Nägel mit Köpfen
Die Holzvergasungsanlage soll jährlich ca. 2,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Die Produktion von Wärme kommt noch dazu.

Für die Bürger und für die Umwelt

Publiziert in 42 / 2015 - Erschienen am 25. November 2015
Hochmoderne Anlage geht Ende Dezember in Betrieb. Derzeit wird noch auf Hochtouren gearbeitet. Mals - Mit dem Bau eines neuen, zentral gelegenen Fernheizwerks mitsamt einer Holzvergasungsanlage ist es der Gemeindeverwaltung von Mals gelungen, in einem weiteren Bereich Nägel mit Köpfen zu machen. Der Neubau war laut Bürgermeister Ulrich Veith aus zwei Gründen notwendig. Erstens konnte der Bedarf an Wärme in den vergangenen Jahren vor allem bei kalten Nächten nicht zufriedenstellend gedeckt werden. Zweitens sind die bisherigen Anlagen, sprich das kleine Heizwerk bei der Grundschule und das Heizwerk beim Hallenbad, etwas veraltet, sodass der Wirkungsgrad der Anlagen zu wünschen übrig lässt. Veith: „Wir haben uns daher für einen Neubau entschlossen, um die Wärmeversorgung für die nächsten 50 Jahre ordentlich in den Griff zu bekommen.“ Nachhaltige Lösung für die nächsten 50 Jahre Weil ein Neubau bzw. eine Erweiterung der Anlage beim Hallenbad aus Platzgründen nicht möglich war, fasste die Gemeinde einen Teil des im Eigentum des Landes befindlichen Kaseren­areals als neuen Standort ins Auge. Um umliegende Wohnungen und Betriebe vor Lärmbelästigungen zu schützen, wurde von Anfang an ein Akustikplaner engagiert, der auch die entsprechenden Arbeiten während der Bau­phase begleitete bzw. noch immer begleitet. Ebenfalls auf dem Kasernenareal soll bekanntlich auch ein neues Schülerheim entstehen. Vom Gelände her eignete sich der neue Standort für die Fernheizzentrale insofern gut, als dass es etwas abfällt, sodass viel Kubatur unterirdisch verbaut werden konnte. So wurde zum Beispiel nicht nur das riesige Lager für die Hackschnitzel unter der Erde errichtet, sondern noch weitere Räume, wo sich teilweise auch die hochmodernen Maschinen befinden. Zumal es sich um ein Vorhaben mit Gesamtausgaben in Höhe von ca. 10 Millionen Euro handelte, mussten die Arbeiten europaweit ausgeschrieben werden. Erst wenn man die Anlage betritt, wird einem bewusst, was in der kurzen Bauzeit seit Mai 2015 bis jetzt geschaffen wurde. Hochmoderne Holzvergasungsanlage Für ca. 2 Mio. Euro der Gesamtkosten ließ die Gemeinde eine hochmoderne Holz­vergasungsanlage errichten. Der Bauträger der neuen Zentrale für die Fernwärmeversorgung ist hingegen die E-AG, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Gemeinde Mals. Die Aufteilung zwischen Holvergasungsanlage und Fernheizwerk wurde laut Veith vor allem aus steuerrechtlichen Gründen vorgenommen: „Würde die Holzvergasungsanlage, die ja Gewinne abwirft, von der E-AG gebaut, wüsste diese Steuern zahlen, während die Gemeinde die Einkünfte nicht versteuern muss.“ Die Holzvergasungsanlage soll jährlich ca. 2,2 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das entspricht in etwa der Produktion des Wasserkraftwerks Arunda. Das Herzstück der Anlage ist ein hochmoderner Holzvergaserkessel der Firma Urbas aus Kärnten. Bei der Holzvergasung werden gut getrocknete Hackschnitzel bzw. Holzabfälle bis zu einer bestimmten Temperatur erhitzt. Es entsteht Gas, das gereinigt und für den Betrieb von Motoren eingesetzt wird. Die Motoren ihrerseits erzeugen Strom und die Wärme der Motoren wird in das Fernwärmenetz eingespeist. Hoher Wirkungsgrad Das Besondere an diesen Anlagen ist laut Veith der sehr hohe Wirkungsgrad: „85% der Energie wird in Form von Strom und Wärme freigesetzt.“ Außerdem handelt es sich um einen sogenannten „grünen Strom“, für den der Staat einen fixen Preis garantiert. Dies aber nur dann, wenn auch die anfallende Wärme genutzt wird, was in Mals geschieht. Wie effizient die Wärmenutzung der Holzvergasungsanlage ist, zeigt schon allein die Tatsache, dass der Warmwasserbedarf während der Sommermonate ausschließlich mit der Wärme der Holvergasungsanlage gedeckt werden soll. Das heißt, dass die Öfen des Heizwerks im Sommer abgeschaltet werden können, während die Holzvergasungsanlage ständig in Betrieb bleibt, was für die Anlage selbst besser ist, denn ein ständiges Hoch- und Herunterfahren schadet ihr und vermindert den Wirkungsgrad. Im Fernheizwerk wurde bereits ein neuer Verbrennungsofen mit einer Leistung von 4,2 Mega aufgestellt. Sobald dieser einmal in Betrieb ist, wird zusätzlich dazu der derzeitige Ofen beim Hallenbad (2 Mega) in der neuen Zentrale aufgestellt. Zusammen mit der Wärmeleistung des Holzvergasungsanlage (0,7 Mega) kann dann ausreichend Wärme für den Hauptort erzeugt werden. Derzeit werden ca. 85% des Wärmebedarfs in Mals gedeckt. Mit der neuen Anlage könnten, was die Kapazität betrift, alle Verbraucher angeschlossen werden. Umstellung auf Fernwartung Das bestehende Leitungsnetz im Dorf wurde bzw. wird an bestimmten Stellen etwas erweitert. Neu ist die Umstellung auf die Fernwartung. Um den Wärmedarf zu Spitzenzeiten gewährsleisten zu können (das ist zum Beispiel in der Früh der Fall, wenn viele Leute gleichzeitig duschen usw.), wurden zwei große, über zehn Meter hohe Warmwasserpuffer mit Sondertransporten angeliefert. Großen Wert legte die Gemeindeverwaltung von Anfang an auch darauf, die ­Emissionen von Schadstoffen möglichst gering zu halten bzw. sogar ganz auszuschalten. So wurde etwa ein hochmoderner Elektrofilter zur Reduzierung der Feinstaube errichtet. Die Biomasseöfen des Fernheizwerks sowie auch der Holzvergasungskessel werden über unterirdische, voneinander getrennte Förderbänder mit Hackschnitzel beliefert, denn für den Holzvergasungskessel ist eine bestimmte Qualität von Hackschnitzeln erforderlich. Die Asche aller Öfen läuft wiederum in einem eigenen Raum zusammen, wo sie für die weitere Entsorgung in einem Container zwischengelagert wird. Die Hackschnitzel werden per LKW von der Bahnhofstraße kommend angeliefert. Hierfür wird eine Rampe gebaut, von der aus die Lastkraftwagen die Hackschnitzel in den unterirdischen Lagerraum kippen. Die Hackschnitzel werden über das VEK angekauft. Der Anteil von Holzabfällen aus dem Gemeindegebiet ist relativ gering und liegt unter 10%. Die Umwelt „verdient mit“ Mit der neuen Zentrale und der Holzvergasungsanlage hat die Gemeinde Mals einen weiteren Schritt in Richtung umweltfreundliche, nachhaltige und ökologisch ausgerichtete Energieversorgung gesetzt. In diesem Licht sind auch die geplante Begrünung der Oberfläche der Heizzentrale sowie die ebenfalls geplante Holzverkleidung aller Außenmauern zu sehen. Sehr zufrieden äußerte sich Veith mit den beauftragten Firmen. Es komme nicht oft vor, dass Bauvorhaben dieser Größenordnung nicht nur termingerecht, sondern sogar vor dem vereinbarten Termin der Fertigstellung ausgeführt werden. Vor allem die mit den Baumeisterarbeiten betraute ­Firma ­Unionbau GmbH habe sich mächtig ins Zeug gelegt. Begünstigt wurde die Ausführung der Arbeiten auch vom warmen Wetter. Geführt wird die neue Fernheizzentrale von der E-AG. Diese übernimmt auch die Führung der Holzvergasungsanlage, wofür die Gemeinde jährlich einen Beitrag an die E-AG zahlt. Sicher zu sein scheint, dass die an das Heizwerk angeschlossenen Abnehmer in Zukunft nie mehr zu kalt haben werden. sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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