Hühner und Puten, Gänse und Enten
Geflügelzuchtverein Vinschgau nimmt Fahrt auf
Umweltgerecht, werteorientiert, nachhaltig: Das ist das Credo des Unternehmens „Original Schludernser Weihnachtsgans“.
Der neu gewählte Vorstand des Geflügelzuchtvereins Vinschgau.
Die Schwestern Edeltraud und Ruth Rainalter im Verwaltungssitz des Unternehmens „Original Schludernser Weihnachtsgans“, der auch als Anlaufstelle für den Geflügelzuchtverein zur Verfügung gestellt wird.

Geflügelschlachthof ist das derzeit wichtigste Anliegen

Erste Vollversammlung des neuen Vereins. Mitgliederzahl wächst. Geflügel- und Kleintiermarkt geplant.

Publiziert in 31 / 2018 - Erschienen am 18. September 2018

Schluderns -  Nach der Gründungsversammlung am vergangenen 16. April fand am 10. September in der Bar Priska in Schluderns die erste Vollversammlung des Geflügelzuchtvereins Vinschgau (GZVV) statt. Die Zahl der Mitglieder belief sich zum Stichtag 12. Septembern auf 25. Die Kernaufgabe des Vereines ist es, die Geflügelzucht im Vinschgau und in ganz Südtirol zu fördern, und zwar sowohl für den landwirtschaftlichen Vollbetrieb und den bäuerlichen Nebenerwerb als auch für Hobby-, Lehr-, Forschungs- und Wissenschaftszwecke. Professionelle Geflügelzüchter hatten sich zur ersten Vollversammlung ebenso eingefunden wie Hobbyzüchter und Liebhaber von Hennen und anderen Geflügelarten. Die Vereinsmitglieder stammen aus dem ganzen Tal.

Nachfrage ist groß

Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Geflügelfleisch ist laut dem Gründungsobmann Michael Böttner, der bei der Vorstandwahl als Obmann gewählt wurde, groß und weiter im Steigen begriffen. Das treffe vor allem für die Haupt-Geflügelarten Hühner, Puten, Gänse und Enten zu. Als Beispiel nannte er die Gänse. Der Betrieb „Original Schludernser Weihnachtsgans der Edeltraud Rainalter & Co. KG“ habe mit wenigen Dutzend Gänsen begonnen, „und nun sind es 400.“

Wo wird geschlachtet?

Die große Frage sei, nicht nur in Bezug auf die Gänse: wo kann das Geflügel normengerecht geschlachtet werden? Zumal ein Transport des Geflügels bis zum nächstgelegenen Schlachthof, der sich in Brixen befindet, schon rein aus Gründen des Tierschutzes kaum in Frage kommt, bemüht sich der Verein schon seit einiger Zeit um einen Geflügelschlachthof im Vinschgau. Bei der Gemeinde Mals stieß man mit dem Anliegen zwar auf offene Ohren und es wurden im Haushalt der Gemeinde auch 250.000 Euro für dieses Vorhaben eingeplant, „doch zur Umsetzung kam es bisher nicht“, bedauerte Böttner. Bei der Realisierung des Vorhabens setze man auch auf die Zusammenarbeit mit einer Metzgerei. Wie es bei der Vollversammlung mehrfach hieß, gelte es nun, als Verein verstärkt Druck auf die Gemeinde Mals auszuüben, damit das Vorhaben baldigst umgesetzt wird. Böttner: „Der Verein ist bereit, in allen Bereichen Verantwortung zu übernehmen.“ 

„Vorerst kein Neubau“

Wie Günther Wallnöfer, der Malser Gemeindereferent für Landwirtschaft, dem der Vinschger auf Anfrage bestätigte, komme der Neubau eines Geflügelschlachthofes derzeit nicht in Frage. Wohl aber soll der jetzige Schlachthof intern mit Geräten ausgestattet werden, sodass Geflügel geschlachtet werden kann. Es soll bereits bis zum Martinstag 2018 soweit sei. Eine Umfrage des Bauerbundes habe ergeben, dass 14 Bauern ein Interesse daran haben, ihren Betrieb auf Geflügelzucht umzustellen. „Erst wenn absehbar ist, wie sich die Geflügelzucht entwickelt und wie groß das Interesse tatsächlich ist, wird der Neubau eines Geflügelschlachthofes zum Thema werden“ so Wallnöfer.

Eigene Arbeitsgruppen

Mit dem Thema Schlachthof wird sich nun eine eigene, vereinsinterne Arbeitsgruppe befassen, die sich aus drei Mitgliedern des neu gewählten Vorstandes zusammensetzt: Johann Gurschler (Schlanders), Franz Andres (Tschengls) und Andreas Gaiser (Prad). Zusätzlich zu ihnen und dem Obmann wurden noch weitere Vorstandsmitglieder gewählt: Daniel Gargiulo aus Schluderns (Vizeobmann und Kassier), Reinhard Zangerle aus Eyrs (Biodiversität, Zucht, Ökologie, Events), Edeltraud Rainalter aus Schluderns (Öffentlichkeitsarbeit und Marketing) sowie Margot Tanzer aus Prad (Schriftführerin). Simone Sagmeister (Schlanders) und Ruth Rainalter (Prad) übernehmen die Kassaprüfung.

Geflügelmarkt im Visier

Reinhard Zangerle wird sich zusammen mit weiteren Vorstandsmitgliedern und externen Partnerorganisationen darum bemühen, in Eyrs einen Geflügel- und Kleintiermarkt zu organisieren, der jährlich am ersten Samstag nach Ostern stattfinden soll. Ob es bereits 2019 mit der ersten Auflage klappt, bleibt abzuwarten. Bemühen will sich der Vorstand auch um die Aufnahme als Mitgliedsverein im gesamtstaatlichen Dachverband FIAV (Federazione Italiana delle Associazioni Avicole). Als Anlaufstelle dienen dem Vorstand und allen Vereinsmitgliedern die Räume in der Vinschgauerstraße Nr. 15, wo auch die Verwaltungstätigkeit des Unternehmens „Original Schludernser Weihnachtsgans“ abgewickelt wird. Wie sich bei der Diskussion mehrfach zeigte, ist es vielen Vereinsmitgliedern ein
großes Anliegen, die Artenvielfalt zu fördern, auf das Tierwohl zu achten und eine naturnahe Aufzucht zu gewährleisten. An der Versammlung teilgenommen hat auch der Frischfleischproduzent Werner Perkmann  aus St. Martin im Kofel, seines Zeichens auch Bezirkssprecher und Landtagskandidat der Freiheitlichen. Als unabdingbar bezeichnete Perkmann die Regionalität. In der Geflügelzucht sehe er ein großes Potential für kleine Betriebe: „Der Markt ist da, allerdings dürfen die Bauern ihre Produkte nicht zu billig verkaufen.“

Vereins-Logo und Auftritt im Netz

Auch das Logo des Geflügelzuchtvereins Vinschgau stellte der Obmann vor. Es zeigt die vier Hauptgeflügelarten Hühner, Puten, Gänse und Enten. Weitere Infos zum GZVV gibt es auf der neuen Webseite des Vereins (www.gefluegelzuchtverein.it) sowie in der Anlaufstelle in Schluderns.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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