Der neue Ausschuss der Bezirksgemeinschaft Vinschgau (v.l.): Mauro Dalla Barba, Franz Prieth, Roselinde Gunsch (Präsidentin), Christine Kaaserer, Georg Altstätter und Rafael Alber.
Dem Programm 2025-2030 stimmte der Bezirksrat ebenso einhellig zu, wie der Zusammensetzung des neuen Bezirksausschusses.   

Die „Bezirksregierung“ steht

Diskussion um Zuständigkeiten im Ausschuss. „Für wichtige Anliegen gemeinsam mehr Druck aufbauen.“

Publiziert in 21 / 2025 - Erschienen am 18. November 2025

Schlanders - Alle 17 Mitglieder des neuen Bezirksrates der Bezirksgemeinschaft Vinschgau waren bei der konstituierenden Sitzung am 6. November anwesend. Neben den Bürgermeistern und Bürgermeisterinnen der 13 Gemeinden sind Schlanders, Mals und Latsch als Gemeinden mit über 5.000 Einwohnern mit je einem weiteren Mitglied im Bezirksrat vertreten: Mals mit Nora Reiner, Latsch mit Thomas Pichler und Schlanders mit Karin Meister als Vertreterin der politischen Minderheit. Schlanders stellt mit Dunja Tassiello zudem auch die Vertreterin der italienischen Sprachgruppe. Dem umfangreichen Programm der Periode 2025-2030 in den Bereichen Sozialdienste, Umweltdienste, Radweg und Regionalentwicklung, das die designierte Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch vorstellte, stimmte der Bezirksrat ebenso einhellig zu, wie dem Vorschlag von Gunsch für die Zusammensetzung des Bezirksausschusses. Dieser setzt sich nicht mehr aus 5, sondern 6 Mitgliedern zusammen. Roselinde Gunsch wurde als Präsidentin bestätigt, ihr zur Seite stehen im Ausschuss die Schlanderser Bürgermeisterin Christine Kaaserer sowie die Bürgermeister Mauro Dalla Barba (Latsch), Rafael Alber (Prad), Georg Altstätter (Martell) und Franz Prieth (Graun). Den scheidenden Ausschussmitgliedern Josef Thurner (Mals), der bisher Vizepräsident war, und Verena Tröger (Laas) wurde für ihre Mitarbeit im Ausschuss gedankt. 

„Zui bleibm“

Bei der Diskussion im Vorfeld der Abstimmung wurde u.a. angeregt, dass der Ausschuss stets in enger Abstimmung und transparent mit jenen Gemeinden zusammenarbeiten soll, die nicht im Ausschuss vertreten sind. Explizit eingefordert hat das der Schludernser Bürgermeister Heiko Hauser, der zudem dazu aufrief, bei wichtigen und politisch schwierigen Themen „zui zu bleibm“ und entsprechenden Druck auf die Landespolitik auszuüben. Als konkretes Beispiel nannte er das Thema Verkehr, speziell eine Umfahrungslösung für Schluderns und die umliegenden Gemeinden. Roselinde Gunsch versicherte, dass der Ausschuss weiterhin im Interesse aller Gemeinden arbeiten werde und dass die „Bürgermeister-Runden“ auch in Zukunft stattfinden werden.

„Aufpassen bei ARERA“

Mit einem eindringlichen Appell in Bezug auf die zukünftige Entwicklung im Abfall- und Abwasserbereich wartete Josef
Thurner auf. Konkret bezog er sich auf die staatliche Aufsichtsbehörde für Energie, Versorgungsnetze und Umwelt, kurz ARERA. „Das mit der ARERA könnte eine gefährliche Geschichte werden“, so der Malser Bürgermeister. Die Bezirksgemeinschaft und die Gemeinden sollten alles daransetzen, dass die derzeitige Selbstständigkeit im Bezirk erhalten bleibt: „Nicht nur in Rom, sondern auch in Bozen muss die Selbstbestimmung, die wir in diesem Bereich derzeit noch haben, verteidigt werden.“

Wer übernimmt Tourismus?

Eine direkte Zuständigkeit für den Bereich Tourismus hat die Bezirksgemeinschaft zwar nicht und der Ausschuss kann dafür auch keine Geldmittel ausschütten, doch ein wichtiges politisches Anliegen ist die künftige Entwicklung des Tourismus im Vinschgau allemal. Einig war man sich bei der Bezirksratssitzung darin, dass es das Phänomen „Overtourism“ im Vinschgau im Gegensatz zu anderen Landesteilen nicht gibt, sondern dass vielmehr noch ein Potential für eine weitere Entwicklung vorhanden ist und auch ausgeschöpft werden soll. Nicht einig war man sich darin, ob der Grauner Bürgermeister Franz Prieth der geeignete Vertreter für den Bereich Tourismus im Bezirksausschuss ist. Die Verteilung der Zuständigkeiten im Ausschuss obliegt zwar der Bezirkspräsidentin, doch Roselinde Gunsch hat ihre Vorstellungen dazu bereits am 6. November in groben Zügen mitgeteilt. Den Bereich Soziales werde sie weiterhin selbst übernehmen, für die Landwirtschaft und weitere Bereiche soll Christine Kaaserer zuständig sein und als Ansprechpartner für das Thema Verkehr soll Franz Prieth fungieren. Kontroverse Ansichten gab es zum Bereich Tourismus, „für den Franz Prieth zuständig sein möchte”, wie die Bezirkspräsidentin mitteilte. Gunsch erinnerte daran, dass es unlängst zu einer Art Trennung zwischen dem Ober- und Untervinschgau gekommen sei. Sie bezog sich auf die Schaffung der Ferienregion Reschensee bzw. die Vinschgau Marketing Konsortial GmbH mit Sitz in Latsch, die „nur“ mehr im mittleren und unteren Vinschgau operiert.

„Nicht unbedingt geschickt“

Bürgermeister Gustav Tappeiner (Kastelbell-Tschars) und seine Amtskollegin Verena Tröger gaben zu bedenken, dass es „politisch unklug“ bzw. „nicht unbedingt geschickt“ sei, in der jetzigen Situation dem Grauner Bürgermeister diese Zuständigkeit zu übertragen, denn es brauche jetzt eine Person zum „Zusammenführen“. „Der Vinschgau reicht von Schnals bis zum Reschen“, sagte der Marteller Bürgermeister Georg Altstätter. Laut dem Malser Bürgermeister sei Franz Prieth ein Fachmann im Bereich Tourismus. Er habe im Oberland bzw. Obervinschgau maßgeblich zu einem touristischen Aufschwung beigetragen, auch im Zuge der Schaffung der Ferienregion Reschensee: „Ich bin überzeugt, dass er gute Voraussetzungen mitbringt, dieses Erfolgskonzept auch auf den Rest des Vinschgaus auszudehnen.“ Franz Prieth selbst erinnerte erneut daran, dass es bei der Schaffung der Ferienregion Reschensee „rein um eine Marketingmaßnahme ging.“ Er sei ein wirtschaftsnaher Politiker und der Tourismus sei sein Hauptsteckenpferd. Berührungsängste habe er keine: „Der Tourismus ist für den gesamten Vinschgau sehr wichtig. Wir müssen die Kräfte im ganzen Tal bündeln.“ Wie Roselinde Gunsch im Anschluss an die Sitzung durchblicken ließ, werde sie Franz Prieth mit der Zuständigkeit für den Tourismus betrauen.

Josef Laner
Josef Laner

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