„Gehört dieses idyllische Landschaftsbild mit dem Weidevieh bald der Vergangehiet an?“, fragen sich die Weide-Interessentschaft und der Ortsbauernrat von Glurns.

Golfplatz in Glurns – Ausverkauf der Heimat?

Publiziert in 36 / 2014 - Erschienen am 15. Oktober 2014
Glurns - So haben die ­Weide-Interessentschaft und der Ortsbauernrat von Glurns eine mehrseitige Stellungnahme zum Thema Golfplatz in der „oberen Au“ überschrieben. Wie berichtet (der Vinschger Nr. 34/2014, hatte sich der Gemeinderat am 24. September mehrheitlich dafür ausgesprochen, die „obere Au“ für die Errichtung eines Golfplatzes bereit zu stellen. „Die heimischen Bauern sind seit Menschengedenken berechtigt, die Weideflächen der ‚oberen Au’ für ihr Vieh zu nutzen“, heißt es in der Stellungnahme. „Der Gemeinde gehört der Grund, das Weidegras aber uns!“. Auf der Grundlage geltender Landesbestimmungen sei das Weiderecht in der „oberen Au“ schriftlich festgehalten und geregelt. Jeder ortsansässige Viehhaltungsbetrieb habe Zugang zu diesen Weideflächen und die Verpflichtung, diese als Allgemeingut nachhaltig nach Maßgabe der gültigen Vorschriften zu bewirtschaften und stetig zu verbessern. Die Mitglieder der Weide-Interessentschaft seien dieser Verpflichtung stets nachgekommen. Dies beweise auch der neue Unterschutzstellungsvorschlag der Landesabteilung „Natur, Landschaft und Raumentwicklung“, wonach auf Vorschlag des Heimatpflegeverbandes die „obere Au“ mit benachbarten Parzellen als Biotop geschützt werden soll. Diesen und weitern Tatbeständen werde in der Diskussion kaum Beachtung geschenkt. Mehrheitlich seien die Ratsmitglieder bestrebt, die Grundverfügbarkeit für einen Golfplatz zu sichern. „Lokale Interessen werden dabei in den Hintergrund gedrängt, um für den ganzen Vinschgau, ja sogar für Ferienregionen über die Landesgrenzen hinaus, ein interessantes Vorhaben zur Stärkung des Tourismus unterstützen zu können.“ Den Golfplatzbefürwortern im Rat seien alle Mittel und Wege Recht, eine positive Grundsatzentscheidung herbeizu¬führen. „Solange es in Glurns Viehbauern gibt, können diese im Frühjahr und Herbst nicht auf die Weideflächen der ‚oberen Au’ verzichten, weil die Weidewirtschaft auch hier, wie in ganz Südtirol, vor allem für das Galt- und Mastvieh und weniger für das anspruchsvolle Melkvieh, von großer Bedeutung ist“, heißt es weiter. Lediglich zusammen mit den Heimweiden sei die Almbewirtschaftung in Glurns interessant und attraktiv. Es gebe vor Ort keine Ersatz-Weideflächen, wie sie die Golfplatzbefürworter im Gemeinderat den Bauern gerne anbieten würden; es sei denn man könnte dafür landwirtschaftlichen Kulturgrund verwenden. „Auch das fragliche Angebot der Ersatzzahlungen für verloren gegangene Weideflächen im Falle der Errichtung eines Golfplatzes wird von den Bauern sehr kritisch hinterfragt, da man zum einen für Geld nicht alles kaufen kann, zum anderen aber das Geld durch die Führung des Golfplatzes erst erwirtschaftet werden muss.“ Im Fall der Errichtung eines Golfplatzes gingen die Weideflächen in ihrer heutigen Beschaffenheit für immer verloren. „Ein Phänomen, im weitesten Sinne vergleichbar mit dem in unserer freien Marktwirtschaft heutzutage unaufhaltsamen Verkauf von Kulturgrund an die wohlhabenderen Obstbauern des Unterlands, aus dem sich in Anlehnung an jenes der mancherorts festzustellenden Überwucherung von Zweitwohnungen der Begriff ‚Ausverkauf der Heimat’ geprägt hat.“ Der kostspielige Golfsport sei heute noch kein Volkssport, „daher muss sich die Rentabilität eines Golfplatzes erst beweisen.“ Die Entscheidung im Gemeinderat habe bezirksweit, vor allem unter den Touristikern, Wirtschaftstreibenden und politischen Verantwortungsträgern, große Freude hervorgerufen. Allerdings: „Von all den erfreuten Hoffnungsträgern will niemand einen Golfplatz vor seiner Haustüre bzw. auf seinem Gemeindegebiet haben.“ Daher sei es verwunderlich, weshalb sich gerade die kleinste Gemeinde im Tal diese Bürde aufhalst, „obwohl es vinschgauweit auch alternative Standorte auf öffentlichem Grund und Boden gäbe.“ Wolle man zum Ziel „Golfplatz“ gelangen, brauche es u.a. Umwidmungen am Gemeindebauleit¬plan. Die Glurnser Bauern mit ihren verbündeten Gegnern zur Errichtung eines Golfplatzes in der „oberen Au“ vertrauen auf die Vernunft der politischen Verant¬wortungs- und Entscheidungsträger sowie der Funktionäre und Mitglieder von beratenden Gremien, „dass Bewährtes auch heute in der schnelllebigen Zeit im Wandel starker Veränderungen seinen Bestand hat und Kraft- bzw. Gewaltakte zur Herbei¬führung ungewisser Neuerungen auf Kosten von Natur, Landschaft und der örtlichen, derzeit noch betriebenen Viehwirtschaft ausbleiben.“ Die vollinhaltliche Stellungnahme ist unter http://tinyurl.com/­Golfplatz-Glurns nachzulesen. Red
Redaktion
Vinschger Sonderausgabe

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