Freuten sich über eine gelungene Eröffnung (v.l.): Vize-Bürgermeister Michael Ganthaler, Annamaria Gapp und Bürgermeister Zeno Christanell.
Inmitten gebietsfremder Arten: Stephan Ilmer.
Der Fotokünstler Fabian Haspinger.
Lorenz Hofer präsentiert Holzskulpturen.
Die Landesräte Maria Hochgruber Kuenzer und Massimo Bessone beim Ortsaugenschein im neuen Naturparkhaus, das im Frühjahr 2023 eröffnet werden soll.

Wo bleibt der Respekt vor der Natur? 

Ausstellungen in Naturns wollen sensibilisieren – ohne erhobenen Zeigefinger. 

Publiziert in 9 / 2022 - Erschienen am 10. Mai 2022

NATURNS - Wie Mensch mit Natur und Umwelt umgeht, welcher Raubbau betrieben wird, wie sorglos wir den Müll in den Bergen entsorgen: Dies sind die Themen, um die es bei den aktuellen Sonderausstellungen im Naturparkhaus Texelgruppe in Naturns geht. „Wir Menschen zerstören unsere eigene Umwelt, das ist verrückt“, brachte es der Naturnser Bürgermeister Zeno Christanell bei der offiziellen Eröffnungsfeier am Freitag, 6. Mai, auf den Punkt. Annamaria Gapp, die Zuständige für das Naturparkhaus, hatte zur Eröffnungsfeier geladen. Die drei Kuratoren Fabian Haspinger, Stephan Ilmer und Lorenz Hofer stellten ihre Werke und Ideen vor. Ilmer ist der kreative Kopf der „Neobiota – Artenvielfalt von Menschenhand“. Die Ausstellung vom Alpenverein Südtirol (AVS) ist Teil einer Sensibilisierungskampagne zum Gebirgsmüll. „Aus unseren Bergen werden langsam Müllberge“, so Ilmer. Die neuen Arten seien etwa die Lagona Plasticae als Plastikflasche, Dosen und viele andere. „Auch Gegenstände, wo man anfangs nicht mal genau weiß, worum es sich handelt“, erklärt der AVS-Vertreter. Auf die Idee gekommen für so eine Ausstellung sei er, „weil wir immer wieder teils den selben Müll von den Wanderwegen wegräumen mussten“, so Ilmer. Der Pusterer Fotokünstler Fabian Haspinger will mit der Sonderausstellung „Die Welt ist nicht genug“ zum Nachdenken anregen. Seine Bilder zeigen vor allem Berglandschaften, die von Eingriffen durch den Menschen geprägt sind: Panorama-Plattformen am Gipfel, Unterhaltungsparcours in den Bergen, Fahrzeuge in alpiner Höhe, Parkplätze mitten in der Natur und vieles mehr. „Wir nehmen den Besuchern die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, erklärt der Fotograf. Die Möblierung und „Eventisierung“ der Natur sei kritisch zu hinterfragen. Relativ spontan war die Ausstellung „Fundstücke“ von Lorenz Hofer hinzugekommen. Die Holzskulpturen befinden sich außerhalb des Naturparkhauses und weisen sozusagen den Weg dorthin. Der Künstler präsentiert „Wegwerfobjekte“ aus Holz. „Ich habe überlegt was ich schnitzen kann und fand aufgrund des vielen Mülls dieses Thema passend. Nun haben wir einen guten Platz für die Skulpturen gefunden“, so der Künstler. Man erkenne dabei nicht gleich, um welche Objekte es sich handelt. „Man bleibt stehen und überlegt. Dann kommt der Aha-Effekt“, so Hofer über seine Werke. „Es sind drei Ausstellungen, die gut zusammenpassen und sensibilisieren, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu zeigen“, erklärte Annamaria Gapp. Die Ausstellung, die bereits seit 12. April zugänglich ist, ist noch bis zum 29. Oktober zu sehen. Im Rahmen der Veranstaltung ging es auch um das neue Naturparkhaus Texelgruppe. Dazu waren kurz vor Eröffnung der Ausstellung auch die Landesräte Massimo Bessone und Maria Hochgruber Kuenzer bei einem Lokalaugenschein. Wie Bürgermeister Zeno Christanell und Vize-Bürgermeister Michael Ganthaler betonten, habe die Gemeinde Naturns ihre „Hausaufgaben gemacht“. Der Bau sei fertig, es fehle noch an der Einrichtung, hierfür ist das Land Südtirol zuständig. Man sei zuversichtlich, dass die Eröffnung im Mai 2023 stattfinden könne, und peile den „Internationalen Tag der Biodiversität“ am 22. Mai 2023 als passenden Eröffnungstermin an. 

Michael Andres
Michael Andres

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