„Weil ich überzeugt davon bin, dass es eine Opposition braucht“
Publiziert in 22 / 2010 - Erschienen am 9. Juni 2010
140 Vorzugsstimmen- mit diesem Ergebnis konnte Thomas Oberhofer (29) als erster von drei Freiheitlichen Gemeinderäten in den Grauner Gemeinderat einziehen.
„Der Vinschger“: Gratuliere zu deinem Ergebnis! Was hat dich zur Kandidatur bewogen und besonders, wieso hast du auf der Liste der Freiheitlichen kandidiert?
Thomas Oberhofer: Persönlich bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis und möchte mich bei allen Wählerinnen und Wählern bedanken, die mir das Vertrauen geschenkt haben. Ich bin mit Leib und Seele ein Oberländer und interessiere mich schon länger für das politische Geschehen in meiner Heimat. Mir liegt die Zukunft meiner Gemeinde sehr am Herzen, sodass ich mich vor einiger Zeit dazu entschlossen habe, zu kandidieren. Die Freiheitlichen deshalb, weil ich überzeugt davon bin, dass es eine Opposition braucht, die der Regierungspartei notfalls auf die Finger klopft.
War die Kandidatur nicht auch mit einem persönlichen Risiko verbunden, schließlich ist die Gemeinde Graun, wie die meisten Gemeinden im Vinschgau, stark SVP-dominiert?
Thomas Oberhofer: Wie es sprichwörtlich doch so schön heißt: „Gegen den Strom schwimmen ist immer schwerer“. Natürlich war mir von Anfang an klar, dass ich auf der SVP-Liste bessere Chancen gehabt hätte. Ich habe mich aber dagegen entschieden, weil ich eine Alternative zur Südtiroler Volkspartei bieten möchte und von der Existenz einer gut funktionierenden Opposition überzeugt bin. Das Projekt einer neuen Gruppierung im Oberland hat es nämlich schon länger gegeben, man war sich nur immer uneins, ob man auf der Bürgerliste oder der Liste der Freiheitlichen kandidieren sollte. Letztendlich erschien die Möglichkeit der Freiheitlichen Partei im Oberland aber verlockender. Das soll nicht bedeuten, dass ich 100% hinter allen Punkten der Freiheitlichen Partei stehe. Am besten wäre es meiner Ansicht nach sowieso, dass es in kleineren Gemeinden nur eine einzige Liste gibt unabhängig einer Parteizugehörigkeit, wo jeder jeden wählen kann und wo man nicht durch Listen eingeschränkt wird.
Als Kapitän der 1.Mannschaft des Fußballclubs „FC Oberland“ und aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr bist du sicher sehr beliebt. Glaubst du einige deiner Stimmen auch darauf zurückführen zu können?
Thomas Oberhofer: Ich denke dass ich meine hohe Stimmenanzahl am meisten meinen Verwandten, engsten Freunden und Kollegen und vielen jungen Wählerinnen und Wählern zu verdanken habe. Sicherlich kam die ein oder andere Stimme auch aus dem Sportbereich oder von der Feuerwehr. Ich habe in allen Fraktionen recht gut abgeschnitten, vor allem auch in meinem Heimatdorf Graun.
Was möchtest du in der Gemeinde verändern und mit welchen Themen wirst du dich beschäftigen?
Thomas Oberhofer: An erster Stelle will ich bürgernahe Politik betreiben und Ansprechpartner für alle sein. Jeder soll mit seinen Anliegen zu mir kommen können, egal aus welchem politischen Lager oder welcher Fraktion. Weiters werde ich mich mit den Themen beschäftigen, mit welchen meine Partei in den Wahlkampf gestartet ist: Entwicklung von Leitbildern im Oberland für Tourismus, Handel, Handwerk und Landwirtschaft, Erhöhung der Lebensqualität durch Verkehrsminderung, Unterstützung der heimischen Betriebe und Schaffung von neuen Arbeitsplätzen; Dazu gehört auch eine baldige Entscheidung, was mit den Skigebieten und dem Schwimmbad in Zukunft passieren wird.Wichtig ist es auch, dass die lokalen Privatbetriebe stets die Möglichkeit bekommen, an Wettbewerben teilzunehmen bzw. immer für das Erstellen eines Angebotes eingeladen werden. Es braucht auch ausreichend Baugründe, denn in der momentanen Situation fällt es alles andere als leicht, ohne längere Wartezeiten an einen bebaubaren Grund in einigen Fraktionen zu kommen.
Die Jugendförderung war ein Kernpunkt der Freiheitlichen in Graun. Wo siehst du im Jugendbereich noch Aufholbedarf?
Thomas Oberhofer: Leider gibt es in der Gemeinde Graun und Umgebung noch viel Aufholbedarf, was die Freizeitgestaltung der Jugendlichen betrifft. In den letzten Jahrzehnten wurden auf Grund mehrerer Fehlentscheidungen Bauten errichtet, die verstreut in den Dörfern platziert sind, aber kein Sportzentrum bilden wie es in anderen Gemeinden der Fall ist. Dort findet man z.B.: Fußballplatz, Tennisplatz und Schwimmbad nebeneinander gereiht. Im Sport- und Jugendbereich sehe ich vor allem die Förderung unserer Vereine wie die Laufgruppe, den Fußballverein, den Kitesurfclub, den Skiclub, das Fitnesszentrum und einigen mehr, um den Jugendlichen eine angemessene Freizeitgestaltung zu bieten. Die Jugendeinrichtungen müssen unbedingt auf Vordermann gebracht werden, damit sie wieder zu einem Treffpunkt für junge Menschen werden können. Besonders in Graun gibt es da noch einiges zu tun. Wir müssen die besten Grundlagen für die Jugendlichen in den Räumen und Einrichtungen schaffen, damit sie sich dort wohl fühlen können und gerne Zeit verbringen.
Wie stellst du dir deine Arbeit als Gemeinderat vor und wie erhoffst du dir deine Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister?
Thomas Oberhofer: In jeder Sitzung werde ich versuchen, meine Meinung konstruktiv in die Sachlage mit einzubringen. Ob es auch Anklang findet, wird man dann sehen. Die Wahlversprechen sollen jedenfalls erfüllt werden, auch nach den Wahlen. Und dafür werde ich einstehen. Ich hoffe auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und dass alle gleich behandelt werden. Persönlich kenne ich ihn nicht und er hat sich auch bis heute nicht bei mir gemeldet. Ich wünsche ihm aber viel Glück bei seiner Arbeit, schließlich muss er in große Fußstapfen treten.
Zu guter Letzt stellt sich noch die Frage, was eigentlich mit dem Wahlspruch „Freiheit, die wir meinen! Furchtlos, gerecht, treu und wahr! Die Freiheitlichen der Gemeinde Graun“ gemeint ist? Müssen wir uns jetzt auf Reibereien im Gemeinderat einstellen?
Thomas Oberhofer: Nein, ich denke, die bleiben dem Gemeinderat und den anderen Räten erspart. Eigentlich ist mit diesem Spruch nur gemeint, dass man in einer Oppositionspartei unabhängig ist und jederzeit seine Meinung sagen darf, was ich bei der Südtiroler Volkspartei nicht so sehe. Ich als Mitglied der Freiheitlich darf unabhängig von anderen, ohne Vorurteile, ehrlich und gradlinig, stets meine Meinung kund tun und anderen mitteilen. Dies ist vielleicht der entscheidende Unterschied zur SVP.
Interview: Jasmin Mair
Jasmin Mair