„Für uns ist die ‚Hölle’ wirklich die Hölle“
Die „Hölle“ (der Pfeil zeigt auf den Eingang) liegt direkt in der Wohnzone„Urtl Anger“

Bewohner fordern rasche Aussiedlung der Disco

Publiziert in 37 / 2008 - Erschienen am 22. Oktober 2008
Schlanders – Eines schnell vorweg: Gegen eine Diskothek an und für sich hat niemand etwas einzuwenden, wenn sich die ­Disco aber mitten in einem Wohngebiet befindet, wird es happig. „Mehr als happig, für uns ist die Disco ‚Hölle’ buchstäblich die Hölle“, beklagen sich die Bewohner der Wohn­zone „Urtl Anger“ in ­Schlanders. Über 30 Familien sind betroffen. von Sepp Laner Im August 2007 hatte Landeshauptmann Luis Durnwalder die Sperrstunde auf 1 Uhr vorverlegt. „Nachdem die Be­wohner der Wohnbauzone ‚Urtl Anger’ für kurze Zeit in den Genuss einer ungestörten Nachtruhe gekommen waren, mussten sie nun mit Entsetzen feststellen, dass mit Er­mächtigung vom 9. Jänner 2008 die Sperrstunde neuerlich auf 2 Uhr verlängert wurde, was wiederum die Besucher aller anderen schließenden Lokale anzieht. Somit beginnt sich unser ‚Höllenrad’ wieder zu drehen.“ So haben die Bewohner der Erweiterungszone ihre Sorgen im Februar 2008 in einem Schreiben an den Landes­hauptmann, an das Amt für Verwaltungspolizei und an den Schlanderser Bürgermeister ­Johann Wallnöfer formuliert. Der Pächter der „Hölle“, Hubert Frischmann, hat gegen die Ermächtigung des Landeshauptmannes, wonach die Disco nur bis 1 Uhr bzw. bis 2 Uhr an Freitagen und Samstagen geöffnet bleiben darf, rekurriert. „Das Verwaltungsgericht hat meinen Rekurs kürzlich angenommen, sodass jetzt auch für die ‚Hölle’ dieselbe Sperrstunde gilt wie für alle Diskotheken im Land, nämlich 3 Uhr“, bestätigte Frischmann dem „Vinschger“. Er wolle nicht mehr als alle anderen, „sondern nur das, was mir zusteht“. Für die Bewohner der Erweiterungszone, die es seit rund 30 Jahren gibt, hat sich die Lage aufgrund der Annahme des Rekurses weiter verschlechtert. So richtig zu spüren bekommen die betroffenen Familien des „Urtl Angers“ die nächtlichen Ruhestörungen seit Ende 2006 bzw. Anfang 2007. Kurz zuvor war nämlich der Zugang zur Disco im Zuge des Baus neuer Geschäfte (Frischecenter ­Rungg usw.) von der Hauptstraße auf die gegenüberliegende Seite verlegt worden, also in unmittelbare Nähe der Wohnungen des Wohnbauinstituts. Wie ­mehrere Bewohner dem „Vinschger“ bestätigten, habe es bei einem Treffen zwischen den Eigentümern des Gebäudes und den Anrainern zwar geheißen, dass der neue Zugang nicht unbedingt die definitive Lösung sein müsste („schauen wir zunächst, wie sich die Lage entwickelt“), doch mittlerweile ist der neue Zugang ein Fixum. Die Disco wurde außerdem mit beträchtlichem Kostenaufwand umgestaltet und erneuert. So gut wie verflogen sind inzwischen auch die Hoffnungen auf einen kurzfristigen, neuen ­Disco-Standort fernab von Wohngebieten. Die Familien der Wohnzone „Urtl Anger“, die nun schon seit zwei Jahren verzweifelt – und bisher leider vergeblich - für ihr Recht auf Nachtruhe kämpfen, sind aber keineswegs gewillt, die Waffen zu strecken und auf ihr Recht zu verzichten. „Wir hatten seinerzeit so sehr gehofft, dass im Neubau keine ­Diskothek mehr entstehen würde, aber leider haben die Interessen ­einer Einzelperson die Gemeindeverwaltung mehr überzeugt als die Probleme und Anliegen einer ganzen Siedlung“, heißt es in einem neuerlichen Bitt- und Protestschreiben an den Landeshauptmann. Die Klagen der betroffenen ­Familien sind begründet und wohl kaum von der Hand zu weisen. Zusätzlich zum teils ohrenbetäubenden Lärm, den Disco-Besucher vor dem Tanzlokal bis in die frühen Morgenstunden hinein verursachen, sind auch Beschmutzungen und Vandalenkate in Privatgründen nicht selten. Hinzu kommt noch der Lärm der Shuttle-Busse. „Und wenn alle diese Lärmbelästigungen vorbei sind, kommen schon die ersten Zulieferer mit den ­Waren für das Geschäft“, ärgern sich einige Betroffene. Es sei den Bewohnern der Zone „Urtl Anger“ nicht zuzumuten, „dass wir nachts nicht schlafen können, schließlich müssen auch wir am nächsten Tag zur Arbeit gehen und die Kinder müssen in die Schule.“ Auch für ältere und kranke Menschen seien die nächtlichen Ruhestörungen nicht mehr länger tragbar. Im Schreiben an Luis Durnwalder fordern die Bewohner eine rasche Aussiedlung der Disco. Bis dahin sollten die Sperrstunde unwiderruflich auf 1 Uhr vorverlegt und der Eingang auf die Rückseite des Gebäudes verlegt werden, wie das früher der Fall war. Der derzeitige Eingang sollte nur mehr für Notfälle dienen und für Discobesucher mit Behinderungen. Auch schärfere Kontrollen seitens der Ordnungshüter werden gefordert. Die Bewohner der Wohnzone wollen sich nicht länger als „Bürger zweiter Klasse“ fühlen, deren Lebensqualität derart stark eingeschränkt wird. Hubert Frischmann: „Ich will nur das, was mir ­zusteht“ Die Diskothek „Hölle“ gibt es schon seit sehr langer Zeit, sagt deren Pächter Hubert Frischmann. Er habe schon seit jeher gegen viele Probleme ankämpfen müssen. So sei die Disco in der Vergangenheit einmal sogar für 3 Monate geschlossen worden. Weiters habe der Landeshauptmann auf Druck einiger Anrainer und der Gemeinde die Sperrzeiten mehrfach vorverlegt. Dafür bringt Hubert Frischmann kein Verständnis auf: „Alle Diskotheken im Land dürfen bis 3 Uhr offen halten, und warum soll das nicht auch für mich gelten? Ich will nur eine Gleichbehandlung und für diese hat kürzlich das Verwaltungsgericht gesorgt, und zwar endgültig.“ Außerdem sei die „Hölle“ nur an vier Tagen in der Woche geöffnet. Die Diskothek sei mittlerweile erneuert und behindertengerecht umgestaltet worden. Frischmann: „Derzeit ist bei uns fast nichts los, weil zurzeit die Disco in Latsch der große Renner ist. An manchen Wochenenden haben wir nur rund 50 Leute pro Tag im Lokal. Es wird ein bis zwei Jahre dauern, bis wir das, was wir in den vergangenen Jahren wegen Schließungen und verkürzter Öffnungszeiten verloren haben, wieder werden wettmachen können.“ Für das, was außerhalb der Disco abläuft, sei er als Pächter nicht zuständig und verantwortlich, wenngleich er alles unternehme, um die Be­sucher zu einem ruhigen Verhalten anzuregen. Für die Klagen der Bewohner der Zone „Urtl Anger“ bringt Frischmann wenig Verständnis auf: „In dieser Zone gab es einst eine Weinstube, die ebenfalls abends lange geöffnet war. Da hätte man schon früher nachdenken sollen, und zwar noch bevor man dort ­Sozialwohnungen baute. Warum hat man die Wohnungen nicht anderswo errichtet? Und wenn ich nachts schlafen will, muss ich eben die Fenster schließen, und nicht immer neue Protest­schreiben an den Landeshauptmann ­schicken.“ Bürgermeister Johann Wallnöfer: „Aussiedlung ist die einzige Möglichkeit“ Das Thema „Diskothek ‚Hölle’ und lärmbelästigte Anrainer“ ist alles eher als neu. Bereits unter der früheren Gemeindeverwaltung war dieses Thema ein Dauerbrenner. Dies hat sich auch unter Bürgermeister Johann Wallnöfer, der seit 1995 im Amt ist, nicht geändert. Mehrfach hätten sich Anrainer laut Wallnöfer bei der Gemeindeverwaltung beschwert. Es habe des Öfteren Aussprachen mit der Gemeinde, dem Pächter und den Anrainern gegeben. Der Pächter sei mehrfach aufgefordert worden, das Problem in den Griff zu kriegen, was allerdings nicht gelungen sei, sodass es immer wieder zu Protest­briefen an die Gemeinde und auch an den Landeshauptmann kam. Dieser habe reagiert, indem er zeitweise ­Schließungen verordnete und die Öffnungszeiten einschränkte. Der Bürgermeister stellt aber auch unmissverständlich fest, dass der Pächter nur für das, was sich innerhalb der Disco abspielt, verantwortlich ist, und nicht für das, was die Besucher außerhalb des Lokals treiben. Für die neuerlichen Klagen seitens der Bewohner der Zone „Urtl Anger“ habe die Gemeinde vollstes Verständnis. Wallnöfer: „Wir haben den Landeshauptmann erst kürzlich über die Missstände informiert. Er sicherte zu, neuerlich einzuschreiten, sobald ihm weitere Dokumentationen bzw. Protestbriefe vorliegen.“ Die einzige, dauerhafte Lösung des Problems sieht der Bürgermeister in der Aussiedlung der Diskothek. Schon vor einigen Jahren habe die Gemeinde daher am östlichen Dorfrand eine Zone für eine Diskothek ausgewiesen. Zum Bau einer Diskothek ist es auf dem so genannten Tschenett-Areal bisher aber nicht gekommen. Und wird es so schnell auch nicht kommen, denn wie der Eigentümer dieses Areals, Christian Pircher, dem „Vinschger“ bestätigte, hat sich bisher leider niemand gefunden, der den Grund kaufen und eine Diskothek bauen möchte. Die Gemeinde und auch er hätten zwar versucht, Hubert Frischmann für diesen Schritt zu überzeugen, doch dieser habe sich dazu nicht bewegen lassen. Laut Christian Pircher sind die Zeiten für den Neubau einer Diskothek nicht gerade gut. Er selbst könne keine Disco bauen, wäre aber gerne bereit, den Grund dafür zu verkaufen: „Es braucht mir nur einer zu sagen: Ja, ich will. Der richtige Mann dafür wäre nach wie vor Hubert Frischmann.“ Zumal dieser aber offensichtlich voll auf die „Hölle“ eingeschossen ist, werden die Bewohner der Wohnbauzone „Urtl Anger“ das „Höllenrad“ vorerst wohl nicht endgültig loswerden. Und vorerst nicht „befreien“ werden sich auch die ­Gemeinde und der Landeshauptmann können, denn was die Be­wohner einfordern, ist keine „Kleinigkeit“, sondern das elementare, gesetzlich verbriefte Recht auf Nachtruhe.
Josef Laner
Josef Laner

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