Die Bürger von Schlanders zeigen laut Bürgermeister Johann Wallnöfer großes Verständnis für die Unannehmlichkeiten während der Grabungsarbeiten zur Verlegung des Fernwärmenetzes.

Finanzielle Durststrecke beim Fernheizwerk

Publiziert in 22 / 2008 - Erschienen am 11. Juni 2008
Schlanders – Die Arbeiten zur weiteren Innenausstattung des Fernheizwerkes der Gemeinde Schlanders und zum Bau des Leitungsnetzes im Hauptort schreiten voran. „Rund 95 Prozent der Haushalte im Hauptort schließen sich an das Fernwärmenetz an, das ist ein großer Erfolg“, freute sich Bürgermeister Johann Wallnöfer bei der Gemeinderatssitzung am 5. Juni. Die Abschlussrechung der Fernheizwerk Schlanders GmbH für das Finanzjahr 2007 stellte das Überwachungsratsmitglied Günther Bernhart vor. Der Verlust von rund 160.000 Euro wurde mit einem Teil des Gesellschaftskapitals, das sich ursprünglich auf eine Million Euro belief, aufgefangen. Die Gemeinde hält bekanntlich 51 Prozent des Kapitals, die SEL AG 49. Wird mehr als ein Drittel des Kapitals „verbraucht“, muss die Gesellschaft laut ­Bernhart Maßnahmen ergreifen. Dass die GmbH in den ersten Jahren angesichts der großen Investitionen eine Durststrecke durchzumachen hat, sei normal und sei auch so vorhergesehen worden. Das Ausmaß der Vorfinanzierungen für die Investitionen belaufe sich zurzeit auf rund 13 Mio. Euro. Weitere rund 3 Mio. Euro kommen an Lieferantenverbindlichkeiten dazu. Die Passivzinsen 2007 beliefen sich auf ca. 200.000 Euro, 2008 dürften sie zwischen 600.000 und 800.000 Euro liegen. Das Land übernimmt 30 Prozent der Gesamtkosten, die sich auf ca. 30 Mio. Euro belaufen, schüttet dieses Geld aber in mehreren Jahresraten aus. Mit größeren Einnahmen (Erlöse aus dem Wärmeverkauf, Anschlussgebühren sowie Erlöse aus den so genannten Grünzertifikaten und dem Stromverkauf) ist erst 2009 zu rechnen. Wie berichtet, hatte die GmbH beschlossen, nur mehr einen Gasmotor einzubauen und im Gegenzug mehr Biomasse einzusetzen, auch für die Stromproduktion, zumal für Strom aus Biomasse für 15 Jahre ein günstiger Abnahmepreis garantiert wird. Der Holzbedarf steigt dadurch allerdings von 20.000 auf 60.000 Schüttraummeter pro Jahr an. Um die finanzielle Durststrecke der nächsten Jahre zu überbrücken, gibt es laut Günther Bernhart 3 Möglichkeiten: Anpassung der Tarife, Abwertung des Kapitals oder Zufuhr frischen Kapitals seitens der 2 Partner (Gemeinde und SEL). Derzeit beläuft sich das Kapital noch auf 760.000 Euro. 2008 sei noch kein Handlungsbedarf gegeben, wohl aber gegen Ende 2009. Der Bürgermeister, seines Zeichens auch Präsident der Fernheizwerk-Gesellschaft, kündigte an, dass die Durststrecke nicht auf Kosten der Bürger überbrückt werde, sondern auf Kosten der Gemeinde und der SEL, mit der natürlich zu sprechen sein wird. Dass seinerzeit eine GmbH als Gesellschaftsform gewählt wurde, erweise sich jetzt als richtig, „denn hätten wir eine Genossenschaft gegründet, wären jetzt alle Mitglieder direkt mit der Durststrecke konfrontiert.“ Zugestimmt hat der Gemeinderat der Reduzierung der Zahl der Verwaltungsratsmitglieder von 5 auf 3. Der neue Verwaltungsrat wird im April 2009 gewählt. Der Bürgermeister und auch das Ratsmitglied Karl Thoman beziehen für ihre Mitarbeit im Verwaltungsrat übrigens keine Entschädigung.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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