Elisabeth Zwick

Elisabeth Zwick stellt aus

Publiziert in 11 / 2026 - Erschienen am 10. Juni 2026

Bozen/Schlanders - Die Künstlerin Elisabeth Zwick aus Schlanders blickt auf eine künstlerische Entwicklung zurück, die in den späten 1980er Jahren in Venedig begann. Seither hat sie sich in unterschiedlichen Disziplinen weitergebildet – vom Zeichnen und Malen über Steinmetz- und Bildhauerei bis hin zur chinesischen Kalligrafie und Malerei. Geprägt wurde ihr Schaffen durch ihre Arbeit in Italien sowie durch Aufenthalte in Deutschland, Taiwan und dem Vereinigten Königreich und durch Reisen in China. Als Kunsttherapeutin verbindet Zwick ihre künstlerische Arbeit mit einem ausgeprägten Bewusstsein für die transformative Kraft der Kunst. In ihrem Verständnis verdichtet Kunst Gedanken und Gefühle, macht sie sichtbar und ermöglicht so eine distanziertere Betrachtung. Formen werden dabei zu Trägern von Emotionen und verleihen inneren Zuständen eine konkrete Gestalt.

Kunst als Lebenshaltung

Zwick versteht Kunst als Lebenshaltung und als kontinuierliches Hinterfragen von Wirklichkeit. Im Zentrum
ihres Schaffens stehen Offenheit gegenüber dem Unbekannten, bewusste Langsamkeit und die Bereitschaft zum Experiment. Zweifel, Unsicherheit und das Spannungsverhältnis zwischen Kontrolle und Risiko prägen viele ihrer Arbeiten. Dabei folgt sie einem künstlerischen Ansatz, der das Scheitern nicht als Verlust, sondern als produktiven Teil des schöpferischen Prozesses begreift. Kunst erscheint in diesem Zusammenhang auch als politischer Akt und als offenes Feld für Hypothesen. Ihre Werke sind nicht nur visuell, sondern auch stark literarisch geprägt. Viele der Themen, die Zwick in ihrer Kunst verhandelt, finden Entsprechungen in Mythologien, Märchen und zeitgenössischer Literatur. Dies zeigt sich besonders in den beiden Bilderserien „The Weird Sisters“ (2023–2025) und „Die Schaukel“ (2026). Zu sehen sind die Arbeiten in der Galerie der „Associazione degli Artisti“ in der Bindergasse 4 in Bozen vom 29. Juni bis 11. Juli 2026 sowie in der Bibliothek Schlandersburg vom 21. Juli bis zum 25. August 2026.

„The Weird Sisters“

In der Serie „The Weird Sisters“ greift Zwick die drei Hexen aus Shakespeares „Macbeth“ auf. Die Figuren stehen dabei nicht nur für das Mystische, sondern auch für die Macht der Sprache und für die Frage nach dem Verhältnis von Schicksal und Selbstbestimmung. Die Prophezeiungen der Hexen werden in der Deutung der Künstlerin zu Spiegeln innerer Möglichkeiten und Ambivalenzen. Bei der Gestaltung der vier Frauenfiguren verknüpft die Künstlerin literarische, historische und mythische Vorstellungen der Hexe. Das Spektrum reicht von weisen Frauengestalten des Alpenraums bis zu den dämonisierten Hexenbildern der frühen Neuzeit. 

Die Bilderserie „Zauberlehrling“ stellt die Leinwand als Ort eines unberechenbaren Zusammenspiels von Farbe, Bewegung und Schwerkraft ins Zentrum. Die Farbe rinnt, fließt, verdichtet sich oder bricht auseinander, während sich die Bildfläche wie eine Wippe in verschiedene Richtungen neigt. So wird das Material selbst zum aktiven Bestandteil des künstlerischen Prozesses und entzieht sich teilweise der bewussten Steuerung. Die Arbeiten werfen die Frage auf, wo die Kontrolle der Künstlerin endet und wo die Eigenlogik des Materials beginnt. Zugleich lassen sie sich als Metapher für größere gesellschaftliche Entwicklungen lesen – etwa für Technologien wie Künstliche Intelligenz oder autonome Waffensysteme, die sich menschlicher Steuerung zunehmend entziehen. Damit wird die Serie zu einem Kommentar über eine Gegenwart, in der der Mensch immer häufiger mit Kräften konfrontiert ist, die er selbst hervorgebracht hat, aber nur noch begrenzt beherrschen kann.

Daniela di Pilla
Daniela di Pilla
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.