Zum Nachahmen empfohlen
Träger des 10. Ökologiepreises Vinschgau sind ermittelt
Im Bild (v.l.): Andreas Zuegg (Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise), Franz Fliri (Heimatpflegeverband Südtirol, Bezirk Vinschgau), Josef Gruber (Umweltschutzgruppe Vinschgau), die Preisträgerin Valeria Caldarelli (Hotel LA VIMEA), die Preisträger Anna und Erich Vill (Landhotel Anna), Anja Matscher (Bioland Südtirol, Sprecherin der Bioland-Viehwirtschaftsgruppe Vinschgau), Helmut Schönthaler (Umweltschutzgruppe Vinschgau) und Stefanie Pratzner (Ethical Banking Raika Prad-Taufers); nicht im Bild sind die Jury-Mitglieder Christian Gamper (Alpenverein Südtirol), Patrik Gamper (Bio Vinschgau) und Harald Gurschler (Bund Alternativer Anbauer).
Die Verleihung des 10. Ökologiepreises Vinschgau fand im KASINO in der BASIS in Schlanders statt.

Auch im Kleinen ist Großes möglich

Zwei Projekte aus dem Bereich der Gastronomie ausgezeichnet. „Positive Praxisbeispiele, die Mut machen“.

Publiziert in 41 / 2021 - Erschienen am 7. Dezember 2021

Schlanders - Wie in vielen Bereichen beginnt auch der Einsatz für die Umwelt im Kleinen. Es nützt nichts, auf den Klimagipfel von Glasgow zu starren und abzuwarten, was sich konkret tun wird, „denn wir haben hier bei uns Handlungspielraum genug, um Ressourcen zu sparen, die Umwelt zu schützen und nachhaltig zu wirtschaften.“ Mit diesen Worten eröffnete Josef Gruber von der Umweltschutzgruppe Vinschgau am 29. November die Verleihung des 10. Ökologiepreises Vinschgau in der BASIS in Schlanders. Vergeben wird dieser Preis nur alle zwei Jahre. „Bei der Gründung der Initiative vor 20 Jahren hatten wir nicht nur das Klima im Blick, sondern auch den Umgang mit Rohstoffen und Energie sowie dessen Auswirkungen auf Wasser, Boden und Luft“, führte Gruber weiter aus. „Turbo-Konsum und Kapitalismus sind nicht die Lösung, sondern das Problem.“ Dass es keinen Spielraum mehr für Illusionen gebe, habe jüngsthin auch der Klimaforscher Georg Kaser mehrfach in aller Deutlichkeit unterstrichen. Angesichts dieses äußerst ernsten Hintergrundes ist es laut Josef Gruber umso wichtiger, „positive Beispiele und Auswege zu finden, die das Mögliche aufzeigen und Mut machen.“

Breit aufgestellte Trägerschaft

Getragen und unterstützt wird der mit 3.000 Euro dotierte Ökologiepreis Vinschgau von 8 Vereinen bzw. Organisationen, die jeweils ein Mitglied in die 8-köpfige Jury entsenden. Bei der 10. Ausgabe des Ökologiepreises waren dies Christian Gamper (Alpenverein Südtirol), Andreas Zuegg (Arbeitsgemeinschaft für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise), Anja Matscher (Bioland Südtirol, Sprecherin der Bioland-Viehwirtschaftsgruppe Vinschgau), Patrik Gamper (Bio Vinschgau), Harald Gurschler (Bund Alternativer Anbauer), Stefanie Pratzner (Ethical Banking Raika Prad-Taufers), Franz Fliri (Heimatpflegeverband Südtirol, Bezirk Vinschgau) und Helmut Schönthaler (Umweltschutzgruppe Vinschgau).

Zwei Hotels als Preisträger

Für den 10. Ökologiepreis waren insgesamt 8 Nominierungen eingegangen. Es handelt sich um umweltfreundliche Praxisbeispiele aus dem Vinschgau, die von Jury-Mitgliedern im Beisein bisheriger Preisträger und weiterer Ehrengäste näher vorgestellt wurden. Zu den Preisträgern 2021 hatte die Jury das Bio-Landhotel Anna der Fam. Vill in Schlanders sowie das Hotel LA VIMEA in Naturns, Inhaberin und Betreiberin ist Frau Valeria Caldarelli, auserkoren. „Im Gegensatz zu den allermeisten Hotels und Gastbetrieben im Vinschgau beziehen die Preisträger aus eigener Überzeugung zum überwiegenden Teil regionale und nur biologisch produzierte Produkte“, heißt es in der Begründung. Das Hotel LA VIMEA ist das bisher einziges Vegan-Hotel Südtirols. Eingekauft werden regional und nur biologisch produzierte Produkte. Das Hotel begnügt sich nicht damit, einzukaufen, was der Großhandel an Biolebensmitteln bietet, sondern bevorzugt kurze Transportwege und saisonale Produkte aus der Umgebung. Entsprechend partnerschaftlich und zuverlässig ist auch der persönliche, direkte Kontakt zu den Produzenten aus der Umgebung. Die Familie Posch (Tochter und Schwiegersohn von Frau Caldarelli) hat bereits vor 11 Jahren damit begonnen, schrittweise alle Betriebsbereiche nach ökologischen Kriterien zu gestalten. Dies gilt also nicht nur für die Küche, sondern auch für andere Bereiche. 2016 erfolgte die Gesamtrenovierung des Hotels, wobei nicht nur heimisches Holz, sondern auch biologisch und fair produzierte Textilien, Matratzen, Bettbezüge usw. verwendet wurden. Außerdem ermutigt das Hotel seine Gäste, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Mülltrennung- und Müllvermeidung werden konsequent umgesetzt. Seit 2019 ist Valeria Caldarelli Inhaberin und Betreiberin des Hotels, sie hat den Preis auch entgegengenommen.

Passion, Wissen und Einsatz

Das Landhotel Anna in Schlanders wird von Anna und Erich Vill seit mehreren Jahren mit Passion, Wissen und Einsatz geführt. Der direkte Kontakt zu lokalen Produzenten ist vorbildlich, die über Jahrzehnte konsequent fortgeführte biologische Wirtschaftsweise ebenso.
Einfach und überzeugend aufgrund der eigenen, bodenständigen Art führen Anna und Erich Vill den Betrieb. Die Gäste schätzen die saisonalen, lokalen Speisen und das einfache, natürliche Ambiente. Zum Teil werden hofeigene Bio-Erzeugnisse verwendet. Wenn regional Bioprodukte nicht verfügbar sind, werden diese über das „Biokistl“ bezogen. Auf aufwändige Dekoration, üppige Ausstattungen sowie eigenen Wellnessbereich wird verzichtet und den Gästen die Nutzung bestehender öffentlicher Einrichtungen in der Umgebung empfohlen. Interessierte Gästen bekommen Einblick in den landwirtschaftlichen Betrieb. So fährt Erich seit vielen Jahren mit Hausgästen und Gästen anderer Betriebe mit der Pferdekutsche durch die Obstwiesen in Schlanders, wobei er kompetent Wissenswertes über den biologischen Apfel-Anbau vermittelt. Der gesamte Gästebetrieb ist biozertifiziert. 

Von Bio-Brauerei bis Wiederaufbauprojekt

Vorgestellt wurden auch die Projekte bzw. Initiativen der 6 weiteren Nominierten. Der Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse (VIP) hatte den Gründungsobmann des Vereins Bio Vinschgau, Leonhard Wellenzohn aus Schlanders, vorgeschlagen. Unter seiner Obmannschaft (2000 bis 2020) wuchs die Bio-Anbaufläche von ca. 80 auf 1.075 Hektar. Heute werden über 20% der Obstbauflächen im Vinschgau biologisch bewirtschaftet. Nominiert worden waren auch die Bio-Brauerei von Joseph Gusella, Gabriel Tappeiner und Daniel Tumler in der Industriezone Vetzan, die Kräuterrebellen des Lorenz Borghi und Leander Regensburger (Martell), der 3-Generationen-Familienbetrieb „Kräuterschlössl“ (Goldrain), das Projekt „Umweltbewusste Bearbeitung des Lorenzi-Ackers“ (Naturns) sowie das Wiederaufbauprojekt der Hofstelle Dornackerhof in Prad. Die Wirtschaftsgebäude des Dornackerhofs wurden im September 2020 durch einen Brand vollständig zerstört. Das Wiederaufbauprojekt der Familie Perger vereint viele Aspekte der Nachhaltigkeit. So werden beim Neubau des Stalles und des Stadels lokale Hölzer und Materialien verwendet, die von heimischen Handwerkern verarbeitet und verbaut werden. Der Einsatz von Beton wird auf das Minimum reduziert und es werden neue Wege im Fundamentbau beschritten. Auf weitere Details zu diesem und zu weiteren nominierten Vorhaben und Projekten wird der Vinschger im Laufe des nächsten Jahres zurückkommen.

Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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