Wer wird Bürgermeister?
Die zwei Bürgermeisterkandidaten Helmut Fischer (links) und Christian Stricker.

Am 9. März geht es um die Wurst

Publiziert in 6 / 2014 - Erschienen am 19. Februar 2014
Helmut Fischer und Christian Stricker stehen Rede und Antwort Latsch - Am 9. März fällt in der Marktgemeinde Latsch die Entscheidung darüber, wer bis zum Jahr 2020 im neuen Gemeinderat sitzen wird und wer das Erbe des verstorbenen Bürgermeisters Karl Weiss übernehmen wird. der Vinschger wollte von den zwei SVP-Bürgermeisterkandidaten Helmut Fischer und Christian Stricker unter anderem wissen, was sie in ihrer Heimatgemeinde bewegen möchten, warum sie Bürgermeister werden wollen und welches ihre vorrangigen Ziele sind. der Vinschger: Sie sind die zwei einzigen Bürgermeisterkandidaten bei den Gemeinderatswahlen am 9. März. Sind Sie froh, dass „nur“ die SVP mit Bürgermeisterkandidaten antritt und die Oppositionsparteien keine Bewerber für das Bürgermeisteramt ins Rennen schicken? Helmut Fischer: Als SVP haben wir auf uns zu schauen. Unserer Partei ging es darum, gute Voraussetzungen dafür zu schaffen, um den Bürgermeister zu stellen und möglichst viele Vertreter der SVP in den neuen Gemeinderat zu schicken. Christian Stricker: Es wurde schon im Dezember 2013 beschlossen, dass die SVP nur mit zwei Bürgermeisterkandidaten antritt. Das war auch der Grund, warum Vorwahlen durchgeführt wurden. Wir wissen erst seit kurzem, dass die Oppositionsparteien keine Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schicken. Warum wollen Sie Bürgermeister werden? Fischer: Vor 4 Jahren wurde ich mit einem respektablen Ergebnis in den Gemeinderat gewählt. Nach vierjähriger Erfahrung möchte ich nun an vorderster Stelle etwas für meine Heimatgemeinde bewegen. Stricker: Bei den Wahlen 2010 bekam ich als Gemeinderat am meisten Stimmen, und das als „Fraktionist“. Aufbauend auf dieses breite Vertrauen der Wählerschaft möchte ich nun versuchen, auch als Bürgermeister mein Bestes zu geben. Herr Fischer, Sie waren rund vier Jahre Mitglied des Gemeinderates, Ihr Mitbewerber Christian Stricker ist seit 2000 politisch aktiv, und zwar als Ratsmitglied, Referent und von 2005 bis 2010 als Vizebürgermeister. Wie wichtig ist es in Ihren Augen, eine politische Erfahrung im Rat bzw. in der Verwaltung mitzubringen? Fischer: Die Erfahrung im Gemeinderat halte ich für sehr wichtig. Ich vergleiche die politische Arbeit in der Gemeinde gerne mit der Arbeit beim Weißen Kreuz, bei dem ich seit 35 Jahren mitwirke. Im Grunde unterscheidet sich die Arbeit beim Weißen Kreuz nicht von jener, wie sie auch auf Gemeindeebene auszuführen ist. Stricker: Die politische Erfahrung ist sehr wichtig. Was ich bisher gelernt habe, ist, dass viele Entscheidungen entweder für oder gegen jemanden zu fällen sind. Entscheidungen müssen aber getroffen werden. Wichtig ist mir, transparent und ehrlich zu sein und nicht so vorzugehen wie die Fahne im Wind. Sie sind beide Landwirt von Beruf. Wird da die freie Wahl der Bürger nicht etwas eingeschränkt, oder anders gefragt: Welchen Stellenwert räumen sie den Arbeitnehmern und anderen Ständen ein? Fischer: Bei den Vorwahlen zur Ermittlung der Bürgermeisterkandidaten stand auch eine Arbeitnehmerin auf der Liste. Wenn sich die Mehrheit der Abstimmenden für uns zwei entschieden hat, spricht das im Grunde für die Qualität des Bauernstandes. Außerdem ist ein Landwirt sowohl Arbeiter als auch Unternehmer und selbstständiger Entscheidungsträger. Er vereint sozusagen alle Stände. Stricker: Auch ich sehe das grundsätzlich so. Eigentlich bin ich gelernter Mauerer und kam als Quereinsteiger zur Landwirtschaft. Ein Landwirt ist nicht nur ein Bauer im klassischen Sinn, sondern ein bisschen von allem, also auch Arbeitnehmer, Unternehmer und Selbstständiger. Ist es überhaupt noch sinnvoll, von Ständen zu reden? Fischer: Eigentlich nicht. Die letzten Landtagswahlen haben uns klar vor Augen geführt, dass Stände und Verbände stark an Einfluss eingebüßt haben. Es ist schon lange so, dass auch Arbeiter unternehmerisch denken und umgekehrt. Stricker: Auf Gemeindeebene geht es weniger um das Ständedenken, sondern mehr um die Sympathie bei der Bevölkerung. Stark ins Gewicht fällt auch die Mitarbeit in Vereinen und Verbänden. Diesbezüglich sind wir beide ziemlich aktiv. Herr Stricker, Sie stammen aus ­Morter, Ihr Mitbewerber aus dem Hauptort. Glauben Sie tatsächlich, dass ein Morterter Bürgermeister werden kann? Im Umkehrschluss die Frage an Herrn Fischer: Ist Ihre Wahl eine „gmahte Wiesn“? Stricker: Würde ich das nicht glauben, wäre ich nicht als Bürgermeisterkandidat angetreten. Als „Fraktionist“ habe ich es sicher schwerer als mein Mitbewerber aus dem Hauptort. Dennoch bin ich überzeugt, dass wir alle gemeinsam für unsere Gemeinde arbeiten sollten. Fischer: Eine „gmahte Wiesn“ sind diese Wahlen für mich ­sicher nicht. Die Diskussionen zwischen Hauptort und Fraktionen halte ich für ungut, ebenso das diesbezügliche Hickhack, wie wir es unlängst im Gemeinderat erlebten. Ich bin überzeugt, dass wir uns alle gemeinsam für die gesamte Gemeinde einbringen und uns nicht gegenseitig ausspielen sollten. Sie waren beiden unter dem verstorbenen Bürgermeister Karl Weiss politisch tätig. Was wollen Sie von seinem Erbe weiterführen und was wollen Sie ändern? Stricker: Karl Weiss war im Rathaus sehr stark präsent. Er war so gut wie immer da. Es ist ihm mit einem gesunden Hausverstand gelungen, viele Dinge schnell und unbürokratisch weiterzubringen. Dafür gebührt ihm großer Respekt. Ich würde als Bürgermeister auf etwas mehr Transparenz Wert legen und wichtige Entscheidungen im Vorfeld in größeren Gremien zur Diskussion bringen. Fischer: Karl Weiss hat im Haupt­ort und in den Fraktionen vieles errichtet. Es gilt nun, sein Erbe zu erhalten und weiterzuführen. Sollte ich Bürgermeister werden, möchte ich mich darum bemühen, die Bürger stärker einzubinden, etwa in Form von öffentlichen Diskussionen und Befragungen. Wir dürfen und brauchen keine Angst vor den Bürgern zu haben. Faire Diskussionen müssen Platz haben, auch wenn es um heikle Themen geht. Auch in der Gemeinde Latsch schließen immer wieder Geschäfte und Bars ihre Türen. Wie steht es um die Wirtschaft in Ihrer Gemeinde? Stricker: Im Obstbau sind wir gut aufgestellt. Auch die Handwerksbetriebe arbeiten nicht schlecht. Große Sorgen bereitet uns derzeit der Tourismus, speziell auch das Gastgewerbe. Nicht leicht wird es sein, auch in Zukunft die Nahversorgung zu gewährleisten, vor allem in den Fraktionen. Ein großes Problem ist das zu­nehmende Verschwinden von Familienbetrieben im Handel und im Gastgewerbe. Wenn Geschäfte und Bars verpachtet werden, ist das nicht selten ein Spiel auf Zeit. Fischer: Es gibt zurzeit schon Bereiche der Wirtschaft, in denen es kriselt. Die Aufgabe der Gemeindepolitik muss es sein, ein wirtschaftsfreundliches Klima zu schaffen und Voraus­setzungen dafür auf den Weg zu bringen, dass sich die Wirtschaft entfalten und bewegen kann. Der Spielraum der Gemeinden ist in diesem Sinn leider ziemlich eingeschränkt, nicht zuletzt wegen der Landes- und Staatsbestimmungen. Wird Ihre Heimatgemeinde dem Namen Sportgemeinde noch immer gerecht? Stricker: Auf jeden Fall. Alle sportlichen Infrastrukturen sind in gutem Zustand. Es geht jetzt darum, sie weiterhin in Schuss zu halten. Auch muss es uns gelingen, die Infrastrukturen für Einheimische und Gäste noch attraktiver zu machen. Wir haben bereits jetzt immer wieder Sportgruppen zu Gast, welche dazu beitragen, die Zahl der Nächtigungen speziell während sogenannter „toter Zeiten“ zu steigern. Es sind noch weitere Anstrengungen in diese Richtung zu unternehmen. Fischer: Latsch wollte und will sich als Apfel- und Sportgemeinde profilieren. Die sportlichen Infrastrukturen sind die Grundlage für einen Mehrwert, vor allem auch im wirtschaftlichen Sinn. Aber auch auf das Thema Apfel ist vermehrt Wert zu legen. Soll das Skigebiet auf der Tarscher Alm wieder seine Tore öffnen? Fischer: Wenn ab heuer der Sommerbetrieb wieder läuft, ist das nicht nur ein Gewinn für die Wirtschaft, sondern für die gesamte Bevölkerung. Besonders erfreulich ist, dass heimische Tourismusakteure die Anlagen und die dazugehörigen Immobilien gekauft haben. Die Gemeinde sollte den Sommerbetrieb auf jeden Fall im Rahmen ihrer Möglichkeit auch finanziell unter­stützen. Ob man auf der Tarscher Alm künftig wieder Ski fahren kann, lässt sich derzeit nicht sagen. Stricker: Für die Gemeinde Latsch und auch die unmittelbare Umgebung ist es ungemein wichtig, dass der Sommerbetrieb auf der Tarscher Alm wieder aufgenommen wird. Wir haben dort oben ein wunderbares Wander­paradies und wenn man dieses ab heuer wieder mit dem Lift er­reichen kann, ist das ein großer Pluspunkt. Während der vergangenen Jahre mussten Einheimische und Gäste entweder zu Fuß hinaufgehen oder einen Shuttle-Dienst nutzen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Umstand, dass das Schneeschuhwandern immer beliebter wird. Auch in diesem Bereich birgt die Tarscher Alm Potential. Nennen Sie einige Vorhaben, die Sie als Bürgermeister unbedingt umsetzen möchten. Fischer: Finanzielle Unter­stützung bei der Führung des Sesselliftes auf die Tarscher Alm, Klärung der Besitzverhältnisse und der Haftungsfragen bezüglich des ländlichen Wegenetzes, noch stärkere Einbindung von Vereinen und Verbänden, Sanierung und Bau wichtiger Infrastrukturen wie Mittelschule und Kindergarten. Stricker: Erhalt und Weiterentwicklung bestehender sportlicher Infrastrukturen, Förderung der Wirtschaft und Nahversorgung, Aufwertung der Gemeinde als Tourismusstandort und nicht nur. Wie wollen Sie mit der Opposition umgehen? Fischer: Politisch korrekt und respektvoll. Auch die Opposi­tionsräte sind Vertreter des Volkes. Ich hoffe auf eine konstruktive Zusammenarbeit. Stricker: Alle Vertreter, die im Gemeinderat sitzen, sollten im gegenseitigen Respekt und im fairen Umgang untereinander für das Wohl der Bevölkerung arbeiten.   Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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