Patrizia Pichler ließ Raimund Rechenmacher in das explosive Trauergemisch greifen.

„Traut euch zu trauern!“

Publiziert in 40 / 2014 - Erschienen am 12. November 2014
Schlanders - Patrizia Pichler, die Referentin, war ebenso positiv überrascht wie Bibliothekar Raimund Rechenmacher. Das „Plädoyer für eine Kultur des Trauerns und Mitfühlens“ schien zu interessieren. Sogar einen außergewöhnlich hohen Anteil an Männern stellte die aus Schlanders stammende Hospizfachfrau, Trauerbegleiterin und Trainerin für Palliative Care fest. Die Kernaussage: „Der Umgang mit Trauer gehört zur Gesundheitserziehung“ belegte Pichler mit konkreten Beispielen aus jahrelanger Erfahrung. Dabei berief sie sich auf die Methode „der geschützten Trauerumwandlung“ des griechischen Psychologen Jorgos Canacakis. Trauer könne nicht weggesperrt werden, meinte sie, weil dadurch auch die Freude weggesperrt würde. Ganz konkret ließ sie die Zuhörer in den „Topf mit dem gefährlichen Trauergemisch“ greifen und versuchte die Zuhörer auf die unterschiedlichen Formen von Trauer aufmerksam zu machen. Die nachlassende Sehkraft im Alter sei ebenso Ursache von Trauer wie die uns umgebende Zerstörung der Umwelt. Sich diesen Trauermomenten nicht zu stellen, berge die Gefahr, in Depressionen zu verfallen. Der Depressive „halte den Deckel drauf“ und habe nicht den Mut, Trauer zuzulassen, sich ihr zu öffnen und einen Neubeginn zu wagen. „Traut euch zu trauern“, rief Patrizia Pichler ihrem Publikum zu. s
Günther Schöpf
Günther Schöpf

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