Groß, modern und technisch ausgeklügelt
Publiziert in 43 / 2010 - Erschienen am 1. Dezember 2010
Schlanders – Erst am Tag der offenen Tür am vergangenen Samstag haben so manche Schlanderserinnen und Schlanderser zum ersten Mal im Detail gesehen, wie genau die in diesen Tagen so willkommene Wärme in ihre Stuben kommt und wie sie erzeugt wird. „Das Fernheizwerk Schlanders ist die größte und modernste Anlage dieser Art im Vinschgau“, sagte Erich Ohrwalder, der Präsident der Fernheizwerk Schlanders GmbH, bei der offiziellen Eröffnung des Fernheizwerks. Die Anlage ist ein Gemeinschaftswerk der Gemeinde Schlanders (51 % Anteile) und der SEL AG (49 %). Aufbauend auf ermutigende Umfragen in der Bevölkerung wurde die Gesellschaft im Jahr 2006 gegründet. Anfang 2007 begannen die Bauarbeiten, im November desselben Jahres ging der Gaskessel in Betrieb und im Dezember 2009 die Biomasse-Anlage. Mit derzeit fast 700 Kunden, zu denen auch Großstrukturen wie etwa das Krankenhaus und etliche Industriebetriebe gehören, ist das Fernheizwerk Schlanders laut Ohrwalder gut ausgelastet. Zum Versorgungsgebiet gehören die Kernzone von Schlanders, das Zerminiger Viertel bis zur GEOS und zum Bahnhofsareal, die Zonen Malaun und Kortsch Unterdorf sowie die Industriezone Vetzan. Die derzeitige Trassenlänge beläuft sich auf 23 km. Für die Vor- und Rücklaufleitung wurden ca. 45 km Rohrleitungen verlegt.
Wie schon Ohrwalder verwies auch SEL-Präsident Klaus Stocker darauf, dass das Fernheizwerk Schlanders von der Technologie her zu den fortschrittlichsten und ausgeklügeltsten Anlagen in Südtirol zählt. Neben der Fernwäme wird auch Strom erzeugt. Betrieben wir die Anlage zu 64 % mit Hackschnitzel und zu 36 % mit Erdgas. Stocker und Ohrwalder hoben auch den architektonischen Aspekt des Heizwerks hervor. Ein weiterer Beweis dafür, dass das Werk gelungen ist und sich gut in das Landschaftsbild einfügt, sei die Tatsache, dass Architekt Markus Tauber dafür vor kurzem im Zuge des Architekturwettbewerbs der Stiftung „Oderzo Cultura“ mit dem ersten Preis in der Kategorie „Öffentliche Infrastrukturbauten“ ausgezeichnet wurde.
Klaus Stocker hob auch die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde hervor. Er dankte dem derzeitigen Fernheizwerk-Präsidenten, seinem Vorgänger und ehemaligen Bürgermeister Johann Wallnöfer und dem derzeitigen Bürgermeister Dieter Pinggera. Dieser sprach von einer „enormen finanziellen Herausforderung“, die man aber meistern werde. Weiters werde die Gemeindeverwaltung alles unternehmen, um auch Göflan, Vetzan und Kortsch Oberdorf an das Fernwärmenetz anzubinden.
Die bisherigen Gesamtausgaben für das Heizwerk bezifferte Ohrwalder mit ca. 32 Millionen Euro. Wenngleich das Land 30 Prozent der Kosten übernahm, wiegt die Zinslast zur Abdeckung der Darlehen nach wie vor schwer.
Landesrat Michl Laimer verwies auf den umweltfreundlichen Aspekt der Anlage. Südtirol sei in punkto Nutzung von erneuerbaren Energien auf einem guten Weg: „Derzeit deckt Südtirol seinen Energiebedarf zu 56 % mit erneuerbaren Energieträgern, in 10 Jahren wollen wir auf 75 % kommen.“
Wie Ohrwalder dem „Vinschger“ bestätigte, werde man im Falle des Anschlusses der Fraktionen auch über eine Erweiterung nachdenken müssen, „denn zu Spitzenzeiten liegen wir schon jetzt fast an der Grenze der Kapazität.“
Den kirchlichen Segen erteilte Dekan Josef Mair.
Josef Laner