„Zum Plärrn“

Publiziert in 36 / 2012 - Erschienen am 10. Oktober 2012
Der Abbau der zwei Windräder auf der Malser Haide sorgte bei nicht wenigen Bürgern für Kopfschütteln. Malser Haide - Viele können nicht nachvollziehen, dass den Windrädern - das erste ging 2004 in Betrieb, das zweite 2006 - der Wind abgedreht wurde. Die Anlagen erzeugten nicht nur sauberen Strom, sondern „bliesen“ auch Geld in die Kassen der an der „Miteigentumsgemeinschaft Windkraft Marein“ beteiligten 4 Gemeinden und 5 Energiegenossenschaften. Nun heißt es für die Beteiligten zahlen: ca. 350.000 Euro (plus Mehrwertsteuer) kostet der Abbau. „Das ist Wahnsinn pur, es ist zum Plärrn,“ meint der Landtagsabgeordnete Sepp Noggler. Man hätte versuchen sollen, die Bevölkerung mitreden zu lassen. Man verzichte auf hohe Einnahmen, „und ich bin gespannt, was die Bürger sagen werden, wenn die Gemeinden im Dezember mit der zweiten IMU-Rate vorstellig werden,“ so Noggler. Wirtschaftlicher und ökologischer Verlust Die Firma Leitwind wertet der Abbau als einen Verluvst für den Vinschgau aus wirtschaftlicher und aus ökologischer Sicht. „Die Gemeinde Mals hatte den Betreibern die Einleitung eines Verfahrens wegen eines Bauvergehens schriftlich zugestellt. Grund dafür waren eine anonyme Anzeige und die zeitlich befristete Betriebsgenehmigung für die Anlagen, die nicht mehr verlängert wurde,“ heißt es in einer Stellung­nahme. Seit der Inbetriebnahme der kostenlos errichteten Anlagen „spülte“ der Wind 1,42 Mio. Euro netto in die Kassen der Betreiber. „Eine 2008 im oberen Vinschgau einstimmig beschlossene Nutzung der Windkraft wurde in den vergangenen Monaten von einigen Windkraftgegnern vor allem aus der Gemeinde Graun zunichte gemacht,“ so Leitwind. Auch wenn scheinbar eine große Mehrheit der am Projekt beteiligten Gemeinden und Genossenschaften (2.820 Familien und Betriebe) nach wie vor dafür seien, „verliert die Miteigentumsgemeinschaft mit der Stilllegung bedeutende finanzielle Erträge und eine äußerst wertvolle erneuerbare Energiequelle.“ Die Anlagen hätten in den letzten 4 Jahren im Schnitt jährlich 3,8 Mio. kWh an Strom geliefert. Könnten sie z.B. noch weitere 20 Jahre betrieben werden, so wäre eine Produktion von rund 76 Mio. kWh realisierbar. Die Betreiber könnten in diesem Zeitraum mit einem Gesamtertrag von 5,3 Mio. Euro rechnen, „der ausschließlich den Bürgern/innen des oberen Vinschgaus zugute käme (Quelle der Berechnungen: Georg Wunderer, Koordinator der Miteigentumsgemeinschaft Windkraft Marein).“ Diesen Vorteil werde nun ein anderer Betreiber in Italien nutzen. Offenbar sei keine sachliche Diskussion über den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energiesicherheit im Vinschgau möglich, so Leitwind-Chef Anton Seeber. Von Malser Haide nach Süditalien Mals - Die abgebauten Windräder wurden laut Leitwind-Chef Anton Seeber zur Leitwind-Produk­tionsstätte nach Telfs transportiert. : Was geschieht dort mit den Anlagen? Anton Seeber: Sie werden zerlegt, geprüft und wieder zusammengebaut. Nachher werden wir sie an einem anderen Ort wieder aufstellen, wahrscheinlich in Süditalien. Kann sich Leitwind vorstellen, in Zukunft erneut als Windkraft-Partner im Vinschgau aufzutreten? Leitwind ist gerne bereit, im Vinschgau als Windkraft-Partner zu agieren, wenn die Bedingungen stimmen. Wie wertet Leitwind den Abbau? Verweht damit nicht buchstäblich viel Geld im Wind? Uns verweht kein „Geld im Wind“, im Gegenteil: Wir haben diese Anlagen kostenlos der Genossenschaft zur Verfügung gestellt und die Einnahmen aus dem Stromverkauf gingen zu Gunsten der Genossenschaft und der Gemeinden. Auch die Kosten der Wartung der Anlagen hat Leitwind übernommen. Natürlich bewerten wir den Abbau als bedauernswert. Wir sind ein Südtiroler Unternehmen und keine Anlagen in unserer Heimat zu haben ist negativ. Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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