Im Gedenken an Franz Muther
Wolfram Klotz: „Ihm war die Heimat nicht egal.“
Laas - „Es braucht Leute, die unsere Heimat schützen“. An diesen Leitgedanken des Aktivisten und BAS-Mitgliedes Franz Muther aus Laas erinnerte Wolfram Klotz, der anlässlich der Gedenkfeier zum 40. Todestag von Muther am 20. Juni auf dem Schulhof in Laas die Gedenkrede hielt. Wolfram Klotz, ein Sohn von Georg Klotz, würdigte die Opfer, die Franz Muther und weitere Mitglieder des Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) auf sich genommen hatten, um die Welt wachzurütteln und sie auf die Unterdrückung der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung in Südtirol aufmerksam zu machen. Franz Muther, geboren 1922, sei einer der ersten gewesen, die nach der Feuernacht – in der Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1961 wurden in Südtirol 37 Strommasten gesprengt – einer „Sonderbehandlung“ unterzogen wurde. Er wurde am 10. Juli 1961 von den Carabinieri verhaftet, in die Laaser Kaserne gebracht, noch am Abend zusammen mit dem ebenfalls verhafteten Matthias Parth aus Eyrs in die Kaserne nach Meran überführt und später nach Bozen überstellt.
„Folterbrief“ aus dem Jahr 1961
Auch aus dem „Folterbrief“, den Muther am 3. November 1961 an die Landesleitung der Südtiroler Volkspartei geschrieben hatte, las Klotz Passagen vor. Muther musste schwere körperliche und seelische Misshandlungen über sich ergehen lassen, an deren Folgen er bis zu seinem Tod im Jahr 1986 litt. „Wir dürfen die Opfer, die Franz Muther und seine Mitstreiter für ihre politischen Überzeugungen und Werte erbracht haben, nicht vergessen“, mahnte die Bürgermeisterin Verena Tröger in ihren Grußworten. Es seien Männer gewesen wie Franz Muther, „denen wir die Autonomie, die Freiheit und den Wohlstand zu verdanken haben.“ Tröger erinnerte auch an den Leidesweg von Franz Tappeiner und Engelbert Angerer, beide aus Laas, sowie an jenen aller BAS-Mitstreiter aus dem Vinschgau und ganz Südtirol. Mit Wolfram Klotz stimmte sie darin überein, „dass Franz Muther ein Vorbild für uns alle sein sollte.“ Seine politischen und moralischen Werte seien hochzuhalten. Am 16. Juli 1964 wurde Franz Muther im „Ersten Mailänder Südtirolprozess“ zu 9 Jahren und 5 Monaten Haft verurteilt. Am 10. August 1967 wurde er aus dem Gefängnis entlassen.
Einsatz für die Dorfgemeinschaft
Patrick Angerer, Hauptmann der Schützenkompanie Laas „Major Franz Muther“ würdigte Muthers Einsatz für die Laaser Dorfgemeinschaft sowie sein Engagement in mehreren Vereinen. Muther, Elektriker von Beruf, hatte sich unter anderem um den Aufbau des Alpenvereins und der Feuerwehr von Laas verdient gemacht. 1949 wurde er zum ersten Hauptmann. Maßgeblich beteiligt war er auch an der Wiedergründung der Schützen als Bezirksmajor. Franz Muther litt nach der Haftentlassung unter Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Das linke Ohr war taub. Mitgewirkt hat Muther nach den Jahren der Haft bei der Jugendarbeit im Schützenbund sowie im Pfarrgemeinderat. Außerdem wurde er Ortsobmann der SVP.
Schwache Beteiligung
Zum Auftakt der Gedenkfeier hatte Dekan P. Jolly auf dem Schulhof einen Gottesdienst zelebriert, den die Musikkapelle Laas mit der Kapellmeisterin Magdalena Paris musikalisch umrahmte. Die Schützenkompanie Laas feuerte eine Ehrensalve ab und legte zu Ehren von Franz Muther einen Kranz nieder. Ohne die Beteiligung von Schützen und Schützenabordnungen aus dem Bezirk Vinschgau sowie von offiziellen Vertretern der Gemeinde und der Fraktion hätte es auf dem Schulhof ziemlich „leer“ ausgesehen. Ausschließich dem Regen, der während der Veranstaltung einsetzte, kann die schwache Beteiligung seitens der Bevölkerung wohl nicht in die Schuhe geschoben werden. Abgeschlossen wurde die Gedenkfeier mit einem Umtrunk im Josefshaus.