SBB-Bezirksleiter Johann Wallnöfer und Direktor Sigfried Rinner (von links) sahen die Bezirkstagung durch die Anwesenheit der Landtagsabgeordneten Maria Kuenzer, Albert Wurzer und Sepp Noggler und durch ein Bläserquartett der Bürgerkapelle Schlanders aufgewertet.

2014 wird ein Schlüsseljahr für die Landwirtschaft

Publiziert in 4 / 2014 - Erschienen am 5. Februar 2014
Mit neuer Führung will der Bauernbundbezirk Vinschgau Zeichen setzen und sich den Herausforderungen stellen. Schlanders - Es war nicht nur die „Spritzmittelfrage“ im Oberen Vinschgau oder der Besenwuchs im Obstbau, die der Bezirkstagung 2014 ihren Stempel aufdrückten. Noch nie gab es so viel Veränderung auf Führungsebene; noch nie wurde so viel verabschiedet und gedankt wie am Montag, den 27. Jänner. Dazu wurde auf Themen eingegangen, die vor allem für die Berglandwirtschaft in den nächsten Jahren entscheidend werden. Der Begriff Schlüsseljahr 2014 drängte sich auf. Nicht von ungefähr hatte sich Wahlsieger Arnold Schuler bei seinem ersten Auftritt als zuständiger Landesrat mit dem Thema „Neue Herausforderungen in der Land- und Forstwirtschaft“ zu befassen. Nicht von ungefähr referierte Landesobmann Leo Tiefenthaler über „Weichenstellungen des Südtiroler Bauernbundes“. Zum letzten Mal nach 14 Jahren eröffnete der scheidende Bezirksobmann Andreas Tappeiner die Tagung mit einem Rundumblick auf Entwicklungen und Ereignisse im Erntejahr 2013. Schon als Auflage und Wunsch an den Nachfolger gedacht waren die Hinweise, das Thema Pflanzenschutz im Oberen Vinschgau unbedingt zu versachlichen und den Ansatz „Bioregion ehrlich zu verfolgen“. Mit einem Händedruck verließ Tappeiner die Bühne und machte Platz für Raimund ­Prugger, der sich ­selbstironisch „aus dem Sonnendorf Tschengls“ vorstellte. Als erste Amtshandlung kündigte er den ersten Auftritt des neu gewählten Landesrates Arnold Schuler an. Wer ist förderungswürdig? Der „Burggräfler Politiker im Vinschger Obstbaugebiet“ streifte zuerst bekannte Probleme wie den Besenwuchs, den Beerenanbau in Martell, das Auseinanderdriften von intensiver und extensiver Landwirtschaft und erwähnte als beispielgebend das „Niedrighalten der Kirchtürme“ im Genossenschaftswesen der Obstbauern. Schwerpunkt seiner Ausführungen war aber die Förderpolitik, die im Jahre 2015 überarbeitet werden müsse. Er nannte es „gute Nachrichten“, wenn für die „ländliche Entwicklung“ 366 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Dazu dankte er dem gebürtigen Planeiler Martin Pazeller, Direktor der Landesabteilung Landwirtschaft, für die erfolgreichen Verhandlungen. Schuler erläuterte den Verteilungsschlüssel der Fördermittel - EU 43, Staat 40 und Land Südtirol 17 Prozent - und stellte die Frage: Woher sollen die 17% aber kommen? Nun sei ein Finanzierungsplan zu erstellen. Auch ein Überdenken der Leader-Gebiete - bisher betraf dies nur das Martelltal - sei angebracht. Dort seien die Mittel von 15 auf 18 Millionen Euro erhöht worden. Als gute Nachricht überbrachte Schuler auch die Sicherstellung der staatlichen Beiträge für die Hagelversicherung und den Hinweis, dass das „Operationelle Programm“ wie bisher weitergeführt würde. Allerdings seien noch viele Gesuche - die Rede war von „Altlasten“ - abzuarbeiten. Problematisch dürfte werden, wer als aktiver Landwirt zu gelten habe und daher Anrecht auf Direktzahlungen habe. In Sachen Pflanzenschutz warnte Schuler vor Abstimmungen, „die Türen zuschlagen könnten“. Es gehe natürlich um gesundheitliche Aspekte, aber rechtlich auch um den Schutz anderer Betriebsformen. Der neue trat dann dem „alten“ Landesrat für Landwirtschaft die größte Bühne im Vinschgau ab. Kompetent und leidenschaftlich wie immer referierte Luis Durnwalder über die größte Errungenschaft des Südtiroler Bauernbundes, den geschlossenen Hof und seinen historischen und rechtlichen Hintergründen seit 1900. Gemeinsam mit Bezirksobmann Prugger und Landesobmann Tiefenthaler überreichte er den Familien Mair vom Hof Tschontschafron (St. Severin) in Tschars und Gruber auf dem Sprenghof in Prad die Erbhofurkunde und den Schild mit dem Landeswappen. Kommunikation ist ausschlaggebend Es folgte die „Weichenstellung“ von Obmann Tiefenthaler, der die Bedeutung der Landwirtschaft in abwanderungsgefährdeten Räumen betonte und eine gewisse Mitverantwortung im Falle der sterbenden Dorfzentren einräumte. Er nannte den 2013 eröffneten Innovationsschalter, die Gründung der Agrarkreditgenossenschaft, die Bergbauernberatung „BRING“ und den Urlaub auf dem Bauernhof als zukunftsweisende Einrichtungen. Ein Schwerpunkt müsse die „Image-Pflege“ werden; der „Tag des offenen Bauernhofes“ sei mit über 8.000 Besuchern eine vielversprechende Maßnahme gewesen. Die Entbürokratisierung und damit zusammenhängend ein Umdenken in der Arbeitssicherheit seien anzustreben. Die Probleme des Pflanzenschutzes und der Güllewirtschaft vertragen keinen Aufschub. In Sachen Viehzuchtverbände würden demnächst „Nägel mit Köpfen gemacht“. Im Bereich Förderungen müsse die erfolgreiche Umschichtung hin zur Berglandwirtschaft fortgesetzt werden. Zwei der Wortmeldungen aus dem Publikum hatten mit dem Thema Pflanzenschutz im Obervinschgau zu tun. Einerseits wollte Leonhard Wellenzohn, Obmann Bio Vinschgau, geklärt haben, dass Biobauern keinesfalls die Spritzmittelstatistik belasten, andererseits machte Bioviehbauer Günther Wallnöfer aufmerksam, dass kein Biobauer ein Feld neben einer Obstanlage mehr pachten könne. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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Vinschger Sonderausgabe

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