So „kämpfte“ ein Schotte für die Unabhängigkeit seiner Heimat. Foto Reuters

Ein Volksfest für mehr Freiheit

Publiziert in 17 / 2013 - Erschienen am 8. Mai 2013
Schützen laden zu einer besonderen Großveranstaltung - „Nicht ­marschieren, sondern miteinander reden und sich ­unterhalten“ Meran/Vinschgau - Schon der viersprachige Slogan „Itaz! - jetzt, śën, adesso, now“ verrät es: Der Südtiroler Schützenbund will mit einer Großveranstaltung am 18. Mai im Herzen von Meran alle Südtiroler sowie auch Vertreter von Völkern, die ebenfalls nach mehr Freiheit und Unabhängigkeit streben, zu einem besonderen Volksfest zusammenführen. Zu einem Fest mit Unterhaltung, ungehemmter Diskussion und viel Kultur. Maßgeblich mit vorbereitet wurde die in dieser Form bisher einzigartige Großveranstaltung vom Schützenbezirk Vinschgau. Wir sprachen mit Bezirksmajor Peter Kaserer und seinem Stellvertreter Martin Wielander. der Vinschger: Warum wurde der Slogan „iatz!“ gewählt? Peter Kaserer: Wir leben nicht in der Vergangenheit, sondern jetzt. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir jetzt damit beginnen. Nur wenn wir uns heute auf den Weg machen, kann die Zukunft irgendwann anders aussehen. In der Vergangenheit marschierten die Schützen in der Regel auf, um gegen etwas zu protestieren. Mit dem großen Freiheitsmarsch 2012 wurde für etwas marschiert, und zwar für eine Zukunft ohne Italien. Gibt es am 18. Mai keine Trommeln, Uniformen und Waffen? Peter Kaserer: Nein. Jedem steht frei, ob er in Tracht kommen will oder nicht. Diese Form, unsere Botschaft nach außen zu tragen, ist neu. Wir möchten, dass die Bevölkerung mitfeiert, mitdenkt und mitdiskutiert. Die Opferrolle wollen wir bewusst ablegen. Also weg vom Anflug des ­„Martialischen“, den große Schützenmärsche seit jeher haben? Martin Wielander: Davon wird in Meran nichts zu spüren sein. Wir wollen möglichst viele Menschen aller Sprachgruppen in Südtirol einbinden, und ihnen bewusst machen, dass sie alle die Möglichkeit haben, mitzubestimmen und die Zukunft unseres Landes mitzugestalten. In den Städten bewerben wir die Großveranstaltung übrigens auch mit italienisch­sprachigen Plakaten. Und warum ausgerechnet jetzt? Martin Wielander: Wir brauchen uns nur anzusehen, was im Staat Italien derzeit los ist. Er steht vor dem Ruin. Die Zahl der Menschen, die eine Zukunft ohne Italien wollen, wächst von Tag zu Tag. Auch immer mehr Italiener wollen los von Rom. Ist diese Forderung nicht unrealistisch? Peter Kaserer: Wenn man diesen Wunsch als unrealistisch abtut, heißt das noch lange nicht, dass er sich nicht erfüllen kann. Die Geschichte lehrt, dass auch Unmögliches möglich geworden ist. Man muss nur daran glauben und dafür kämpfen. Wer hatte zum Beispiel vor Jahren gedacht, dass die Schotten im Herbst 2014 über ihre vollständige Unabhängigkeit von England abstimmen werden? Wie stellen sich die Schützen die Zukunft Südtirols vor? Peter Kaserer: Was uns alle eint, ist die Einsicht und auch die Hoffnung, von Italien wegzukommen. Wir als Schützen haben dafür kein bestimmtes Modell, bieten aber allen Landtagsparteien die Möglichkeit, am 18. Mai in Meran ihren Visionen und Vorstellungen an eigenen Ständen vorzustellen. Gibt es also keine „Lieblingspartei“ der Schützen? Martin Wielander: Wir sind grundsätzlich unparteiisch, glauben aber immer mehr an die Kraft des Volkes. Politische Parteien haben oft nur sich selbst im Blick und nicht das, was die breite Masse will. Unbestritten ist, dass derzeit viele Südtiroler mehr Freiheit und Unabhängigkeit wollen. Dieses Streben nach mehr Freiheit feiern wir in Meran zusammen mit Katalanen, Schotten, Basken sowie Freunden aus Flandern und Venetien. Lange Ansprachen gibt es am 18. Mai also nicht? Peter Kaserer: Ab 10 Uhr stehen der Kulturaustausch im Mittelpunkt, die Unterhaltung, Information und lockere Gespräche. Das Hauptprogramm beginnt um 14 Uhr mit Musik und kurzen Reden bzw. Botschaften zu Freiheit und Unabhängigkeit von zwei ­Schützen, der Katalanin Anna Arque und je einem Vertreter der Schotten, Flamen, Basken und ­Venetier. Auf die Gruppe­ ­„Volxrock“ freuen wir uns besonders. Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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