Dieses Alpini-Zelt gehört zu den besonderen Exponaten der Ausstellung.
Melanie Platzer mit einem originalen Staatsschatzschein (Kriegsanleihe) über 1.000 Kronen
Gerald Holzer und Raika-Direktor Markus Moriggl
Willi Trenkwalder vor seinem Werk „Das Schlachtfeld“.
Eines der ausgestellten Bilder von Matthias Thöni.
Franz Angerer vor den Rechnungslisten.

Gegen das Vergessen

Für Frieden, Erinnerung und Menschlichkeit

Publiziert in 6 / 2026 - Erschienen am 24. März 2026

St. Valentin a.d. H. - Die einfachen Soldaten litten Hunger, für die Offiziere gab es reichlich Wein, Fleisch und Brot. Dies ist nur eines der Details, die aus den „Rechnungslisten der K.K. Offiziersmesse der Kampfgruppe Hptm. Câsek in Sulden“ hervorgehen. Die Rechnungslisten wiederum – sie stammen aus dem Jahr 1918 aus dem Stockhof in Sulden und wurden von Franz Angerer (Kortsch/Sulden) zur Verfügung gestellt – sind nur ein kleiner Teil der besonderen Ausstellung, die am 12. März im Hauptsitz der Raffeisenkasse Obervinschgau in St. Valentin a.d.H. eröffnet wurde. Die Ausstellung, untergebracht in den ehemaligen Archiv-Räumen im Kellergeschoss, entstand in Zusammenarbeit mit dem „Ortler Sammlerverein Erster Weltkrieg“ und zeigt nicht nur Kriegsrelikte und Fundstücke der Ortlerfornt, sondern auch Kunstwerke, in denen die Sichtweise der Kunstschaffenden auf das Kriegsgeschehen zum Ausdruck gebracht wird.

Für den Frieden sensibilisieren

Wie Raika-Direktor Markus Moriggl ausführte, heißt der Titel der Ausstellung nicht zufällig „Gegen das Vergessen - Für Frieden, Erinnerung und Menschlichkeit“, denn das Ziel sei es, für den Frieden zu sensibilisieren, was angesichts der derzeitigen weltweiten Kriege und Konflikte mehr als angebracht sei. Die Ausstellung passe gut zum heurigen Jahresschwerpunkt der Raika: „Frieden 2026“. Markus Moriggl dankte im Namen des Obmannes Matthias Dilitz und des gesamten Raika-Teams dem Ortler Sammlerverein, den Künstlern sowie Gerald Holzer und Luis Weger, die ebenfalls Exponate zur Verfügung gestellt haben.

Von Essgeschirr bis Gasmaske

In die Ausstellung eingeführt haben bei der gut besuchten Eröffnung Melanie Platzer und Gerald Holzer, die Präsidentin und der Vizepräsident des Ortler Sammlervereins. Zu sehen sind österreichisches und italienisches Essgeschirr, Feldflaschen, Verbandszeug, Gasschutzmasken und viele weitere Relikte der Ortlerfront. Ein besonderes Exponat ist ein Alpini-Zelt. Wie die genannten „Rechnungslisten der K.K. Offiziersmesse“ belegen, hatten Offiziere und Standschützen-Hauptleute aus dem Vinschgau (Bataillone Nauders-Ried und Kompanien Stilfs und Taufers) die Möglichkeit, gegen Bezahlung gut und reichlich zu essen und zu trinken, während die einfachen Soldaten Hunger litten.

Wasserkaffee und Maisbrot

„Die Österreich-Ungarische Monarchie konnte die einfachen Soldaten nicht mehr versorgen. Die Situation der Verpflegung war katastrophal“, führte Melanie Platzer aus. Ein Soldat aus Tschechien zum Beispiel sei am 30. Mai in den Kanton Graubünden desertiert, und zwar wegen „Hungerleiden“, wie er selbst schrieb. Als Frühstück habe es an der Ortlerfront Wasserkaffee und Maisbrot gegeben, zu Mittag 200 Gramm Fleisch und Suppe und abends Wasserkaffee und Brot. Auch Themen wie Kriegswirtschaft, Inflation und kriegsbedingte Geldentwertung werden in der Ausstellung beleuchtet. In Bezug auf die Kriegsanleihen führte die Vereinspräsidentin aus, dass die in Nordtirol gezeichneten Anleihen nach Kriegsende keinen Wert mehr hatten. Der Staat Italien hingegen zahlte nach langen Verhandlungen im Jahr 1925 für Kriegsanleihen von Österreich-Ungarn einen Gegenwert in Lire.

„Sieger gibt es keine“

Zu den ausgestellten Kunstwerken gehören auch Skulpturen, die Willi Trenkwalder (Bozen) aus Granatsplittern, Munitionsresten, Stacheldraht und weiterem Kriegsmaterial geschaffen hat. Seine Werke spiegeln die Grausamkeit des Krieges in Berg und Eis wider. Zum Werk „Das Schlachtfeld“ schreibt Trenkwalder u.a.: Sieger gibt es keine. Der Tod dominiert das Feld. Und heute? Auch Werke von Max Holzer aus Prad sind zu sehen, die der Absolvent der Fachschule für Steinbearbeitung in Laas aus Marmor und Kriegsrelikten geschaffen hat, Bilder von Matthias Thöni aus Trafoi (1918-2011), zur Verfügung von Hans Thöni, sowie Fotografien von Manni Köhle aus Pfunds. Die Ausstellung bleibt vorerst für ein Jahr zugänglich. Der Ortler Sammlerverein wartet schon seit Jahren auf eine feste Bleibe, um die vielen Exponate dauerhaft ausstellen zu können, und hofft, dass dieser Wunsch im Zuge der Sanierung und Neugestaltung der Festung Gomagoi in Erfüllung geht. Die Landesregierung hat im Sommer 2025 beschlossen, dieses Projekt, das eine Investition von rund 6,5 Millionen Euro vorsieht, direkt zu übernehmen bzw. umzusetzen, zumal die Anlage Eigentum des Landes ist.

Josef Laner
Josef Laner

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