Im Bild (von links): die Fachreferenten Michael Hipp und Therese Niklaus Loosli, Monika Linser (Sozialassistentin), Daniela Alber (Sozialassistentin), Evelin Peer (Fachkraft der sozialpädagogischen Grundbetreuung), Karin Tschurtschenthaler (Direktorin der Sozialdienste) und Pflegedienstleiter Christoph Alber

Netzwerk frühe Bindung

Publiziert in 37 / 2013 - Erschienen am 21. Oktober 2013
Hilfe für Kinder von Eltern, die unter psychischen Erkrankungen leiden Schlanders - Kinder, die in Familien hineingeboren werden, in denen die Mutter oder der Vater psychisch krank sind, können in ihrer Entwicklung nachhaltig belastet oder gehemmt werden. Wie in vielen anderen Bereichen gilt auch hier der Grundsatz: Vorsorge ist besser als Nachbehandlung. Ganz in diesem Sinn haben kürzlich rund 50 Fachkräfte aus dem Gesundheits- und Sozialbereich im Krankenhaus Schlanders an der Fachtagung „Netzwerk frühe Bindung“ teilgenommen. Die Fortbildung, die im Anschluss an die Tagung in einem engeren Rahmen mit einem vertiefenden Couching fortgesetzt wurde ist Teil des Interreg-Projektes „Brücken in die Zukunft“. Getragen wird das Projekt von den Sozialdiensten der Bezirksgemeinschaft Vinschgau in Zusammenarbeit mit der EU, Interreg Italien-Schweiz sowie Terra Raetica. „Auch im Vinschgau gibt es im Bereich der Unterstützung von Kindern psychisch kranker Eltern einigen Nachholbedarf“, sagte Karin Tschurtschenthaler, die Direktorin der Sozialdienste, dem „Der Vinschger“. Großer Wert werde bei dieser besonderen Fortbildung darauf gelegt, dass möglichst alle Fachkräfte, die mit Kindern und deren Eltern arbeiten, ein Netzwerk bilden. Schon allein die Zusammensetzung der Tagungsteilnehmer beweist, dass hier viele an einem Strang ziehen: Fachkräfte aus der Sanität, Psychiater, Mutter-Kind-Beratung, freiberufliche Hebammen, Mütterberatung, Sozialdienste, Sozialassistentinnen und Vertreter weiteren Berufsgruppen. Frühzeitig handeln Schwangerschaft und Geburt stellen für werdende Eltern eine besondere Herausforderung dar. Traumata, psychische Erkrankungen und einschneidende Ereignisse im Leben können sich störend auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken. Die Folgen, die ein psychisches Ungleichgewicht der Eltern auf die Kinder haben kann, war eines der Themen, zu denen der Fachmann Michael Hipp aus Deutschland referierte. Hipp ist Arzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Leiter des sozialpsychiatrischen Dienstes Hilden. „Die ersten zwei Jahre sind für die Entwicklung eines Kindes die wichtigsten und prägendsten überhaupt“, ist Michael Hipp überzeugt. Es gelte daher, Mängel in einer Elter-Kind-Beziehung möglichst frühzeitig zu erkennen, damit das frühkindliche Entwicklungsstadium möglichst normal verlaufen kann. Wird zu spät eingegriffen, lassen sich bestimmte Fehlentwicklungen nur mehr schwer rückgängig machen. Wenn die Kinder schon in den Kindergarten oder in die Schule gehen, lassen sich im Wesentlichen nur mehr die Symptome bekämpfen. Eine weitere Referentin war Therese Niklaus Loosli aus der Schweiz. Sie ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Paar-, Familien- und Systemtherapeutin sowie Marte Meo Therapeutin. Die Marte Meo Methode ist eine videobasierte lösungs- und ressourcenorientierte Methode zur Unterstützung der Entwicklung. Sie überträgt die neueren Erkenntnisse der Neurobiologie und der Bindungstheorie auf die konkreten Beziehungsmomente zwischen Eltern und ihren Kindern im Alltag. Eigene Arbeitsgruppe Die Fortbildungstage sind auch als weiterer Baustein im Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe für Kinder von Eltern mit psychischen Erkrankungen anzusehen. Der Pflegdienstleiter Christoph Alber und weitere Tagungsteilnehmer freuten sich vor allem auch darüber, dass es dieses Mal gelungen ist, eine konkrete Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Soziales und Gesundheitswesen zu erzielen. Diese Bereiche überschneiden sich zwar oft, doch ein Zusammenwirken lässt an vielen Schnittstellen noch zu wünschen übrig. sepp
Josef Laner
Josef Laner

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