Hilfe zum Leben
Rückblick und Vorschau im Haus Slaranusa
Johanna Stecher
Gruppenbild im Anschluss an die Vollversammlung und Neuwahl des Vorstandes der Lebenshilfe Vinschgau

Ein Haus voller Leben

Im Mittelpunkt steht das Wohl der Menschen mit Beeinträchtigung.

Publiziert in 37 / 2019 - Erschienen am 29. Oktober 2019

Schlanders - Das große Anliegen des Verbandes der Lebenshilfe ist es, Menschen mit Beeinträchtigung in allen Lebenslagen in ihrem Bestreben nach einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen. Dass die Lebenshilfe Vinschgau diesem Anspruch durchaus gerecht wird, zeigte sich am 25. Oktober bei der Vollversammlung im Haus Slaranusa. Die scheidende Präsidentin Johanna Stecher wartete einleitend mit einem Tätigkeitsbericht des Vorstandes der vergangenen drei Jahre auf. Der Vorstand leistete in diesem Zeitraum rund 200 ehrenamtliche Stunden. Als eines der zentralen Themen nannte Stecher das Wohnen: „Es ist uns gelungen, eine Wohnung des Wohnbauinstitutes im Holzbruggweg zu übernehmen. Die Wohngemeinschaft im Dorf kann somit renoviert und umgebaut werden.“ Immer wieder beschäftigt habe den Vorstand die finanzielle Situation: „Die Lebenshilfe Vinschgau konnte in den letzten Jahren immer eine positive Bilanz aufweisen.“ Einen großen Dank zollte sie dem gesamten Mitarbeiterteam sowie allen Betrieben, Einzelpersonen und privaten Vereinigungen, welche die Lebenshilfe Vinschgau auf verschiedenste Art unterstützen. Auch dank dieser Unterstützung und Hilfsbereitschaft gelinge es immer wieder, „trotz schwindender finanzieller Mittel die Dienste im Haus Slaranusa zu erhalten, auszubauen und sie im Sinne der Menschen mit Behinderung zu organisieren.“

Neuer Vorstand

Der neue Vorstand wurde per Akklamation gewählt. Die Präsidentin hatte angekündigt, nach 15 Jahren Platz für neue Ideen und Impulse machen zu wollen. Nicht mehr der Wahl gestellt hatten sich auch Monika Wunderer, Irene Steiner und Helmut Haller. Weiterhin im Vorstand mitarbeiten werden Lukas Graiss, Sieglinde Gufler, Margareth Kainz, Dieter Pinggera, Emma Pinzger und Gerda Platzgummer. Neue Vorstandsmitglieder sind Claudia Meraviglia, Martha Pobitzer und Andreas Tschurtschenthaler.

10 Gruppen im Arbeitsverbund

Von einem „ganz schön vollen und bunten Haus“ berichtete Martin Nagl, der seit 2 Jahren den Arbeitsverbund leitet. Derzeit arbeiten 48 Menschen mit den unterschiedlichsten Beeinträchtigungen im Arbeitsverbund, die von einem 17-köpfigen Team betreut werden. 6 Personen im Service kommen dazu. Gearbeitet wird in insgesamt 10 Gruppen. Die Palette reicht von der Tischlerei, Korbflechterei, Näherei, Weberei und Wachsgießerei bis hin zu Dienstleistungsgruppen für externe Auftragsarbeiten. Eine Gruppe führt in der Firma HOPPE in Laas Montagearbeiten durch, eine weitere Gruppe ist im Auftrag der Gemeinde Schlanders für verschiedene Dienstleistungen in der Instandhaltung und Reinigung von Spielplätzen und Parkanlagen zuständig. Diese Gruppe ist derzeit nicht im Einsatz, wird im neuen Jahr aber wieder aktiviert. Bereits 2017 konnte eine Kooperation mit der Firma „Kräuterrebellen“ vereinbart werden. Dieses Unternehmen erzeugt im Martelltal Teekräuter, die in einem eigenen Verpackungsraum der Lebenshilfe abgefüllt, etikettiert und versendet werden. Mehrfach gedankt wurde allen öffentlichen und privaten Partnern der Lebenshilfe: Bezirksgemeinschaft, Werkstatt Prad, Gemeinde Schlanders, Hauspflegedienst, Hauskrankenpflegedienst, Psychologischer Dienst, Integrierte Volkshochschule IVHS, Schulen, Amt für Menschen mit Behinderung, Firmen, Betriebe usw. 

Wohnraum für 29 Personen

Auf die Entwicklung im Bereich Wohnen blickte Wilfried Kaserer zurück, der die Wohngruppen bzw. die Wohngemeinschaften der Lebenshilfe leitet. Derzeit befinden sich 4 familiäre Wohneinheiten im Haus Slaranusa. In den Wohngemeinschaften leben zwischen 3 und 6 Personen mit Beeinträchtigung. Jede bzw. jeder hat sein Einzelzimmer, auf Wunsch auch Doppelzimmer mit Bad. Die Dienste für die insgesamt 20 Menschen in den Wohngemeinschaften umfassen den Früh-, Nachmittags-, Nacht- und Bereitschaftsdienst. An den Wochenenden und Feiertagen, wenn die Werkstatt geschlossen ist und die Bewohner nicht zur Arbeit gehen, werden sie ganztägig betreut. Es werden Ausflüge organisiert, Spaziergänge und andere Freizeitaktivitäten. „Die Nachfrage im Bereich Wohnen ist in letzter Zeit stetig gestiegen“, sagte Kaserer.  Es hat sich sogar eine Warteliste gebildet: „Weil die Kapazität im Haus voll ausgeschöpft ist und es sinnvoll ist, auch nach außen zu gehen, haben wir beschlossen, die bestehende Wohnung im Dorfzentrum zu renovieren und neu zu gestalten und eine weitere Wohnung in Schlanders anzumieten.“ Es handelt sich um die bereits erwähnte Wohnung im Holzbruggweg. Die Firma Kunter aus Prad hat in dieser Wohnung übrigens als Spende an die Lebenshilfe eine zweite Nasszelle neu eingerichtet. In der Wohnung leben seit dem 15. Oktober zwei Bewohnerinnen, die bisher in der WG im Zentrum wohnten. Am 1. November ziehen zwei weitere Personen ein. Dank des zusätzlichen Wohnungsangebotes sei es laut Kaserer gelungen, „die Warteliste auf das Minimum zu reduzieren und der großen Nachfrage an Wohnplätzen gerecht zu werden.“ Übernommen hat die Lebenshilfe Vinschgau im heurigen Jahr zudem die Führung der Wohngemeinschaft „Phönix“ in Meran. Insgesamt bietet die Lebenshilfe derzeit 29 Personen mit Beeinträchtigung Wohnmöglichkeiten. Betreut und begleitet werden sie von einem 27-köpfigen Mitarbeiterteam, wobei viele in Teilzeit arbeiten.

Freiwillige willkommen

Zusehends gefragt und erwünscht ist laut Bereichsleiter Georg Horrer die freiwillige Mitarbeit im Bereich Wohnen. Alle, die Lust und Zeit haben, mit den betreuten Menschen einen Spaziergang zu unternehmen, sie bei Einkäufen zu begleiten oder mit ihnen die Freizeit zu verbringen, können sich im Haus Slaranusa in der Dr.-Karl-Tinzl-Straße melden (Tel. 0473 746676). Als Schwerpunktthema der Lebenshilfe auf Landesebene nannte der Geschäftsleiter Wolfgang Obwexer in seinen Grußworten das „Personenzentrierte Arbeiten“. Ziel sei es, Personen nicht losgelöst von ihrem Umfeld und als Problem zu sehen, sondern sie zu integrieren. Obwexer lobte die Zusammenarbeit der Lebenshilfe Vinschgau im Landesverband und dankte dem bisherigen und neuen Vorstand. Weiter entwickelt werden sollte im Vinschgau die Sportgruppe. Gruß- und Dankesworte im Namen der Gemeinden Schlanders, Prad und Kastelbell-Tschars überbrachten die Referenten Dunja Tassiello, Udo Thoma und Reinhard Verdross. Detail am Rande: der große Weihnachtsmarkt der Lebenshilfe findet heuer am 1. Dezember von 9 bis 17 Uhr statt.

Josef Laner
Josef Laner

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