Stabübergabe bei der VI.P
Auf Direktor Sepp Wielander folgt Martin Pinzger
Im Bild (v.l.): VI.P-Vizeobmann Alois Alber, der scheidende Direktor Sepp Wielander, Obmann Thomas Oberhofer und der neue Direktor Martin Pinzger.
Der Apfelanbau ist ein wichtiger Faktor im Wirtschaftsgefüge des Vinschgau.

Bewährtes weiterführen und Neues wagen

Zusammenarbeit der Vinschger Obstwirtschaft weiter stärken. An Herausforderungen fehlt es nicht.

Publiziert in 4 / 2019 - Erschienen am 5. Februar 2019

Latsch - 43 Jahre lang hat Sepp Wielander die Vinschger Obstwirtschaft in führender Position mitgeprägt und maßgeblich an Entscheidungen mitgewirkt. „Und das immer mit Engagement und Weitblick“, wie es Thomas Oberhofer, der Obmann des Verbandes der Vinschger Produzenten für Obst und Gemüse (VI.P), am 4. Februar auf einer Pressekonferenz am Sitz der VI.P in Latsch auf den Punkt brachte. Der Direktorenwechsel, der formell Ende März vollzogen wird, stand im Mittelpunkt der Pressekonferenz. Nachfolger von Sepp Wielander wird Martin Pinzger aus Vetzan, Jahrgang 1969. Die VI.P stehe laut Oberhofer seit ihrer Gründung im Jahr 1990 für Anpassungsfähigkeit und Fortschritt auf der einen und für Konstanz auf der anderen Seite. „Und diese zwei Punkte waren auch das maßgebliche Kriterium für die Auswahl des neuen Direktors“, so der Obmann. Martin Pinzger soll demnach „Bewährtes weiterführen und zugleich offen für Neues sein.“ Als Verband mit 7 Mitgliedsgenossenschaften und rund 1.700 Mitgliedsbauern müsse die Führungsperson zudem die Eigenheiten des Genossenschaftswesens kennen und mit ihnen umzugehen wissen. Martin Pinzger, der von 1995 bis 1996 Produktionsleiter der Genossenschaft Mivo war, diese von 1996 bis 2007 als Geschäftsführer führte und seit 2007 bis jetzt als Geschäftsführer der Mivor wirkte sowie auch als Geschäftsfeldleiter für den VI.P-Lebensmittelhandel Italien, sei ein Insider „und bringt alle Voraussetzungen mit sich, um die VI.P in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, so der Obmann weiter. Außerdem sei Pinzger selbst Obstbauer.

Die Kernziele der VI.P

Als Kernziele der VI.P nannte Oberhofer die Produktion eines gesunden Produktes für die Konsumenten, die Sicherung der insgesamt über 700 Arbeitsplätze in den Mitgliedsgenossenschaften und im Verband sowie den Erhalt der Wertschöpfung aus der Obstwirtschaft für die Mitgliedsbauern. Als Meilenstein in der Entwicklung der VI.P bezeichnete der Obmann das zentrale Vermarktungskonzept, das 2007 eingeführt wurde. Auch Sepp Wielander erinnerte in seinem Rückblick auf seine Zeit als VI.P-Direktor - zuvor war er von 1976 bis 1996 Geschäftsführer der Mivo gewesen – an den Aufbau der gemeinsamen Vermarktungsstrategie und an viele weitere positive und erfolgreiche Änderungen und Entwicklungen. Wie schon der Obmann verwies auch Wielander auf die Vorreiterrolle, welche die Vinschger Obstwirtschaft sowohl im Integrierten Anbau als auch im Bio-Anbau schon vor Jahren eingenommen hat und immer noch innehat. Derzeit handle es sich bei rund 20 Prozent der Ernte um Bio-Ware.

Über den Kirchturm hinweg

Während seiner Amtszeit sei viel Überzeugungsarbeit zu leisten gewesen. Wielander: „Es galt, über den eigenen Kirchturm hinweg die Kräfte zu bündeln, mit einer gemeinsamen Verkaufsstrategie aufzutreten und eine zentrale Vermarktung umzusetzen.“ Von seinerzeit 11 Ansprechpartnern bzw. Angeboten im Vinschgau „gab und gibt es seit 2007 nur mehr 1 Angebot für das ganze Tal.“ Das habe die Vermarktung gestärkt. Notwendig geworden sei die Überwindung des Kirchturmdenkens und der gegenseitigen Konkurrenz vor allem auch Hand in Hand mit dem Entstehen der großen Supermarktketten. Als weiteren Arbeitsschwerpunk seiner Amtszeit nannte der scheidende Direktor die Nutzung der EU-Fördermittel für den Verband, um Investitionen zu ermöglichen und den Mut zum fortschrittlichen Handeln im Produktions- sowie im Verarbeitungsprozess zu fördern. Zudem galt es, bei der Sortenerneuerung Schritt zu halten und den biologischen Anbau durch einige Pioniere im Vinschgau zu unterstützen. „Nach so langer Zeit verlasse ich den Direktorenposten natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, so Wielander wörtlich. Weinend, weil er die Befriedung vermissen werde, die es beim Vorlegen zufriedener Bilanzen gegeben habe, und lachend, „weil Martin Pinzger ein bodenständiger Mann mit Handschlagqualität ist, sodass ich und wir alle überzeugt sind, dass er die VI.P als Direktor erfolgreich führen und weiterentwickeln wird.“

Geordnete Übergabe

Wert gelegt hat der Vorstand der VI.P und auch der scheidende Direktor darauf, dass es zu einer gut vorbereiteten und geordneten Stabübergabe kommt. Wie sich der neue Direktor ausdrückte, „könne er ein wohlbestelltes Haus übernehmen.“ Zumal er bereits vor rund einem Jahr als Direktor designiert wurde, habe er genug Zeit gehabt, sich zusammen mit Wielander und dem Vorstand in den neuen Aufgabenbereich einführen zu lassen.

Große Herausforderungen

Wenngleich die Rahmenbedingungen für die Obstwirtschaft insgesamt nicht in allen Bereichen positiv seien - Stichworte Überproduktion in Europa und Konsumrückgang - sieht der neue Direktor grundsätzlich positiv und optimistisch in die Zukunft. Der Erfolg hänge wesentlich von der Bewältigung einiger großer Herausforderungen ab. Eine „absolute Voraussetzung für eine erfolgreiche Weiterentwicklung“ sieht Pinzger in der weiteren Stärkung des Zusammenhalts und der Zusammenarbeit der Vinschger Genossenschaften. Darüber hinaus gelte es, über eventuelle Allianzen nachzudenken, „auch über das Tal hinaus.“ Zudem sei der Erfolg von einem marktgerechten Sortiment abhängig, das den Anforderungen der Kunden entspreche. „Wir müssen sowohl bezüglich Sortenwahl und Anbauweise als auch in Sachen Genussqualität die Erwartungen unserer Konsumenten erfüllen“, so Pinzger. Das klassische Apfelsortiment sei dementsprechend zu steuern, „der Anbau und die Markteinführung neuer Apfel-Sorten und die Förderung der nachhaltigen Anbauweise sind zu stärken.“  Ein Schlagwort, das Pinzger immer wieder nannte, ist die Qualität. Nur mit möglichst hoher Qualität in allen Bereichen werde es der VI.P gelingen, der steigenden Konkurrenz auf dem Markt und dem strukturellen Überangebot bei Äpfeln angemessen Rechnung zu tragen. Außerdem werde der Verband in Zukunft noch stärker gefordert sein, „Märkte und Kunden auf dem globalen Weltmarkt zu finden und diese exzellent zu betreuen.“ Unabdingbar seien in diesem Sinne eine professionelle Kundenbetreuung sowie eine klare Vermarktungsstrategie und Kommunikation der Marke Vinschgau/Val Venosta. Die ganzjährige Verfügbarkeit der Produkte aus integriertem bzw. biologischem Anbau sowie die Förderung der bereits verfügbaren saisonalen Produkte wie Blumenkohl, Kirschen, Beerenobst u.a. müssten als Service-Erweiterung gegenüber dem Kunden genutzt werden. Pinzger verwies auch auf die Vorreiterrolle der VI.P in punkto „technische Innovation, effiziente und schonende Verarbeitung und modernste Verpackungslösungen.“ Diese Position gelte es weiterhin zu stärken. 

Trend hin zu 50% Golden

Im Gespräch der Medienvertreter mit Sepp Wielander, Martin Pinzger, Thomas Oberhofer und VI.P-Vizeobmann Alois Alber wurde eine Reihe von Themen aufgegriffen. Was das Sortiment angeht, so wird der Golden laut Pinzger und Co. auch in Zukunft einen großen und wichtigen Stellenwert beibehalten. Die derzeitige Tendenz gehe dahin, von zurzeit 60% an Golden in Richtung 50% zu arbeiten. Zum Thema Sorten meinte Alois Alber, „dass es grundsätzlich darum geht, die richtige Sorte am richtigen Ort anzubauen.“ Mit dem Bau von Hochregallagern in fast allen Mitgliedsgenossenschaften sei es gelungen, mit der Zeit Schritt zu halten. Welche Vorteile die Hochregallager für die Genossenschaften und letztendlich für die Obstbauern und auch Konsumenten haben, wird bei einem Tag der offenen Tür aufgezeigt werden, den die Genossenschaft JUVAL heuer in Kastelbell plant. Übrigens: Die gesamte Bio-Ernte des Vinschgaus wird ab der Ernte 2019 zwar zu den verschiedenen Genossenschaften gebracht und eingelagert, aber die Sortierung und Verpackung der Bio-Äpfel werden ausschließlich in der Genossenschaft JUVAL erfolgen. Die Äpfel aus dem Integrierten Anbau im Einzugsgebiet der JUVAL werden im Gegenzug in anderen Genossenschaften sortiert und verpackt. Am Sitz der VI.P sind derzeit Zubauarbeiten im Gang. Zusätzlich zu den 32 Angestellten, die dort arbeiten, werden in Zukunft auch jene acht Personen dort beschäftigt sein, die derzeit noch im Bio-Bereich in der Mivor ihren Dienst verrichten.

Josef Laner
Josef Laner
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