„Geld mustergültig eingesetzt“
Lob aus Rom für PNRR-Projekt „Green Community“ der 13 Gemeinden der Bezirksgemeinschaft Vinschgau.
Martell - Die Nutzung regionaler Ressourcen, innovative Ansätze zur Energieversorgung und nachhaltige Lösungen für die Landwirtschaft. Das waren die wichtigsten Ziele des gemeinsamen PNRR- Projektes „Green Community“ der 13 Gemeinden der Bezirksgemeinschaft Vinschgau. Das Projekt, entstanden in Zusammenarbeit mit BASIS Vinschgau Venosta, war im Herbst 2022 in Rom in die Liste jener Projekte aufgenommen worden, für die Geldmittel aus dem Wiederaufbaufonds PNRR reserviert wurden. Über die Förderschiene „Green Community“ sollten vor allem die nachhaltige Entwicklung ländlicher Gemeinden und Bergebiete unterstützt werden. „Die konkreten Projekte, die hier bei uns umgesetzt wurden, zeigen, dass Nachhaltigkeit mehr ist als nur Theorie“, sagte die Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch, als sie am 9. Oktober bei der Abschlussveranstaltung des Vinschger „Green Community“-Projektes im Nationalparkhaus „culturamartell“ in Martell einen besonderen Ehrengast aus Rom begrüßen konnte. Es war dies Luca Colombatto, der Direktor der PNRR-Einheit Staat-Regionen, der die persönlichen Grüße von Roberto Calderoli, des Ministers für regionale Angelegenheiten und Autonomien, überbrachte.
„0-km-Vollholzhaus“
Im Mittelpunkt der von Bürgermeister Georg Altstätter moderierten Abschlussveranstaltung stand die Vorstellung der wichtigsten Projektergebnisse. Maria Unterfrauner von „holzius Vollholzhaus“ führte in die Besonderheiten des „0-km-Vollholzhauses“ ein, das in der Nähe des Biathlonzentrums „Grogg“ errichtet wurde. Die neue „Parkhütte“, erbaut nach Plänen des Architekten Stefan Gamper, versteht sich als „alpines Retreat“, wobei Nutzerinnen und Nutzer Arbeit und Urlaub verbinden können. Beim Bau des Hauses, das Eigentum der Gemeinde Martell ist, wurden Holz aus Martell (Fichte, Lärche und Zirbe) sowie Laaser Marmor und die Gesteinsart „Marteller Granit Plima“ verwendet. Auch das Vollholzsystem von „holzius“ – auf Leim und Metall wird verzichtet – stellte Unterfrauner vor, sowie die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft. Das Nutzungskonzept der Parkhütte wurde von Annalisa Mair (BASIS Vinschgau Venosta) präsentiert. Aus dem PNRR-Fonds flossen rund 1,1 Millionen Euro in das „0-km-Vollholzhaus”.
Energiegemeinschaft EVi
Mit PNRR-Geldmitteln gefördert wurde auch die Energiegemeinschaft EVi. In dieser Gemeinschaft können sich Produzenten erneuerbarer Energien und Verbraucher virtuell zusammenschließen und die produzierte Energie untereinander virtuell verteilen. „Es läuft alles auf virtueller Ebene ab, niemand braucht Stromanbieter zu wechseln oder einen neuen Vertrag zu unterschreiben“, informierte der Latscher Bürgermeister Mauro Dalla Barba. Die Grundidee sei, „eine goldene Schnittmenge zwischen Produktion und Verbrauch zu finden.“ Geld verdienen lasse sich nicht, aber es handle sich um ein interessantes Modell. Zu den derzeit über 200 EVi-Mitgliedern gehören alle 13 Vinschger Gemeinden, die Gemeinden Naturns und Plaus, die Bezirksgemeinschaft, Familien und Betriebe mit Photovoltaikanlagen sowie Verbrauer. Die operative Verwaltung hat BASIS Vinschgau Venosta übernommen. EVi-Mitglieder kommen u.a. in den Genuss von GSE-Förderungen. Michael Wunderer, geschäftsführender Obmann der Energie-Werk Prad Genossenschaft, stellte das „Virtuelle Kraftwerk“ vor, eine Software zur Bündelung, Prognose und Verbesserung der lokalen Energieerzeugung, sowie die Maßnahme „Smart Grid: das Netz, das sich selbst misst“.
Spitzentechnologie im Erdbeeranbau
Über die neue Sensortechnologie im Marteller Erbeeranbau informierte Philipp Brunner, Agronom und Betriebsleiter bei der Marteller Erzeugergenossenschaft (MEG). Für das Projekt „Intelligente Bewässerungs- und Düngesteuerung im Erdbeeranbau“ wurden 48.000 Euro an PNRR-Mitteln bereitgestellt. Die neue Technologie, die derzeit von 8 Pionierbetrieben angewandt wird, ermöglicht eine permanente Überwachung von Wasser und Nährstoffversorgung. „Die Menge der Daten ist immens“, sagt Brunner. Um die fast 12.000 Datensätze, die pro Stunde einlaufen, zu verarbeiten, sei man auch auf die Künstliche Intelligenz angewiesen.
Vorbildhafte Projekte
Luca Colombatto zeigte sich von den Projektergebnissen beeindruckt. Er lobte die Bezirksgemeinschaft, die Gemeinden und die weiteren Projektbeteiligten für den mustergültigen Einsatz der Geldmittel aus dem PNRR-Fonds. Die Landeshauptmannstellvertreterin Rosmarie Pamer sprach ebenfalls von vorbildhaft umgesetzten Projekten. Sie dankte dem Staat, der EU und allen Beteiligten, nicht zuletzt der Bezirkspräsidentin Roselinde Gunsch und dem Generalsekretär der Bezirksgemeinschaft, Urban Rinner. Zum Programm der Veranstaltung gehörten auch die Besichtigung der „Erdbeerwelt“ und der MEG sowie der Besuch eines Erdbeerfeldes. Den Abschluss bildete die Fahrt zum „0-km-Vollholzhaus“.