Der Vinschgau erwartet den „Tross in Rosa“

Publiziert in 18 / 2013 - Erschienen am 15. Mai 2013
Zwei Etappen des Giro d‘Italia 2013 führen durch den Vinschgau. „Wir wollen uns von der besten Seite zeigen“ Vinschgau/Bozen - Es war am 27. Mai 1995, als eine Etappe des Giro d’Italia im Schnalstal endete. 2005 rollte der Giro-Tross übers Stilfserjoch, allerdings ohne Etappe im Vinschgau. Beim heurigen Giro aber spielt der Vinschgau mit zwei Etappen eine Hauptrolle. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die Entscheidung darüber, wer den Giro 2013 gewinnt, am Freitag und Samstag, 24. und 25. Mai, fällt. Die Etappe, die am 24. Mai in Hintermartell endet, führt über das Stilfser­joch, und die Etappe, die am Tag nachher in Schlanders gestartet wird, führt über 5 Dolomitenpässe zu den Drei Zinnen, wo sie in Misurina im Bellunesischen endet. Das Ziel der letzten Etappe am 26. Mai ist Brescia. Große Herausforderung, aber auch große Chance Die Organisation der zwei Vinschger Etappen ist eine gewaltige Herausforderung, speziell für die Gemeinden Martell und Schlanders, für „Vinschgau Marketing“, die betroffenen Tourismusver­eine und das gesamte OK-Team mit Matthias Tschenett an der Spitze. Anderseits bietet die Austragung der zwei Etappen dem Vinschgau die Möglichkeit, sich von seiner besten Seite zu zeigen, und das nicht nur vor den über 200 Radprofis samt Anhang, hunderten von Journalisten, tausenden von Zuschauern, sondern auch vor Millionen von Menschen, die den Giro vor dem Bildschirm und in anderen Medien in Italien und weit darüber hinaus mitverfolgen. Das ganze Tal als Schaufenster „Der Vinschgau ist mit seiner Landschaft, seiner Natur und seinen Qualitätsprodukten wie es etwa die Vinschger ­Äpfel sind, eines der schönsten Täler Südtirols,“ sagte Landeshauptmann Luis Durnwalder am 8. Mai bei der Vorstellung der Vinschger Giro-Etappen im Parkhotel Laurin in Bozen. „Wir haben in Südtirol 500 km an Radwegen angelegt,“ erinnerte Durnwalder. Das Radwegenetz, speziell jenes im Vinschgau, werde von Jung und Alt sowie von Gästen und Einheimischen gleichermaßen genutzt. Abgesehen vom rein sportlichen Aspekt sei von den Vinschger Giro-Etappen auch ein großer Werbeeffekt zu erwarten, vor allem für den Tourismus, aber auch für Qualitätsprodukte im Vinschgau und die Wirtschaft insgesamt. OK-Chef Matthias Tschenett, die Bürgermeister von Martell und Schlanders, Georg ­Altstätter und Dieter Pinggera, die Präsidenten der Tourismusvereine Schlanders-Laas und Latsch-Martell, Karl Pfitscher und Günther Pircher, sowie „Vinschgau Marketing“-Direktor Kurt Sagmeister stellten das Programm vor und sicherten zu, dass alle Beteiligten und Freiwilligen bemüht sind, an diesen zwei Tagen das Beste zu geben, um den Vinschgau von seiner schönsten Seite zu präsentieren. Am 24. Mai rollt der Giro auch durch Laas und am 25. Mai zudem durch Latsch und Naturns Die Etappe vom 24. Mai führt von Ponte di Legno über den Passo Gavia nach Bormio, übers Stilfserjoch nach Prad, weiter nach Schlanders und Goldrain bis in den Talschluss von Martell. Das Stilfserjoch wird zwischen 14.30 und 15.30 Uhr passiert. Bei der Fahrt durch Laas ist eine Zwischensprintwertung vorgesehen. Eine weitere Zwischensprintwertung („Mela Val Venosta”) ist im Anschluss an die Fahrt durch Schlanders vor der Einfahrt zum Gewerbegebiet ­Vetzan geplant. In Hintermartell wird der Giro-Tross zwischen 16.30 und 18.00 Uhr erwartet. Die Sieger­ehrung erfolgt im Zielgelände. In Schlanders wird am 24. Mai auf dem Kulturhausplatz das „Giro Dorf“ aufgebaut. Von 17 Uhr bis Mitternacht ist in der Fußgängerzone eine große „Giro Party” angesagt. Am 25. Mai ab 9 Uhr erfolgen auf dem Kulturhausplatz in Schlanders die Registrierung der Fahrer und die Preisverleihung der ­Zwischensprintwertung „Mela Val Venosta”. Gestartet wird um 10.55 Uhr am Sparkassenplatz. Der Giro verläuft durch die Fußgängerzone, weiter nach Goldrain, durch Latsch und Naturns und ab in Richtung Meran und Bozen. Einschränkungen Auch mit Einschränkungen ist am 24. und 25. Mai und zum Teil auch davor zu rechnen. Die Straßen entlang der Routen werden in der Regel zwei Stunden vor der Durchfahrt gesperrt und nach dem Passieren des letzten Fahrers wieder geöffnet. In Martell, wo es wenige Parkmöglichkeiten gibt, werden die ­Straßen am 24. Mai spätestens ab 13.00 Uhr für jeglichen Verkehr gesperrt und gegen 21.00 Uhr wieder geöffnet. Die Parkplätze im hinteren Martelltal werden bereits am 22. Mai abends gesperrt. Das Gleiche gilt für das Biathlonzentrum. Beim Freizeitzentrum „Trattla“ werden die Parkplätze ab dem 23. Mai abends gesperrt. In Schlanders werden ab dem Abend des 23. Mai mehrere Parkplätze gesperrt, weitere am 24. Mai im Ortszentrum. Am 24. Mai werden ab 9 Uhr Shuttlebusse zwischen dem Bahnhof Goldrain und Martell (Grogg Alm) verkehren. Von 11 bis 14 Uhr fahren die Busse nur mehr bis „Trattla“. Die SAD-Busse fahren am 24. und 25. Mai das Ortszentrum von Schlanders nicht an, sondern lediglich die Haltestelle am Bahnhof. Was kostet das Ganze? Die Gesamtkosten der zwei Vinschger Etappen bezifferte Dieter Pinggera mit rund 250.000 Euro. Das Land zahlt 100.000 Euro, die Vinschger Gemeinden - inklusive der Gemeinde Naturns - 50.000 Euro. Ebenfalls 50.000 Euro stellen alle Vinschger Tourismusvereine bereit, den Löwenanteil die Vereine ­Schlanders-Laas und Latsch-Martell. Eine großzügige Unterstützung als Hauptsponsoren leisten die VI.P (Verband der Vinschgauer Produzenten für Obst und Gemüse) und die Brauerei Forst sowie zahl­reiche weitere Sponsoren. Hohe Erwartungen Der OK-Chef Matthias ­Tschenett erwartet sich von den Vinschger Giro-Etappen eine kurzfristige Wertschöpfung (Übernachtungen, Gastronomie usw.) in Höhe von ca. 1,8 Mio. Euro, mittelfristig sollen es ca. 4 Mio. sein. Der Werbeeffekt, von dem man ausgeht, sei unbezahlbar. Es werden über 1.000 akkreditierte Journalisten und 22 Fernsehstationen berichten. Es werden 325 Stunden an Übertragungszeit in Fernsehsendern erwartet, über 500 Fotografen und vor allem etliche Millionen Fernsehzuschauer. Vor Ort rechnet Tschenett mit ca. 5.000 Zuschauern, „wenngleich RCS Sport als Organisator von über 20.000 ausgeht.“ Ausnahmezustand Auf die Frage, was sie den Bürgern antworten, die sich über die Einschränkungen während der „Giro-Zeit“ beklagen, meinten Pinggera und Altstätter: „Ohne be­stimmte Einschränkungen können solche Ausnahme-Veranstaltungen leider nicht bewältigt werden. Die Einschränkungen, für die wir um Verständnis ersuchen, liegen in keinem Vergleich zu all dem Positiven, was der Giro für den Vinschgau bringt.“ Allein für den Auf- und Abbau der „Giro-Einrichtungen“ werden ca. 500 Personen erwartet. Kurt Sagmeister sieht in den Vinschger Giro-Etappen eine einmalige Gelegenheit, den Vinschgau als weitum einzigartige Fahrrad-Destination einem weltweiten Publikum bekannt zu machen. Was sich alle wünschen, ist ein schneefreies Stilfserjoch und schönes Wetter. Sollte das Stilfserjoch zugeschneit sein, gibt es zwar einen Plan B, doch daran will zunächst keiner denken. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

Diese Seite verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Lesen Sie unsere Cookie-Richtlinien für weitere Informationen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden.