Reden, sich öffnen und früh genug Hilfe suchen
Naturns - Seit 2019 gibt es das Sensibilisierungsprojekt „Red mor amol driber – Parliamoci“ (www.infopoint.bz) des Jugenddienstes Meran/Naturns. Seither wurden zahlreiche Initiativen rund um die psychische Gesundheit gestartet, wie etwa Workshops, öffentliche Veranstaltungen und ein zweisprachiger Podcast. Gemeinsam mit dem Kunstgymnasium Meran wurde das kooperative Spiel „DiscOut! – Picture your mind“ entwickelt. Am 11. Mai wurde im Foyer des Bürger- und Rathauses in Naturns die Ausstellung „Red mor amol driber – Parliamoci“ eröffnet. Sie wurde vom Jugenddienst Meran/Naturns in Zusammenarbeit mit der Bibliothek Naturns, dem Bildungsausschuss Naturns, der Gemeinde Naturns sowie dem Kunstgymnasium organisiert. Präsentiert wurden 12 zweisprachige Informationstafeln, die einen niederschwelligen und verständlichen Zugang zum Thema psychische Gesundheit bieten, sowie 15 künstlerische Fotografien von Schülerinnen und Schülern des Kunstgymnasiums Meran. Die Palette der Themen an den Info-Tafeln reicht von Mobbing, Gewalt und Depression bis hin zu Selbstverletzung, Suizid, Burnout, Abhängigkeit sowie Angst- und Essstörung. Sabine Cagol, Psychologin und Psychotherapeutin, hielt im Rahmen der Vernissage ein Kurzreferat zum Thema psychische Gesundheit. Sie rief u.a. anderem dazu auf, bei bestimmten Symptomen früh genug Hilfe zu suchen, offen über das eigene Unwohlsein zu reden, sich Angehörigen und Freunden anzuvertrauen, unbegründete Scham zu überwinden, Beziehungen zu pflegen, sich nicht abzuschotten und Warnsignale ernst zu nehmen. „Sich Hilfe holen ist kein Zeichen von Schwäche“, sagte Cagol. „Reden ist Gold. Wer sich öffnen kann, tut sich leichter.“ Viele Menschen in Südtirol, die unter psychischen Problemen leiden, neigen laut Cagol dazu, die starke Frau bzw. den starken Mann zu spielen. Viele suchen viel zu spät Hilfe „und Notfälle sind derzeit landesweit schwer zu händeln.“ Laut Cagol sollten wir uns alle immer wieder vor Augen führen, dass das Wohlbefinden mehr ist als nur die Abwesenheit von Symptomen bzw. Leiden. Die Ausstellung war bis zum 15. Mai in der Bibliothek Naturns zu sehen. Ab dem Herbst 2026 kann sie von Gemeinden sowie von Bildungs-, Kultur- und Jugendeinrichtungen ausgeliehen werden.