treueeid auf Hitler zu leisten? Einer, der das getan hat, ist der Bauer Franz Jägerstätter aus St. Radegund in Oberösterreich. Er wurde als Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und am 9. August 1943 hingerichtet. Ein filmisches Denkmal setzte dem Widerstandskämpfer der US-amerikanische Regisseur Terrence Malick mit dem Film „Ein verborgenes Leben“ („A Hidden Life“). Am 17. November zeigte der Filmclub Schlanders den Film im Schönherr-Kino im Kulturhaus. Terrence Malick ist nicht ein Regisseur, der Filme am Laufband dreht, „sondern der sich sehr viel Zeit für seine Werke nimmt“, hatte Thomas Strobl vorausgeschickt. Er brauche oft 10 Jahre und mehr, um einen Film auf die Welt zu bringen. Dass es Malick liebt, mit Bildern, Licht und langen Einstellungen auf die Natur und auf die Gesichter von Menschen in die Tiefe zu gehen, zeigt auch „A Hidden Life“. Für diesen Film hat Malick nach den Dreharbeiten 2 Jahre im Schnittstudio gearbeitet. „Malick ist nicht ein Regisseur, der dauernd herumschreit. Er sitzt abseits vom Set und beobachtet. Anweisungen lässt er übermitteln.“ So beschrieb der Theater- und Sketscheschreiber Horst Saller aus Schlanders den Regisseur. Saller hatte 2014 an einem Casting einer Meraner Agentur in Schlanders teilgenommen und war dann zu den Dreharbeiten für „A Hidden Life“ gerufen worden. Saller tritt im Film in mehreren Szenen als Wehrmachtsoffizier auf. Viele Dreharbeiten des hochkarätig besetzten Films fanden 2016 in Südtirol statt, so etwa in Seis am Schlern, im Gsiesertal, in Rodeneck, im Schloss Taufers, in der Festung Franzensfeste und in Dietenheim. „Terrence hat mich gelobt und hat mich machen lassen“, erinnerte sich Saller beim Plausch mit Thomas Strobl. Malick pflege einen sehr menschlichen Umgang mit den Darstellern. In den Hauptrollen des 3-stündigen Films sind August Diehl (Franz Jägerstätter) und Valerie Pachner (Franziska Jägerstätter) zu sehen. Tobias Moretti spielt den Pfarrer Ferdinand Fürthauer. Die Überzeugung von Franz Jägerstätter, sich als einfacher Bauer dem Hitler-Regime entgegenzustellen, obwohl ihn die Dorfgemeinschaft, die offizielle Kirche und zum Teil auch Mitglieder seiner Familie umzustimmen versuchen, wird im Film nicht so sehr mit Worten, sondern mehr mit Bildern vermittelt. Franz Jägerstätter bleibt sich und seiner Überzeugung bis zur letzten Konsequenz treu. Er kann nicht anders, auch wenn man ihn und seine Familie ächtet, ausgrenzt und in die Ecke der Verräter stellt. Der Film ist auch die Geschichte einer großen Liebe. Bei der letzten Begegnung mit ihrem zum Tod verurteilten Mann sagt seine Frau: „Tu, was du für richtig hältst“. Genau das hat Franz Jägerstätter getan. 2007 wurde er seliggesprochen.

Josef Laner
Josef Laner

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