Marmor, Stein des Anstoßes
Der neue Verbindungsweg zum Marmorabtransport unterhalb der Göflaner Alm

„Abtransport des Göflaner Marmors über die Straße ist nur ein Provisorium“

Publiziert in 16 / 2005 - Erschienen am 25. August 2005
Über die Straße werden in Kürze die ersten Marmorblöcke aus dem Wantlbruch in Göflan zu Tal transportiert. „Der Lkw-Abtransport durch Göflan bleibt mit Sicherheit ein Provisorium, als endgültige Lösung kommt für uns nur eine Seilbahnstruktur auf Schlanderser oder Laaser Gemeindegebiet in Frage, noch innerhalb 2005 wird im Nationalparkplan eine gemeinsame Transportstruktur eingetragen werden“. Dies sicherte Bürgermeister Johann Wallnöfer am 1. August auf einer Informationsversammlung in Göflan zu, zu der die Eigenverwaltung Bürgerlicher Nutzungsrechte Göflan eingeladen hatte. Über 60 Personen waren gekommen. Erhard Alber, der Präsident der Eigenverwaltung, hatte im Vorfeld an die wichtigsten Entscheidungen und Verhandlungen rund um das Thema Marmor erinnert. Neben der Fraktion Göflan, der Eigentümerin der Schürfparzellen, sind seit jeher auch die Agrargemeinschaft Göflan und die Gemeinde Schlanders an allen Verhandlungen beteiligt. „Was wir alle wollen, ist ein positives Ergebnis für die Bevölkerung, Pauschalkritik und gezielte Verunsicherungen lehnen wir ab“, sagte Erhard Alber. Er erinnerte auch daran, dass bei der Bürgerversammlung 2003 der Großteil der Bevölkerung dafür gewesen sei, den Marmor im Falle des Scheiterns anderer Möglichkeiten provisorisch über die Straße abzutransportieren. Dies trifft jetzt tatsächlich zu. Den Zuschlag zum Abbau (140 Euro pro Kubikmeter plus 60 Euro pro Kubikmeter für den Transport) hatte bekanntlich die Tiroler Marmorwerke GmbH erhalten. Hinter dieser Firma stehen Peter Paul und Siegfried Pohl aus Latsch, Siegfried Unterberger aus Meran und der Marmorunternehmer Giuseppe Dalle Nogare. Die Gemeinde Schlanders hatte vertraglich zugesichert, innerhalb von 18 Monaten für eine Transportstruktur zu sorgen. „Es gab viele Aussprachen mit der Gemeinde Laas, der Eigenverwaltung Laas, mit der Lasa Marmo, der Bruchbetreiberin in Laas, und auch mit dem Land“, sagte Bürgermeister Johann Wallnöfer. Konkrete Ergebnisse seien nicht erzielt worden. Weder auf eine neue Seilbahnstruktur auf Laaser oder Schlanderser Gemeindegebiet habe man sich einigen können, noch auf eine Abtretung der Schrägbahn in Laas als öffentliche Transportstruktur. Dabei sei eine neue Seilbahnstruktur laut einer Studie günstiger als die Sanierung der Schrägbahn. Der Lasa Marmo warf der Bürgermeister Hinhaltetaktik vor. Auch die Fraktion Laas hätte zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr richtig „mitgezogen“. Die Gemeinde Schlanders habe den Bau einer Seilbahn auf Schlanderser Gemeindegebiet schon vor einiger Zeit ausgeschrieben, die Ausschreibung dann aber in der Hoffnung positiver Verhandlungsergebnisse vorerst wieder auf Eis gelegt. „Wir haben nichts dagegen, dass Laas mit den Werkstätten und mit der Schule weiterhin Verarbeitungsstandort bleibt“, stellte der Bürgermeister klar. Dem provisorischen Abtransport über die Straße (es wurde auch ein 960 Meter langer, neuer Verbindungsweg gebaut) haben der Nationalpark und das Land laut Wallnöfer nur unter strengen Auflage zugestimmt: höchstens drei Jahre, höchstens 2000 Kubikmeter pro Jahr, höchstens sieben Monate Abbauzeit, höchstens vier Lkw-Transporte pro Tag, höchstens 15 Tonnen pro Fahrt. Abgewickelt wird der Transport von der Firma Marx AG. „Als Garantie für die Einhaltung der Auflagen musste die Gemeinde beim Nationalpark eine Bankgarantie von 250.000 Euro hinterlegen“, sagte Wallnöfer. Auch beim Land sei eine Bankgarantie hinterlegt worden, „noch bedeutender aber ist, dass im neuen Nationalparkplan verbindlich festgeschrieben werden muss, wo sich die gemeinsame Transportstruktur für alle befinden wird“. Im Zusammenhang mit der Neuvergabe des Marmorabbaus in Göflan und des Straßenabtransportes behängen derzeit noch mehrere Rekurse beim Verwaltungsgericht. Bei der Versammlung in Göflan sprach sich die Mehrheit der Diskussionsteilnehmer klar für die Vorgangsweise der Fraktion, der Agrargemeinschaft und der Gemeinde Schlanders aus. Aber auch einige kritische Stimmen wurden laut. So wurde unter anderem angeregt, mit dem Straßenabtransport bis zur Schaffung einer anderen Transportmöglichkeit zuzuwarten. Auch Ängste über zusätzliche Belastungen durch den Lkw-Verkehr wurden geäußert. Die Bedenken, dass der Marmor zum Teil nur abgebaut und dann weiter in Richtung Süden transportiert werden könnte, zerstreute der Bürgermeister mit dem Hinweis, dass es mittelfristig eine Betriebsstruktur in Schlanders oder in Laas geben müsse. Als provisorischer Standort diene zunächst das Ex-Thurin-Gelände in Schlanders. Die großen Mengen an Restmaterial, die beim Wantlbruch lagern, dürfen laut Wallnöfer nicht über die Straße zu Tal gebracht werden. Elmar Dietl informierte bei der Versammlung über die geplante Einsetzung eines Friedhofskomitees und über die neue Friedhofsordnung für Göflan, die am 1. Jänner 2006 in Kraft treten soll. Markus Joos (Eigenverwaltung) konnte berichten, dass die Arbeiten in und an der alten Schule vor dem Abschluss stehen. In den neuen Räume sollen die Fraktion, der das Gebäude gehört, sowie die Vereine des Dorfes neue Unterkünfte finden. Ein Neubau hätte laut Joos rund das Doppelte gekostet. Die Gesamtausgaben bezifferte er mit rund 350.000 Euro. Das Land und die Gemeinde hätten großzügige Beiträge gewährt.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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