Die Gemeinderatssitzung fand in Präsenz im Rathaus statt und konnte auch über Live-Stream mitverfolgt werden.

Teuerungen belasten Haushalt

Bei Investitionen ebenso wie bei laufenden Ausgaben

Publiziert in 14 / 2022 - Erschienen am 3. August 2022

Schlanders - Unter den Teuerungen und drastischen Preissteigerungen, zu denen es in den vergangenen Monaten in vielen Bereichen gekommen ist, stöhnen nicht nur viele Private und Betriebe, sondern auch die öffentlichen Verwaltungen, wie etwa die Gemeinden. Einmal mehr gezeigt sich das bei der jüngsten Sitzung des Schlanderser Gemeinderates. „Allein im Energiesektor belaufen sich die zusätzlichen Ausgaben der Gemeinde auf weit über 600.000 Euro, und das nur bis jetzt“, gab Bürgermeister Dieter Pinggera zu bedenken. Zur Deckung der Mehrkosten im Energiebereich können die Gemeinden laut einer Bestimmung des Staates auf Geldmittel aus den Covid-Fonds zurückgreifen, sofern solche übriggeblieben sind. „Der staatliche Covid-Fonds für die Gemeinde Schlanders beläuft sich auf ca. 800.000 Euro. Rund 600.000 Euro davon sind übriggeblieben“, sagte Pinggera. Zugute komme der Gemeinde auch, dass sie selbst mit einem eigenen Werk Strom erzeugt und dass sie an der Reschenstausee-Konzession beteiligt ist. Die Gemeinde selbst dürfe aufgrund ihrer Größe nicht Kunde des eingemeindeten E-Werks sein, „sondern muss den Strom einkaufen.“ In Bezug auf das Fernheizwerk Schlanders, das mit einer Kraft-Wärme-Koppelungsanlage ausgestattet ist, die gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt, und wo es für die Spitzennachfrage zusätzlich zu einem Biomasse-Heizkessel auch einen Erdgas-Kessel gibt, sagte der Bürgermeister, dass für 2022 keine Tariferhöhung geplant ist, „weil wir die Kosten für das Erdgas mit den erhöhten Stromeinnahmen kompensieren können.“ Ob das auch im nächsten Jahr so bleiben wird, sei offen.

Projekte neu bewerten?

Wie sich im Zuge von Bilanzänderungen zeigte, schlagen sich die Preissteigerungen auch in der Umsetzung von Bauprojekten nieder. Mit erheblichen Mehrkosten ist u.a. beim anstehenden Neubau der Feuerwehrhalle in Vetzan zu rechnen, beim Projekt „Straßenraumgestaltung Grüblstraße“, bei der unterirdischen Verlegung des Stromnetzes in Kortsch und bei vielen weiteren Vorhaben. Zur Frage von Esther Tappeiner (Süd-Tiroler Freiheit), ob es angesichts der Preissteigerungen und Teuerungen nicht angebracht sei, die Umsetzung geplanter Großprojekte zu überdenken, meinte Dieter Pinggera, dass das sehr wohl ein Thema sei: „Als ersten Schritt werden die laufenden Projekte bewerten.“

Situation der Ärzte

Zur Situation der ärztlichen Grundversorgung teilte der Bürgermeister mit, dass mittlerweile alle 3 Hausarztstellen besetzt sind, allerdings nur provisorisch. Der Sanitätsbetrieb bemühe sich weiterhin um dauerhafte Lösungen. Probleme gebe es insofern, als dass die Kenntnis der deutschen Sprache seitens der derzeitigen Ärzte teilweise zu wünschen übriglasse.

23 Geflüchtete

Über die Situation der aus der Ukraine geflüchteten Menschen, die sich in Schlanders aufhalten, berichtete die Gemeindereferentin Monika Wielander: „Derzeit leben 23 Geflüchtete in unserer Gemeinde. 12 davon sind Minderjährige mit ihren Müttern. Die meisten Erwachsenen gehen einer Arbeit nach.“ Zumal der Staat sehr säumig sei, speziell was die Hilfszahlungen betrifft, werde die Situation sowohl für die Privaten, die Wohnungen zur Verfügung gestellt haben, als auch für die Geflüchteten zunehmend schwieriger. Der Dienst, den engagierte Freiwillige erbringen, sei sehr lobenswert. Im Rahmen eines Projektes der Bezirksgemeinschaft Vinschgau (staatliches Programm SAI) werden u.a. im Haus „Marolles“ in Mals Wohnungen für Flüchtlinge aus der Ukraine eingerichtet. 2 Familien werden von Schlanders nach Mals ziehen.

Weitere Lärmmessung

Auf Anfrage des Ratsmitgliedes Heinrich Fliri teilte der Gemeindereferent Thomas Oberegelsbacher mit, dass die Ergebnisse der Lärmmessung im Bereich zwischen der Staatsstraße und der Grüblstraße ziemlich schlecht ausgefallen seien. Wie berichtet, musste dort die Weißwasserleitung ausgetauscht werden. Das betroffene Teilstück des Dammes wurde zwar neu bepflanzt, aber bis der Lärmschutz wieder richtig zum Tragen kommt, braucht es noch Jahre. Oberegelsbacher kündigte für den Sommer eine zweite Lärmmessung an. Außerdem werde die Anbringung einer Lärmschutzvorrichtung in Form einer leichten Holzkonstruktion ins Auge gefasst. Das Problem von Vandalenakten und Schmierereien im Bereich des Bahnhofs brachte Franz Winkler aufs Tapet. Julia Pircher regte an, die Radmobilität stärker zu fördern, speziell mit der Schaffung wetterfester und sicherer Radabstellplätze.

Schwache Auslastung im Gamperheim

Zumal das Gamperheim in Schlanders zeitweise nur sehr schwach ausgelastet ist, bemüht sich das Schülerheim um eine gewerbliche Nebentätigkeit, wobei u.a. an eine Jugendherberge gedacht wird. Die rechtliche Grundlage für eine Nebentätigkeit hat der Gemeinderat mit einer Bauleitplanänderung geschaffen. Er stimmte dem Antrag des Kanonikus Michael Gamper Werkes, die bestehende Baumasse im Ausmaß von höchstens 20 Prozent für gastgewerbliche Tätigkeit nutzen zu dürfen, einhellig zu. Mehrfach unterstrichen wurde, dass das Vorhaben nicht als Konkurrenz zur Tourismusbranche zu sehen sei. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass die Schülerheime insgesamt gegen eine niedrige Auslastung zu kämpfen haben: „Nachdem die Heimtätigkeit im Vinzenzheim in Schlanders im Vorjahr eingestellt wurde und man sich darum bemüht, Mietwohnungen zu schaffen, hat nun auch das Gamperheim mit großen Auslastungsproblemen zu kämpfen.“ Weitere Bauleitplanabänderungen, die Dominik Stecher (Raumordnung und Bauwesen) vorstellte, betrafen die Schaffung eines kleinen Parkplatzes in Göflan und das alte Sennerei-Gebäude in Kortsch (Umwandlung in eine neue Mischzone), das der Fraktion Kortsch gehört. Ein konkretes Projekt für die Nachnutzung gibt es noch nicht. Laut Julia Pircher wäre es schade, irgendeinen „Null-acht-fünfzehn“-Bau hinzustellen und den Altbau völlig verschwinden zu lassen. Franz Winkler pflichtete ihr bei: „Die Sennerei in Kortsch ist und hat Geschichte.“

Projekt Grüblstraße 

Einhellig genehmigt hat der Gemeinderat das Ausführungsprojekt „Straßenraumgestaltung Grüblstraße“. Laut dem Bürgermeister hat Architekt Martin Thoma das Projekt überarbeitet und Verbesserungsvorschläge, wie sie bei einer Bürgerversammlung geäußert worden waren (siehe der Vinschger Nr. 33-34/2021) eingebaut. Geplant ist die Schaffung einer Wohn- und Spielstraße mit einem durchgehenden Fußgängersteig auf der Nordseite, mit einer einspurigen Fahrbahn sowie mit Sitzbänken, Bäumen und Freiräumem. Grundsätzlich geht es darum, den Fußgängern und Radfahrern viel Raum zu geben und den Autoverkehr entsprechend zu drosseln. Sollte das Vorhaben gut gelingen, könnte die Umgestaltung laut Pinggera zu einem landesweit bisher einzigartigen Modellprojekt werden. Die Gesamtkosten sind infolge der Preissteigerungen mittlerweile auf ca. 930.000 Euro angewachsen. Nun steht die Ausschreibung an. „Mit dem Beginn der Arbeiten ist frühestens im Spätherbst 2022 zu rechnen“, so der Bürgermeister. 

Oase statt Trimm-Dich-Pfad

Wie der Vizebürgermeister Manuel Trojer mitteilte, wird in der Sport- und Freizeitzone nicht ein „Trimm-Dich-Pfad“ nach herkömmlichem Muster errichtet, sondern eine Oase mit Kinästhetik-Geräten, wobei auch eine Outdoor-Nutzung der Oase seitens des Fitness Studios Fiton24 ermöglicht werden soll. Informiert hat Trojer auch über Verbesserungsarbeiten beim Beachvolleyball-Feld in Kortsch. Die Gemeindereferentin Maria Pilser berichtete über das Nachsetzen von Bäumen, die aus verschiedenen Gründen (Sicherheit, Krankheit bzw. Alterung) gefällt werden mussten, sowie über Maßnahmen im Zusammenhang mit der Wasserknappheit: „Es ist derzeit nicht möglich, immer und überall alles zu bewässern.“

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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