Obervinschgau im Plus
Neustart der Ferienregion
Viel Anerkennung gab es für den Verwaltungsrat der Ferienregion Obervinschgau mit Herta Steiner (Taufers), Harald Trafoier (Schluderns), Joachim Theiner (Tourismusreferent), Mara Theiner (neu aus Burgeis) Lukas Gerstl (Präsident), Klaus Pobitzer (HGV), Andreas Pobitzer (Schleis), Doris Bayer (Glurns). Es fehlt Georg Steiner (Mals).
Vollversammlung 2017 der Ferienregion im Vintschger Museum.

„Der eine Kirchturm genügt“

Ferienregion Obervinschgau rückt zusammen. Rolle der sprichwörtlichen Kirchtürme wird immer unbedeutender.

Schluderns - Seit Jahren gab es keinen derartigen Zuspruch an der Vollversammlung der ­Ferienregion Obervinschgau. Im Saal des Vintschger Museums herrschte so etwas wie Erwartungshaltung. Bürgermeister Ulrich Veith (Mals), Peter Paul Trafoier (Schluderns), Roselinde Gunsch Koch (Taufers im Münstertal), und Vizebürgermeister Armin Windegger (Glurns), waren selbst Teil dieser Aufbruchstimmung. Der Vorsitzende der Ferienregion Lukas Gerstl eröffnete die Versammlung mit seinem Lieblingsspruch: „Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammen bleiben ein Fortschritt, Zusammenarbeit ein Erfolg.“ ­Büroleiterin Lea Stecher blickte beispielhaft auf die ganzjährige Fülle an Initiativen, Maßnahmen und Angeboten zurück, vom Tag der Romanik bis zum Glurnser Advent, von Skicross bis Ritterspiele, von Kräuterwoche über Almkäse bis Fußball-Trainingslager. Zum Projekt 360-Grad-Wanderweg erwähnte Präsident Gerstl die Leistungen von Forststationsleiter Stefan Peer, Alpenvereinsobmann Kassian Winkler und Mitarbeiterin der Ferienregion Silvia Tumler. Lea Stecher unterstrich die Zusammenarbeit mit der Ferienregion Reschenpass und präsentierte als wohl wichtigste Meldung jeder Tourismusversammlung den Anstieg der Nächtigungen von 427.663 im Jahre 2015 um 8,25 % auf 462.948 im Jahre 2016. Auffallend waren die „Rückkehr“ des deutschen Gastes und die Abnahmen bei Italienern und Schweizern. Auf die einzelnen Gemeinden bezogen hatte Mals einen Zuwachs von 8,89 %, Taufers von 12,32 % und Glurns sogar von 12,55 % zu verzeichnen. Wegen einer Betriebsschließung musste Schluderns einen Rückgang von 3,21 % hinnehmen.

Watles ohne Events

Lukas Gerstls eingescho­bene Bemerkung, dass die großen Wintersportereignisse nächstes Jahr nicht mehr durchgeführt würden und dass man sich im Winter mehr „auf naturnahe Sachen“ konzentrieren werde, ließ aufhorchen. Große Sportereignisse werde es nur mehr im Sommer geben, durfte Gerald Burger als neuer Mitarbeiter der Ferien­region mitteilen. Mit dem Ortler Bike Marathon, dem Stilfser Joch Marathon und dem Reschenseelauf würde den bekanntesten Vinschger Wahrzeichen je eine „Top-Veranstaltung“ gewidmet. Es dauerte eine gute Stunde, bis Präsident Gerstl zum eigentlichen Grund für das große Interesse an der Vollversammlung kam: zur Übernahme der Touristik & Freizeit AG durch die Ferienregion. „Wir haben uns nach vielen Hin und Her entschlossen, am 30. März ein Angebot abzugeben“, fasste er zusammen. Er dankte Tourismusreferent Joachim Theiner für seine Vermittlerrolle zwischen Gemeinde, Ferien­region und Touristik & Freizeit AG und bat den Bürgermeister um eine Stellungnahme. „Wir sind zur Erkenntnis gekommen, dass eine öffentliche Körperschaft für eine solche Gesellschaft ein Hemmschuh ist“, erklärte Veith. „In dieser Konstellation konnte sie sich kaum bewegen und musste sich an alle Vorschriften halten, an die sich eine Gemeinde auch zu halten hat“, meinte er. Und was entscheidend sei, die Gesellschaft hätte keinen Zugriff auf die Landesförderung für kleine Skigebiete. Er erklärte den Beschlussweg der Gemeinde und den Grund, warum die Entscheidung gegen Investoren von außen und für die Ferienregion gefallen sei. „Als Gemeinde können wir die Mittel, die wir durch den ­Aktienverkauf erhalten, wieder 1 zu 1 in gemeindeeigenen Strukturen zurückfließen lassen“, sagte er. Ein Projekt sei in Ausarbeitung, das Hallenbad attraktiver zu gestalten. Auf die 2,18 Millionen Euro aus dem Verkauf der gemeindeeigenen Anteile der Touristik & Freizeit AG an die Ferienregion werde die Gemeinde noch 1 bis 1,5 Millionen Euro drauflegen und ins Bad investieren. Die Finanzierung seitens der Ferienregion erfolge rein aus der Erhöhung der Kurtaxe (290.000 Euro laut Haushaltsvoranschlag 2017), ohne dass andere Aktivitäten vernachlässigt würden.

Kritische Fragen

Nach der Darstellung der Vermögenssituation durch Steuerberater Siegfried Wegmann und der Empfehlung von Rechnungsrevisorin Norma Waldner, den Verlust von 61.633 Euro durch den letztjährigen Gewinn abzudecken, wurde die Bilanz einstimmig genehmigt. HGV Vertreter Klaus Pobitzer konnte aus der Bezirksvorstandsitzung in Meran mitteilen, dass man den Oberen Vinschgau beispielhaft für die touristische Strukturierung betrachte. Bürgermeisterin Gunsch Koch kündigte an: „Wir Kleine werden uns einbringen und vergesst nicht, wir sind das Eingangsportal der Ferienregion.“ Für die Gemeinde Schluderns stellte Referentin Brigitta Stecher Parth eine immer bessere Zusammenarbeit zwischen Ferienregion und Vintschger Museum fest. Auch Armin Windegger fand, dass sich die Zusammenarbeit zwischen Ferienregion und seiner Gemeinde Glurns gebessert habe, bemängelte aber, dass man über die Übernahme der Touristik & Freizeit AG kaum informiert worden sei. Er frage sich, wie die Ferienregion mit den zu erwartenden Defiziten zu Rande komme und wie man vermeide, dass die Mitgliedsvereine zur Kasse gebeten würden, wie schon einmal passiert. Lukas Gerstl wiederholte, dass nur die Erhöhung der Ortstaxe verwendet würde. Inzwischen sei eine externe Firma beauftragt worden, die Gesellschaft zu analysieren. Der Vizepräsident der Touristik & Freizeit AG, Hans Telser, stellte Pläne für neue Investitionen am Watles vor.

Mit den Augen des Gastes

Bürgermeister Veith stellte eine positive Entwicklung fest durch die Zusammenarbeit im Vorstand und durch die zunehmende Identifikation der Gemeinden mit der Ferienregion. Allerdings werde es in Zukunft eine engere Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden geben müssen, um bestimmte Strukturen zu erhalten. Tourismusreferent Joachim Theiner rief nachdrücklich die Mitglieder auf, auch zur Vollversammlung der Touristik & Freizeit AG zu kommen, „jetzt, da alles uns gehört und nicht mehr der Gemeinde“. Kurt ­Sagmeister, noch als Vertreter von Vinschgau Marketing, bestätigte, dass man mit Bewunderung auf die touristischen Entwicklungen im Vinschgau schaue. „Wir sind hergegangen und haben viele Kirchtürme niedergerissen, nur den oben haben wir stehen lassen, den brauchen wir zur Kommunikation. Wir haben angefangen, mit den Augen des Gastes zu sehen“, sagte er. Ein Hotelier zeigte sich erleichtert, dass die Events nicht mehr ausgeführt würden, denn „der Watles ist ein kleines Skigebiet und wir hatten noch nie so unzufriedene Gäste“. „Der Einwand lässt den Verwaltungsrat der Touristik & Freizeit AG zu negativ dastehen“, meldete sich Bürgermeister Veith deutlich zu Wort. Er nannte Investitionen, die nur durch die Großveranstaltungen am Watles möglich wurden. Veith zeigte wenig Verständnis für Kritik, ohne an den Entscheidungsfindungen bei Aktionärsversammlungen teilgenommen zu haben.

Günther Schöpf
Günther Schöpf

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