Die Anliegen der Vinschger Umweltschützer sind breit gefächert.

Mals: Volksabstimmung über Pestizid-Einsatz?

Publiziert in 7 / 2013 - Erschienen am 28. Februar 2013
Die Umweltschutzgruppe Vinschgau stemmt sich gegen eine weitere Zunahme des konventionellen Obstbaus im Obervinschgau. Tschengls - Aufbauend auf den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut „apollis“ aus Bozen, will die Umweltschutzgruppe Vinschgau (USGV) in der Gemeinde Mals eine Volksabstimmung in die Wege leiten, bei der über den Verbot des Einsatzes von Pestiziden abgestimmt werden soll. „70% der 251 befragten Bürgerinnen und Bürger gaben an, dass man vom Pestizid-Einsatz wegkommen sollte,“ sagte die Vorsitzende Eva Prantl am vergangenen Freitag bei der gut besuchten USGV-Mitgliederversammlung in der Tschenglsburg. Ein noch größerer Anteil der Bevölkerung sehe in der Zunahme des konventionellen Obstbaus mehr Nachteile als Vorteile. 88% der Befragten sprachen sich dafür aus, dass beim Spritzen der Obstanlagen so viel Abstand eingehalten werden muss, dass angrenzende Flächen und Gebäude nicht beeinträchtigt werden. 64% sind dafür, dass die Gemeinde Mals zu einer Bioregion werden soll, in der alle Bauern nach den Kriterien des Bioanbaus wirtschaften. 81% sind allerdings auch dafür, dass man den Bauern nicht vorschreiben kann, welche Kulturen angebaut werden und welche Anbauweise gewählt wird. Nur 23% der Befragten glauben, dass im intensiven Obstbau heutzutage nur geprüfte und unbedenkliche Spritzmittel verwendet werden, die die menschliche Gesundheit nicht gefährden. Viele befürchten auch eine Veränderung der Landschaft und die Verdrängung der traditionellen Landwirtschaft. Auch einen Zeitplan für die für 2013 geplante Durchführung der Abstimmung legte Eva Prantl vor. Das Promotorenkomitee ist bereits eingesetzt. Es wird den Antrag bei der Gemeinde Mals hinterlegen, im Anschluss daran die nötigen Unterschriften sammeln (6% der Wahlberechtigten), ein Abstimmungsheft erstellen und weitere Maßnahmen setzen. Den Termin für die Abstimmung muss Bürgermeister Ulrich Veith festsetzen. „Hochwasserprojekt Laas von Bauern blockiert“ Äußerst schade findet es Peter Gasser, dass das im Zuge des Etsch-Dialogs im Plenum vereinbarte Hochwasserprojekt Laas im Nachhinein von den Bauern aus kaum erklärbaren Gründen blockiert worden sei, „und zwar nach der typischen Manier von Bauernbundpolitik.“ Am Bestreben, den Einsatz von Totalherbiziden auf Grünflächen in hoch gelegenen Lagen zu verbieten, werde man festhalten. Es sei absurd, „dass die Bergbauernberatung derartige Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung empfiehlt.“ Gegen Almerschließung Weiterhin wehren wollen sich die Umweltschützer und auch der AVS Schnals gegen die Erschließung der Moaralm in Katharinaberg. Die Alm liegt im Naturpark Texelgruppe und im Natura 2000 Gebiet „Pfossental“. Es gebe keine stichhaltigen Argumente für den Bau eines Weges in einem so sensiblen Gebiet. Hans Pöll aus Naturns allerdings sagte, dass der Besitzer der Alm keinerlei Hintergedanken habe. Er, Pöll, habe sich beim Forstinspektorat Meran erkundigt: „Bestimmte Argumente für den Bau des Weges haben mich überzeugt.“ Werde schonend gebaut, könnte der Weg, der ca. 150 Meter vor der Alm enden würde, den Verfall der Alm, die mit ca. 100 Stück Vieh bestoßen wird, verhindern. Laut Albert Pritzi und Peter Gasser hingegen gibt es keine Argumente, die einen derart großen Eingriff in die Landschaft rechtfertigen. Sie nannten etwa den Bau von Zyklopenmauern. Die Viehwirtschaft könne auch ohne Weg aufrecht erhalten werden, „auch wenn es unbequem ist.“ Zweite Rambach-Abstimmung naht Am Ball bleiben wollen die Umweltschützer auch bezüglich des Themas Wasserkraftwerk am Rambach. In der Gemeinde Mals hatten sich im vergangenen November 38,55 % der Wahlberechtigten an einer Volksabstimmung beteiligt. Das 20-Prozent-Quorum wurde deutlich überschritten. 58,49% sprachen sich für ein Kraftwerk am Rambach mit einer maximalen Nennleistung von 3 MW aus. In der Gemeinde Taufers soll am 7. April zur selben Frage abgestimmt werden. Rudi Maurer: „Wir werden uns bemühen, die Bevölkerung ausreichend zu informieren und davon zu überzeugen, dass nicht auch der letzte naturnahe Flusslauf für die Stromerzeugung genutzt werden soll.“ Peter Gasser warf generell ein, „dass bei der Planung von Kraftwerken offensichtlich nicht immer die tatsächlichen Wassermengen berücksichtigt werden. Die Werke Puni und Arunda zum Beispiel stehen zur Zeit still.“ Ein Kraftwerk am Karlinbach in der Gemeinde Graun sei ein Unsinn. Für Elektrifizierung der Bahn In punkto Verkehr sammelt die USGV derzeit Unterschriften für eine Petition. Ziel ist es, die Landesregierung aufzufordern, auf den Bau der Umfahrung Forst zu verzichten und die dafür vorgesehenen Geldmittel (ca. 35,8 Mio. Euro) in die Elektrifizierung der Vinschgerbahn zu investieren. Die ca. 40 Mio. Euro teure Elektrifizierung brächte viele Vorteile, auch was den Güterverkehr betrifft. Bestätigt wurde, dass das Interesse seitens von Bormio, der Provinz Sondrio und der Lombardei für einen Ortler-Durchstich nach der Art des Vereina-Tunnels in der Schweiz groß sei. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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