Gastgewerbe in Corona-Zeiten
Schwierigkeiten, Herausforderungen und Hoffnungen
Martin Pirhofer
HGV-Gebietsobmann Karl Pfitscher
Sich endlich wieder in bzw. auf Terrassen von Bars, wie hier beim Cafe Rosi in Laas, treffen: Langsam läuft das gesellschaftliche Leben wieder an. Eine Regel besagt jedoch, dass maximal 4 Personen an einem Tisch sein dürfen. 
Gerald Burger, Geschäftsführer der Ferienregion Reschenpass

Endlich wieder arbeiten im Gastgewerbe

Offene Lokale, Corona-Pass und die Hoffnung auf den Sommer: Das Vinschger Gastgewerbe in Zeiten der Pandemie.

Publiziert in 16-17 / 2021 - Erschienen am 13. Mai 2021

VINSCHGAU - „Die Situation ist nach wie vor schwierig. Zumindest aber darf man arbeiten“, sagt Karl Pfitscher, der Gebietsobmann des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) im Vinschgau, im Gespräch mit dem der Vinschger. Mit 26. April durften Bars und Restaurants wieder öffnen. Unter vielen Bedingungen, wie etwa dem sogenannten Südtiroler Corona-Pass. Nur wer einen solchen besitzt, darf im Inneren eines Lokals bedient werden. Dieser Corona-Pass wird vom Sanitätsbetrieb oder anderen ermächtigten Gesundheitseinrichtungen ausgestellt und bescheinigt einen negativen Test, eine vollständige Impfung oder die Genesung nach einer Coronavirus-Infektion. Wie kürzlich klargestellt wurde, müssen auch die Gastwirte diesen Corona-Pass kontrollieren. „Die Personen, die Aktivitäten ausüben, die dies vorsehen, müssen sich die besagte Bescheinigung vorzeigen lassen“, heißt es etwa in Bezug auf die „grünen Bescheinigungen“ in einer Präzisierung in der Verordnung Nummer 21 des Landeshauptmanns. Das bedeutet: Wenn ein Gast im Innenraum bedient werden möchte, muss er dem Wirt seinen Corona-Pass vorzeigen. Wenn er dem nicht nachkommt oder keinen Corona-Pass hat, ist der Wirt verpflichtet, den Gast dazu aufzufordern, im Außenbereich Platz zu nehmen, heißt es von Seiten des HGV.

Es braucht ein Miteinander 

„Die meisten Gäste verstehen die Situation. Einige wollen davon aber auch nichts wissen und verlassen das Lokal“, blickt Karl Pfitscher, der selbst als Gastwirt im „Schwarzen Adler“ im Zentrum von Schlanders tätig ist, auf die vergangenen Wochen zurück. Er hoffe, dass die Bevölkerung die Maßnahmen, seien es Tests sowie Impfungen, annimmt. Es brauche ein Miteinander und gelebte Solidarität. „Es ist doch kein Problem, sich regelmäßig testen zu lassen. Diese Nasenflügel-Tests funktionieren schnell und unkompliziert“, betont Pfitscher. Auch in Sachen Impfung hat er eine klare Meinung. „Man muss an alle denken. Die Impfungen und die Tests sind ein Ausweg aus der Krise“, so Pfitscher, der selbst bereits die erste Impfung mit AstraZeneca hinter sich hat. Einige Gastbetriebe, von Bars über Restaurants bis hin zu Hotels, hätten schon jetzt „zu kämpfen“. Die Auswirkungen der Krise seien bereits ersichtlich.

Lage ist dramatisch

 „Leider gibt es auch im Vinschgau einige, die nicht mehr öffnen“, so Pfitscher. Die Situation sei dramatisch, die Unterstützungsmaßnahmen des Landes bei vielen noch nicht angekommen. „Die Landesregierung versucht zwar etwas zu bewegen, aber die Leute haben bisher wenig davon gespürt“, kritisiert Pfitscher. An den Beiträgen hake es, „viele haben überhaupt noch nichts bekommen, viele nur Kleinigkeiten“, erklärt er die Situation im Gastgewerbe. Auch die Stundung von Krediten sei mit Ende März abgelaufen. Nun gelte es hierbei neu zu verhandeln. 

Wie wird der Sommer? 

Der Winter sei „eine Katastrophe“ gewesen – mit rund 100 Prozent Ausfällen im Tourismus. Die Hoffnung liege nun vor allem auf den nächsten Wochen und Monaten. Ab 16. Mai darf man laut letzten Infos wieder ohne Quarantänepflicht nach Italien einreisen. Dann können sich EU-Bürger in Italien frei bewegen. Bisher galt eine 5-tägige Quarantäne bei der Einreise. „So hatte es für die meisten Hotels natürlich wenig Sinn zu öffnen“, sagt Pfitscher. Mit den neuen Bestimmungen solle der Tourismus langsam anlaufen. Nach wie vor gelte es aber, die Quarantäne-Bestimmungen im Ausland im Auge zu behalten. Sollte der deutsche Gast bei der Rückreise in Quarantäne müssen, sei es schwierig. Derzeit gelten für die Rückreise nach Deutschland noch strenge Regeln, unter anderem eben Quarantäne- und Testpflicht. „Wenn die Grenzen komplett öffnen, dann birgt das aber auch Chancen. Deutsche Urlauber könnten etwa auf Flüge verzichten und ihren Urlaub bei uns verbringen“, so Pfitscher. Generell sei zu hoffen, dass spätestens mit Ende des Jahres das Coronavirus „verschwindet“ und man dann, unter anderem durch die flächendeckenden Impfungen, wieder zur Normalität zurückkehren könne.

Das sagt ein Hotelier

LATSCH - Der Tourismus lange Zeit stillgelegt, geschlossene Grenzen, Quarantäneauflagen und gar Öffnungsverbote: Die Hotelbranche hatte und hat mit der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen. Auch was geplante Öffnungen betrifft, sei man immer wieder vertröstet worden, kritisieren viele Hoteliers. Viele Maßnahmen seien aber auch nötig, um das Virus einzudämmen, sagen einige andere. Seit einigen Wochen dürfen Hotels zwar wieder geöffnet haben, aber aufgrund von Quarantänepflichten und dergleichen blieben viele noch zu. Mit Mitte Mai können Touristen ohne Einschränkungen in Italien einreisen, ohne fünftägige Quarantänepflicht. Da Südtirol in Deutschland laut Robert Koch-Institut aber nach wie vor als Risikogebiet gilt, ist in Deutschland bei Rückreise eine Quarantäne nötig (Stand 10. Mai). Auch hier hofft man aber schon bald auf neue Lockerungen und einheitliche Öffnungen ohne Einschränkungen. In den meisten Hotels liefen daher in den vergangenen Wochen die Vorbereitungen auf Hochtouren, der Großteil im mittleren Vinschgau öffnete zwischen Anfang und Mitte Mai. Einer davon ist Martin Pirhofer, Hotelier beim Jagdhof in Latsch. Er öffnete seinen Familienbetrieb am 15. Mai. Pirhofer weiß als Mitglied des Latscher Gemeinderats und als früherer langjähriger Referent, wie schwer es ist, politische Entscheidungen zu treffen. 

der Vinschger: Herr Pirhofer, wie schwierig waren die vergangenen Monate für die Vinschger Hoteliers? 

Martin Pirhofer: Wir im unteren und mittleren Vinschgau konnten von den letzten 18 Monaten nur 4 Monate arbeiten, was sehr dramatisch ist.

Wie sehen Sie die Einschränkungen der letzten Monate? 

Laut Studien des deutschen Robert Koch-Instituts sind Beherbergungsbetriebe weniger gefährdet als andere Bereiche. Trotzdem traf es uns mit den Corona-Maßnahmen seit Beginn der Pandemie hart. Der Tourismus ist europaweit ausgebremst worden. Hier hätte man unter bestimmen Auflagen sicherlich mehr Lockerungen zulassen können. 

Welche Maßnahmen werden gesetzt, um den Gästen ein sicheres Urlaubserlebnis zu bieten? 

In Südtirol tut sich einiges. Mitarbeiter werden laufend, zweimal die Woche einem Coronavirus-Test unterzogen. In unserem Betrieb und den meisten anderen ist das zum Beispiel obligatorisch. Die Nasenflügel-Tests sind optimal organisiert von den Gemeinden. Dies ist vorbildlich. Die Gäste müssen momentan einen negativen Test – egal ob Antigen, Nasenflügel oder PCR – der nicht älter als 48 Stunden ist, vorweisen. Dabei muss eine offizielle Bescheinigung vorliegen, die wir beim Check-In kontrollieren. Falls der Urlaubsgast keinen Test vorweisen kann, ist es auch möglich, sich innerhalb von 24 Stunden vor Ort testen zu lassen. Neben den Tests gibt es zahlreiche weitere Maßnahmen. Sicherheitskonzepte und Hygienebestimmungen wurden vom vergangenen Jahr übernommen: Maskenpflicht in vielen Bereichen, Abstandsregeln und Co. – im Vinschgau und in ganz Südtirol können wir dem Gast ein sicheres Urlaubserlebnis garantieren. Darauf lege ich mich fest. 

Was erwarten Sie sich von der Sommersaison? 

Wenn die Sommersaison gut anlaufen kann und sich alle an die Maßnahmen halten sowie die Impfstrategie derart gut weitergreift, glaube ich, kann das eine richtig gute Sommersaison werden und sogar eine verlängerte Herbstsaison. 

Was lief politisch falsch? 

Kritisiert wird viel, aber ich glaube politisch lief gar nicht so sehr viel falsch bei uns in Südtirol. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer: Wenn man nun zurückblickt, wäre ein kompletter Lockdown von 20. Dezember bis 10. Jänner, wo Schulen und viele Handwerksbetriebe ohnehin geschlossen sind, sinnvoll gewesen. Damit hätte man meiner Ansicht nach die steigenden Zahlen im Spätwinter und Frühjahr verhindern können und bereits früher Öffnungen zulassen. Würden sich alle an die Maßnahmen und Einschränkungen halten, dann würde dies den Kampf gegen die Pandemie mit Sicherheit erleichtern. Leider ist dem häufig nicht so. Die Bevölkerung ist gefordert, jeder einzelne von uns.

„Situation kritischer als letztes Jahr“

Oberland - Auch in der Ferienregion Reschenpass hofft man auf Normalität. „Der Winter war eine Katastrophe, für die Skigebiete, die Hotels, für alle“, weiß Gerald Burger, Geschäftsführer der Ferienregion Reschenpass. Die Skigebiete waren keinen einzigen Tag geöffnet – weder für Einheimische noch für Gäste. „Ein Drama“, so Burger.  Dass es eine Sommersaison geben wird, dafür ist man am Reschenpass zuversichtlich. „Die meisten Hotels öffnen bei uns erst mit Pfingsten, daher sind wir von den aktuellen Diskussionen und Debatten nicht so sehr betroffen“, sagt Burger. Restaurants und Bars seien zwar bereits einige geöffnet, aber auch hier öffne der Großteil erst ab 21. Mai. Bis zum Sommer hoffe man auf eine internationale Reisefreiheit. Ganz so optimistisch ist Burger jedoch in diesem Jahr nicht. „Es kann leicht sein, dass diese Saison schwieriger wird als letztes Jahr. Die Situation ist heuer kritischer“, erklärt er. Vor allem, weil die Situation in Deutschland sehr ungewiss sei. Hier sei keine Tendenz zu erkennen. „Ich bin jedoch überzeugt, dass genauso wie letztes Jahr wieder viele Italiener hier urlauben werden“, so Burger. 

Hoffen auf Veranstaltungen 

Mit 21. Mai, sobald die Hotels wieder öffnen, werden auch die Seilbahn-Anlagen wieder in Betrieb genommen. Burger, selbst auch seit jeher erfolgreicher Veranstalter und nach wie vor OK-Chef beim Reschenseelauf, hofft zudem, dass die Events schon bald wieder „halbwegs anlaufen können“. Am Reschenseelauf, der für den 17. Juli geplant ist und eine der wichtigsten Sportveranstaltungen Südtirols darstellt, halte man fest. „Der findet fix statt“, ist sich Burger sicher. Wie und in welcher Form, dies sei jedoch noch ungewiss. Im Vorjahr gab es mit dem Start- und Zielbereich bei der Talstation des Ski- und Wandergebietes Schöneben zwar eine erfolgreiche Premiere, jedoch wolle man nun trotzdem wieder zum ursprünglichen Start- und Zielpunkt nach Graun, beim historischen Kirchturm, zurückkehren. Auch ein Massenstart wäre wünschenswert, im vergangenen Jahr war das Rennen sozusagen als eine Art Einzelzeitrennen ausgetragen worden. Zudem solle der Bauernmarkt wieder stattfinden. Dass es ein Fest gibt, ist eher unwahrscheinlich. 

Bike Opening

Bereits vom 4. bis zum 6. Juni findet das Bike Opening „Green Days“, ein Mountainbike-Enduro-Testival am Reschenpass statt, mit internationalen Gästen, wie die Organisatoren hoffen. Zudem seien im Sommer einige weitere Veranstaltungen geplant. „Hoffentlich kann man alles mehr oder weniger problemlos durchziehen“, so Burger. Dass die Nachfrage in diesem Sommer an Veranstaltungen generell groß sei, da ist sich der Geschäftsführer der Ferienregion sicher: „Die Leute wollen raus, sie sind heiß drauf“. 

Michael Andres
Michael Andres

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