Schritt für Schritt zur Weltspitze
Flavio Marx will im Weltcup unter die Top 20 und hat Olympia 2028 im Visier.
Taufers i. M. - Als ihn der Vinschger am Telefon erreicht, ist Flavio Marx gerade am Flughafen von Fuerteventura. Auf der spanischen Insel hat er sich unlängst rund zwei Wochen lang auf die anstehende Kitesurf-Saison vorbereitet. Eine Saison, in der der 22-Jährige aus Taufers im Münstertal so einiges vorhat, stets den großen Traum Olympia im Blick. „Im Weltcup möchte ich unter die besten 20, bei der Europameisterschaft dann in die Top Ten. Mittelfristig ist mein großes Ziel die Teilnahme an den Spielen 2028. Wenn ich das schaffe, dann habe ich alles erreicht“, so Marx. 2024 in Paris war das Kitesurfen erstmals Teil des Olympischen Segelprogramms, dies war für den jungen Vinschger noch zu früh, in über zwei Jahren in Los Angeles soll es aber soweit sein. Ein Ziel, das für den einzigen Südtiroler Kitesurfer im Weltcup durchaus realistisch ist.
Teil der „Azzurri“
Die harte Herausforderung, ein Mitglied der italienischen Nationalmannschaft zu werden, hat er schon gemeistert: Seit Anfang 2025 gehört er offiziell zum Team. Ein Meilenstein – doch zugleich erst der Anfang einer neuen beruflichen und sportlichen Phase. Neben monatlichen 10–14-tägigen Trainingsblöcken in Sardinien, auf Fuerteventura etc. über den Winter und zahlreichen Regatten quer durch Europa im Sommer, muss Marx arbeiten. Im Winter ist er als Pistenretter bei den Bergbahnen in St. Moritz tätig, im Sommer arbeitet er dort als Maurer und Techniker für Beschneiung. Der Sport ist kostenintensiv, in Südtirol handelt es sich um eine Randsportart. Die Möglichkeit, Teil einer staatlichen Sportgruppe zu werden, hat sich noch nicht ergeben. Der junge Athlet ist auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen. „Ihnen sowie meiner Familie, Freundin und Kollegen gebührt ein großer Dank“, sagt er.
Kitesurfer von klein auf
Den Kitesport hat Flavio Marx schon in sehr jungen Jahren für sich entdeckt. Genau genommen wurde dieser ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Sein Vater Elmar Marx ist seit jeher Kite-Lehrer am Reschensee. Mit vier Jahren versuchte er sich am Snowkiten auf Schnee, im Alter von sechs Jahren schnallte er sich am Reschensee das erste Mal Wasser-Kite-Equipment an die Füße und seitdem lässt ihn die Faszination nicht mehr los. Ab zwölf Jahren nahm er an Wettkämpfen in den verschiedenen Kite-Disziplinen teil. Mit 16 fuhr er erstmals ein Rennen mit einem Foilkite. Beim Foil handelt es sich um eine Art Tragflügel, der unter dem Board angebracht ist. Seit einigen Jahren konzentriert er sich voll und ganz auf die „Kitefoil Raceklasse“, die olympische Disziplin. Bei den Wettkämpfen ist alles genauestens geregelt, welche Foils und welche Kites, also Lenkdrachen, man hernehmen darf.
Der Traum vom Podest
Ende März beginnt für ihn die Wettkampfsaison mit dem Weltcup auf Mallorca, im April steht die Etappe in Südfrankreich an. Im Mai nimmt Marx an der WM in Portugal teil, im September an der EM in der Türkei. Ein weiterer Weltcupstart ist im Herbst auf Sardinien geplant. An sämtlichen Weltcuprennen nimmt er auch in dieser Saison nicht teil, unter anderem aus Kostengründen. Schritt für Schritt möchte er sich in der Weltspitze etablieren. Vorerst, wie eingangs erwähnt, mit Top-20-Ergebnissen. Das soll es aber freilich nicht gewesen sein. „In den nächsten Jahren möchte ich dann schon ein Wörtchen um die Podestplätze mitreden“, hat der junge Vinschger ehrgeizige Ziele. Und wer weiß, vielleicht fährt er dann ja auch als Medaillenkandidat zu Olympia – und schreibt damit weiter an der Südtiroler Kitesurf-Geschichte.