Der Fahrplan steht - Der Vinschger Zug rollt an

Der Zug kommt angerollt

Publiziert in 2 / 2005 - Erschienen am 3. Februar 2005
[F] Ob er kommt, ist keine Frage mehr. Wie er fährt, interessiert. Der voraussichtliche Fahrplan und die Tarifpläne liegen dem “Vinschger” exklusiv vor. Was noch fehlt, sind die Daten für die Zubringerdienste aus den Tälern und vom Reschenpass her. Aufgrund von Pendlerananlysen wird daran gebastelt. von Erwin Bernhart [/F] Von den überregionalen Intercitys haben viele einen Namen: “Leonardo da Vinci” heißt einer, ein anderer “Michelangelo”, die Österreicher nennen einen ihrer Schienenflitzer “Wiener Philharmoniker”. Der Vinschger Zug hat noch keinen Namen. Wie wär´s mit “Hans Dietl”? Darüber, dass der Vinschger Zug wieder fahren wird, gibt es wohl keine Zweifel mehr. Das Datum ist genannt: Am 5.5.05 soll die Jungfernfahrt sein. Einprägsames Datum und ein Donnerstag. Haben Techniker und die politisch Verantwortlichen lange Zeit die Öffentlichkeit in der Zugsache mehr oder weniger gescheut, geht nun der Knopf auf. Betriebskosten Schließlich sind die rund 116 Millionen Euro, die in das Projekt Vinschger Bahn bisher investiert worden sind, kein Pappenstiel. “Andere Teile des Landes sind dem Vinschgau wegen der neuen Bahn neidisch,” sagt Verkehrs-Landesrat Thomas Widmann. Die bereits investierten Millionen sind eines. Etwas anderes sind die erwarteten Betriebskosten. Bislang wurden für den öffentlichen Verkehr im Vinschgau rund 5 Millionen Euro jährlich ausgegeben. In Zukunft, mit der Bahn und mit den ausgebauten Zubringerdiensten, wird die Struktur rund 10 Millionen Euro im Jahr kosten. Nur durch eine gute Auslastung können diese Kosten niedriger gehalten werden. “Der öffentliche Nahverkehr kann niemals kostendeckend betrieben werden,” stellt Widmann fest. Dass für eine gute Auslastung die Vinschger Bevölkerung, wie auch immer diese den Zug annehmen wird, zu wenig ist, darüber sind sich die Betreiber einerseits und die geldgebende Politik andererseits im Klaren. Zuständig auch als Landesrat für Tourismus werden von Widmann die Urlauber als Auslastungsfaktor angepeilt. Vor allem aus dem Burggrafenamt sollen die Gäste den Zug rege nutzen. Zwei Fliegen sollen damit mit einer Klappe geschlagen werden: die Auslastung des Zuges und eine touristische Aufwertung für den Vinschgau. Stimmung Ab nun wird massiv Stimmung für den Zug gemacht. Und es muss gelingen, die Funken der Begeisterung für den Zug auf die Vinschger Bevölkerung überspringen zu lassen. “Ein Traum wird wahr,” hat der Vinschger Landesrat Richard Theiner bei der Vorstellung der Bahn am vergangenen Freitag in Latsch vor selten in dieser Anzahl im Vinschgau versammelten Journalisten gesagt. Das wird man ihm glauben. Denn er hat sich, mit anderen, in den vergangenen Jahren vehement für die Wiederinbetriebnahme der Bahn eingesetzt. “In anderen Teilen Europas werden Bahnstrecken abgebaut. Bei uns ist das umgekehrt,” sagen Theiner und Widmann unisono. Widmann will die Vinschger Bahn als “Leitprojekt der modernen Südtiroler Verkehrspolitik” etablieren. Dabei wird mit Superlativen argumentiert: modernste Diesel-Elektrolok-Triebwagen; innovative “Y-Schwellen”, erstmalig in Italien; die weitum und möglicherweise europaweit billigsten Tarife, um nur einige der Superlative zu nennen. Leitprojekt Was nicht zu übersehen ist, ist der arge Zustand eines Großteils der Bahnhöfe. Auch da soll Abhilfe geschaffen werden. Sobald es die Witterung zulässt, sollen die maroden Bahnhöfe auf Vordermann gebracht werden. Manche Gemeinden seien da säumig, gibt Widmann den nicht zu überhörenden Befehl an die Gemeindeverwalter, die Bahnhöfe schleunigst zu sanieren. Verlotterte Bahnhöfe passen nicht in die derzeitige Sprachregelung über den Vinschger Zug, schon gar nicht zum Image eines Leitprojektes. Ein nicht zu unterschätzender Unsicherheitsfaktor besteht allerdings noch: die Vinschger. Das klingt auch bei diversen Reden und Ansprachen immer wieder als Anhang durch. Werden die Vinschger den Zug annehmen und benutzen? Tatsächlich leisten mehrere Gruppierungen im Vinschgau Vorarbeit, um den Zug der Bevölkerung möglichst schmackhaft zu machen. Andere, wie die Tourismustreibenden, halten sich da noch vornehm zurück. Dass man im Vergleich zum Bus mit der Vinschgerbahn von Mals nach Meran an die 40 Minuten einspart, ist zwar für die derzeitigen Busfahrer ein Argument. Ob´s bei den Autofahrern zieht, bleibt fraglich. Es wird in den nächsten Wochen nicht mehr um die Frage gehen, ob er denn wirklich fährt, der Zug, sondern wie er fährt. Bisher fehlten die Fahrpläne und die Tarife. Mit dem dem “Vinschger” vorliegenden Fahrplan (rechts) kann die Vinschger Bevölkerung den eigenen Rhythmus mit dem Zug abstimmen. Bis zum Mai vorerst gedanklich. Die Tarife Hapern tut´s noch mit den Tarifen. In Widmanns Ressort liegen bislang nur Gedankenspiele vor. Ginafranco Jellici, Widmanns Ressortdirektor hat in einem internen Papier die Zugtarife an die derzeitigen Bustarife angepasst. Für den in Zukunft von der SAD geführten Zug ist es nicht so einfach, in das Tarif-Verbundsystem einzutreten. Beim Bus wird derzeit genau nach Kilometern abgerechnet. Der Zug fährt eine andere Route. An die 12 Euro könnte so eine normale Fahrt von Meran nach Mals und zurück kosten. Mit Wertkarte käme nach dem “Jellici-System” die Hin- und Rückfahrt von Meran-Mals auf etwas mehr als 8 Euro. Ab der 6. nicht übertragbaren Wertkarte zu 10 Euro wird von einem Abonnement der zweiten Serie gesprochen. Damit würde sich die Hin- und Rückfahrt Meran-Mals auf rund 1,5 Euro belaufen. Und im ermäßigten Abonnement der zweiten Serie, welches nach der 7. nicht übertragbaren Wertkarte Anwendung findet, kostet Meran-Mals hin und retour 0,79 Euro. Die endgültigen Tarife müssen allerdings erst noch besprochen und dann genehmigt werden. Die Richtung dafür ist klar: Wer viel Zug fährt, zahlt immer weniger.
Erwin Bernhart

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