Ein Dorf kämpft um seinen Laden

Publiziert in 10 / 2012 - Erschienen am 14. März 2012
Vetzan – Wie es ist, wenn es im Dorf kein Geschäft mehr gibt, wissen die Vetzaner seit dem 9. Juli 2011. Seit diesem Tag ist der Laden geschlossen. Ebenso schwer wiegt die vor wenigen Wochen erfolgte Schließung des Gasthofes „Weingart“. Ohne Bar und Laden, bisher im selben Gebäudekomplex betrieben, wirkt das Dorfzentrum irgendwie tot. Für die Schließung des Geschäftes werden nicht zuletzt auch wirtschaftliche Gründe angegeben. Tatsache ist, dass die rund 490 Vetzanerinnen und Vetzaner seit der Schließung für jede Semmel ihr Dorf verlassen müssen. Das ist vor allem für ältere Menschen ein Problem. Nicht alle haben ein Auto. Und wer etwa mit dem Citybus nach Schlanders fährt, muss zweieinhalb Stunden warten, bis er mit den Einkaufstaschen wieder nach ­Vetzan zurück fahren kann. Wie sehr den Vetzanern der Laden fehlt, beweisen auch die Ergebnisse der Umfrage, die in diesen Wochen im Zuge des ­„Zukunftsbuches Schlanders 2020“ ­durchgeführt wurde. „Auf die Frage ‚Wie gut würden Ihnen spezielle Nahversorgungs­lösungen in den Fraktionen gefallen?’ antworteten ca. 90% der Vetzaner mit gut oder sehr gut,“ sagt der für Vetzan zuständige und in Vetzan wohnhafte Gemeindereferent Manuel Massl (im Bild). Die Umfrage sei durchaus repräsentativ. Bereits unmittelbar nach der Schließung des Geschäftes habe man sich bemüht, das Problem zu lösen: „Wir versuchten zunächst, junge Leute aus Vetzan zur Übernahme des Ladens zu bewegen, doch dieser Versuch verlief sich im Sand.“ Später seien der Obmann und die Geschäftsführerin der Genossenschaft ­NaveS, Josef Unterrainer und Miriam ­Unterleitner, eingeladen worden. Sie stellten das vom Raiffeisenverband in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauerbund und anderen Partnern initiierte Modell NaveS (Nahversorgungsgenossenschaft Südtirol) im SVP-Ortsausschuss vor. Mit dieser Genossenschaft wollen sich die Initiatoren gezielt für die Nahversorgung im ländlichen Raum einsetzen (siehe auch eigenen Bericht). Die Nahversorgung in den Dörfern ist speziell auch den Bäuerinnen ein großes Anliegen. Laut Manuel Massl gibt es derzeit viele Gemeinden, die sich an die Genossenschaft NaveS wenden. Eine rasche Umsetzung des Modells in Vetzan hält er daher für eher unwahrscheinlich, zumal die Ini­tiative noch im Anfangsstadion steckt. In absehbarer Zeit werde im Zuge von „Schlanders 2020“ eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich ganz speziell um die Nahversorgung für die Fraktionen und die Senioren kümmern werde. Bei einem Vorab-Treffen seien 4 mögliche Szenarien entworfen worden. Eines dieser Szenarien sehe vor, mit Kaufleuten bzw. Handelsketten Kontakt aufzunehmen, um bei diesen bereits bestehenden Händlern Interesse für eine „Filiale“ in ­Vetzan zu wecken. Massl: „Dies ist auch der nächste Schritt, den wir zur Lösung des Problems in Vetzan angehen werden.“ Nicht außer Acht lassen dürfe man den Umstand, dass die Kaufkraft von Vetzan seit der Schließung des Ladens zu einem beträchtlichen Teil in die Nachbargemeinde Latsch abfließt.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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