Abschied und Neubeginn
Karl Perfler verlässt die Tschenglsburg
Die idyllische Burg oberhalb von Tschengls.
Karl Perfler schließt die Tür und lässt die Tschenglsburg hinter sich.
Platz für Kunst: Die Tschenglsburg bot zahlreichen Ausstellungen das passende Ambiente, zuletzt stellte Barbara Fleischmann hier ihre Werke aus.

Von der Burg ins Matscher Tal

Kulturgastwirt Karl Perfler blickt auf fast 15 Jahre Tschenglsburg, bestreitet neue Wege und plädiert für den Ungehorsam. 

Publiziert in 1 / 2026 - Erschienen am 13. Januar 2026

Tschengls - „Im Nachhinein fällt mir eigentlich nur ein Wort ein: Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich hier sein durfte. Dankbarkeit, dass ich meinen Willen durchsetzen durfte, was auch nicht immer einfach ist“, erzählt Karl Perfler, als ihn der Vinschger an einem kalten Winternachmittag in der Tschenglsburg trifft. Ja, hier durfte er sein. Der Perfler Karl sein. Dies machte ihn aus. Und die Burg. Nach fast 15 Jahren gelte es aber nun Abschied zu nehmen. „Ich bin jetzt 73 Jahre alt, nach der positiven Erfahrung in der Tschenglsburg ist es nun Zeit, ein Buch zu schließen und ein neues zu öffnen“, so Perfler. Am 7. Jänner verließ der Burgwirt „sein Schloss“, das er nicht nur als Kulturgasthof führte, sondern in dem er auch lebte. Im hohen Alter zieht es ihn ins Matscher Tal. Dort übernimmt er mit Anfang Februar den Gasthof Weisskugel. „Es ist ein Übergang, kein Ende. Ich gehe nicht Richtung Friedhof, sondern näher zum Himmel. Ich freue mich auf die neue Aufgabe, den neuen Lebensabschnitt“, sagt der Gastwirt. 

In Dorfgemeinschaft integriert 

Die Tschenglsburg hat er im Sommer des Jahres 2011 übernommen. Der Zufall hatte es so gewollt. „Ich hatte den Jakobsweg im Vinschgau gezeichnet und den Bürgermeistern vorgestellt. Bei dieser Gelegenheit sagte der damalige Bürgermeister von Laas, Andreas Tappeiner, zu mir: ‚Karl, die Tschenglsburg wäre frei, das wäre etwas für dich.‘ Ich bin hergekommen und habe mich schnell mit dem Besitzer, Christian Tscholl, geeinigt, und schon bald darauf haben wir eröffnet“, erinnert sich Perfler. Nein, einfach sei es dabei nicht immer gewesen. „Sicher nicht.“ Aber von Beginn an sei er gut von der Dorfbevölkerung aufgenommen worden. „Schon im Herbst 2011, dem ersten Herbst, den ich hier war, haben wir vor dem St. Ottilia-Kirchlein gemeinsam mit Menschen aus dem Dorf das erste Getreide angebaut. Die Tschenglsburg war von Anfang an sehr stark in die Dorfgemeinschaft integriert. Das war mir immer wichtig.“ 

Seinen Weg eingeschlagen 

Der Gastbetrieb in der Burg habe vor seiner Übernahme oft Schwierigkeiten gehabt. Freilich, die Lage im großen Gebäude, im leicht abgeschiedenen Ort Tschengls, war nicht automatisch ein Vorteil. Es galt, eine Corporate Identity aufzubauen, würde man wohl heute im modernen Sprachgebrauch sagen. Karl formuliert es so: „Man musste sich überlegen: Was ist der Weg, damit es funktioniert? Für mich war klar, dass ich einen eigenen Weg gehen muss – den Weg über die Kultur, über die Kunst.“ Diesen Weg ist er gegangen, denn er wusste: „Es kann nur so funktionieren.“ Und es funktionierte. Das Restaurant war erfolgreich, erhielt gute Rezensionen, zahlreiche Menschen aus dem Vinschgau und weit darüber hinaus kamen in die Burg, um zu essen, nur ein Glasl zu trinken oder einfach dem Perfler Karl Hallo zu sagen. 

Ein Plädoyer für den Ungehorsam 

„Aber auch ein gewisser Ungehorsam spielte eine Rolle und war und ist nötig“, unterstreicht der Kulturgastwirt. Es sei elementar wichtig gewesen, „dass man im Grunde nur sich selbst folgt, dem, was man gerne tut, damit man die Kraft und die Energie hat, durchzuhalten“. In der Beharrlichkeit liege die Kraft. „Wenn man etwas tut, das man gern tut, das in Harmonie ist mit dem, was man ist, dann ist es natürlich leichter, durchzuhalten und auch Schwierigkeiten zu überwinden“, zeigt der Perfler Karl einmal mehr seine philosophische Art und plädiert für diesen Ungehorsam. „Für den Ungehorsam gegenüber Systemen, die es nicht immer gut meinen mit der Gesellschaft, mit den Kindern, mit den verschiedenen Menschen.“ Ungehorsam im Sinne davon, „den einzelnen Menschen, das Individuum zu stärken, damit er selbst entscheiden kann, was er tut“. Oft komme es ihm so vor, „als würden wir in einer Vermassung ersticken“. Der Mensch als Individuum habe große Probleme, selbst zu entscheiden. „Im Moment scheint vieles nur auf Masse ausgelegt zu sein – Massenproduktion und Ähnliches.“

Reduktion in Matsch

Der Umzug nach Matsch kommt genau zur richtigen Zeit. Nach dem Ungehorsam folgt die Reduktion. „Die Reduktion auf das Wesentliche, das Essentielle“, unterstreicht der Visionär. Dabei will er das 800-Jahr-Jubiläum von Franz von Assisi als Anlass nehmen, seine Idee von Einfachheit und Achtsamkeit im idyllischen Seitental umzusetzen. In Franz von Assisi sieht der Gastwirt ein Vorbild für ein Leben im Einklang mit dem Wesentlichen, gegen Überfluss, Fremdbestimmung und Massenkultur. „In seinem Namen möchte ich diese Reduktion vornehmen, eine notwendige und mögliche. Die Schichten des Übervollen, des Nutzlosen, die oft bedrängen und eigentlich nur durch Fremdbestimmung und Manipulation entstehen, möchte ich wegtun. Dafür ist Matsch ideal.“

Ein Tal voller Potenzial 

Das Matscher Tal habe so viele Ressourcen und Potenziale, unterstreicht Karl Perfler. „Ich möchte gemeinsam mit den Einheimischen und den Vereinen das Potenzial des Tals sichtbar machen. Dabei will ich im kulinarischen Bereich bewusst auf Produkte setzen, die eng mit der Heimat und ihren Traditionen verbunden sind.“ Und auch viele Musikveranstaltungen sollen stattfinden. „Die Matscher sind begnadete Musiker. Ich kenne einige aus der Musikkapelle – da wird sich sicher vieles ergeben“, lässt er vorausblicken. 

Vieles hat sich getan 

Vieles ergeben hatte sich in all den Jahren auch in der Tschenglsburg. „Wir haben in diesen vierzehneinhalb Jahren etwa 500 Konzerte und Musikveranstaltungen organisiert, rund 20 pro Jahr. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Marillenblütensingen mit 265 Chören zu Gast, noch vor der Pandemie“, erinnert der Wirt. Zudem bildete die Burg in den vergangenen Jahren die Bühne für rund 70 Kunstausstellungen. „Und zahlreiche Projekte rundherum sind entstanden“, betont Perfler. Ein Höhepunkt der letzten Jahre sei die Beteiligung im Film „L’energia della creazione“ von Giacomo Gatti gewesen. Darin ging es u. a. darum, wie Perfler selbst das Korn verarbeitet und daraus sein eigenes Paarl-Brot kreiert, das in verschiedenen Geschäften im Vinschgau gekauft werden kann. Der Film wurde bei der Biennale in Venedig gezeigt, Perfler konnte ihn zudem in Mailand vorstellen. 

„Gehe mit leichtem Gefühl“ 

Nicht missen möchte der Gastwirt auch die vielen Begegnungen mit Menschen aus dem Vinschgau, ganz Südtirol und darüber hinaus. „Leute, die mich beseelt und mir geholfen haben, gingen viele Jahre ein und aus“, blickt er wehmütig auf die vergangenen Jahre zurück. Auch er selbst hat mit der Tschenglsburg versucht, soziale Arbeit zu leisten, und Menschen zu helfen, die es nicht immer so leicht im Leben haben. „Auch deshalb gehe ich mit einem leichten Gefühl und bin dankbar, weil ich mit mir selbst im Reinen bin und das Bestmögliche getan habe“, betont er zum Abschluss des Gesprächs.

Michael Andres
Michael Andres

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