Rund um den Plauser Kirchturm
Gemeinsam für Plaus: Mit der ersten Gemeinderatssitzung am 23. Mai 2009 begann die Ära des neuen Bürgermeisters Jürgen Klotz, SVP, und seines Stellvertreters Christoph Gögele, Bürgerliste, (vordere Reihe 4. und 1. von rechts).

Flache Gemeinde mit hoher Lebensqualität

Publiziert in 5 / 2015 - Erschienen am 11. Februar 2015
Um Lebensqualität und kirchliches Brauchtum im Dorf zu halten, haben sich Verwalter und Bürger nicht nur symbolisch um den Kirchturm geschart. Plaus - Zwischen 1981 und 2013 hat sich die Plauser Bevölkerung von 350 auf 711 Bürgerinnen und Bürger mehr als verdoppelt. Trotzdem ist es der Verwaltung gelungen, die Lebensqualität in der flachsten Gemeinde des Vinschgaus hoch zu halten. So stehen jedem Plauser und jeder Plauserin mehr Spiel- und Sportplatzfläche pro Kopf zur Verfügung als den Bürgern der Tourismushochburgen Naturns im Westen und Partschins im Osten. Die Anbindung an den Vinschger Radweg und an die Eisenbahn, die verkehrstechnisch günstige Lage zwischen den Kabinenseilbahnen von Unterstell in Naturns, nach Aschbach auf Algunder Gemeindegebiet und zum Giggelberg in Partschins machen Plaus zu einem attraktiven Tourismusort. Die 476 Wahlberechtigten durften sich 2009 zwischen zwei Listen entscheiden. Inzwischen arbeiten Mehrheitspartei und Opposition einträchtig für das Plauser Jahrhundert-Projekt, den Kirchenneubau mit Leichenkapelle und Friedhofserweiterung. der Vinschger: In Plaus müssen keine Skandale verarbeitet werden, über Gift sprühende Bauern muss man sich nicht aufregen und mit der Opposition kommt man gut aus. Ist es da notwendig, dass der Bürgermeister von Montag bis Freitag mindestens anderthalb Stunden seinen Bürgern zur Verfügung steht? Jürgen Klotz: Es ist wichtig, dass man vor Ort ist und sich sofort der Probleme der Menschen annimmt. Dazu hat man viel die bessere Einsicht. Wenn man jetzt hergeht und nur zwei Mal die Woche da ist, was kann man da für Einblicke bekommen? Mir ist es einfach wichtig, dass die Leute mit ihren Problemen an jedem Werktag ins Gemeindehaus kommen können. Auf Ihren Regierungsstil ange­sprochen, haben Sie vor sechs Jahren von der Notwendigkeit gesprochen, den Gemeinderat aufzuwerten und mehr Sitzungen abzuhalten. Ist das gelungen? Das habe ich gleich durchgezogen. Ich habe sofort versucht, den Gemeinderat ausführlich zu informieren. Wir sind hergegangen und haben nicht nur die üblichen Sitzungen abgehalten, sondern uns auch zu informellen Gemeinderatssitzungen getroffen. Ich geh nicht her und beschränke mich auf Fraktionssitzungen, ich gehe in den ganzen Rat. Es kann einem Außenstehenden dann vorkommen, als würden die Räte nur die Hand heben, als würde nie nachgefragt, weil ja eben alle schon vorab gut informiert wurden. Wir treffen uns nicht mehr nur drei Mal zur Ratssitzung. Mit den informellen Sitzungen können es bis zu acht Sitzungen werden. Vor sechs Jahren haben Sie und auch ihr Mitbewerber von der Bürgerliste angedeutet, dass sich das Dorf fast zu schnell entwickelt hat. Wo haben Sie bremsen müssen? Ich möchte nicht sagen, dass etwas gebremst worden ist; ich würde im Gegenteil sagen, dass wir durch die gute Zusammenarbeit viel erreicht haben und viele Projekte weitergebracht haben. Es wurde aber gesagt, dass Dorf habe sich zu schnell entwickelt…. Ja, wenn man auf die 80er-Jahre zurückblickt haben wir 365 Einwohner gehabt, heute sind wir doppelt so viele. Das heißt, es wurden sehr viele Wohnbauzonen ausgewiesen. Inzwischen hat es sich verlangsamt, obwohl wieder zwei neue Wohnbauzonen anstehen und es nun auch wieder wichtig und notwendig ist, jungen Plauser Familien die Möglichkeit zu bieten, sich ein Eigenheim zu errichten. Durch die Wahl 2009 hatten Sie mehr Zeit etwas zu bewegen. Welche größeren Projekte ist Ihre Verwaltung angegangen? Das größte Unterfangen sind die Friedhofserweiterung, der Bau der Leichenkapelle und der Kirchenerweiterung. Schon bevor ich Präsident des Pfarrgemeinderates geworden bin, war das Thema schon aktuell. Seit mindestens 15 Jahren oder noch länger reden wir davon. Es ist einfach nicht leicht gewesen, einen Weg zu finden, dass man sagen kann, die Bevölkerung stehe dahinter. Inzwischen haben wir eine Volksbefragung gemacht und einen Ideenwettbewerb durchgezogen. Inzwischen sind wir soweit, dass wir das Projekt endlich angehen können. Ansprechen müssen wir als wichtige Projekte aber auch das Schulhaus, das jetzt gut dasteht. Es ist energetisch saniert worden. Auch einen neuen Spielplatz in der Bahnhofstraße haben wir errichtet und Photovoltaikanlagen angebracht, die der Gemeinde Einnahmen bringen. Wo sind die angebracht worden? Einmal auf dem Dach des Gemeindehauses, zur Hälfte auf dem Dach des angefügten Nebengebäudes und auf dem Sportplatzbau. Den Großteil des Stromes, den wir an Ort und Stelle verbrauchen, decken wir damit ab. Zurück zu den verstorbenen Plausern. Wie geht es mit der Friedhofserweiterung weiter? An sich reicht das Projekt in die nächste Verwaltungsperiode hinein. Ja, stimmt. Die Erweiterung wäre die erste Bauphase, womit wir in den nächsten Wochen starten werden. Das ist auch mit den Statikern so abgesprochen worden, dass zuerst der Friedhof erweitert wird. Und wie geht es mit dem Kirchenneubau konkret weiter? Momentan ist dafür das Ausführungsprojekt im Gange. Das wird Ende Februar stehen. Danach können die Ausschreibungen starten. Wir denken, im Sommer, spätestens heuer im Herbst, mit dem Bau der Kirche zu beginnen. Für Ihre Gemeinde eine große Sache, auch finanziell… Wir haben uns auch sehr um Beiträge bemüht. So bei der „Italienischen Bischofskonferenz“, beim Land. Die Gemeinde selbst wird 300.000 Euro beisteuern. Dafür würde im Grundbuch die ­Leichenkapelle dann auch als Besitz der Gemeinde aufscheinen. Themawechsel. Wie sieht es mit der Wirtschaft aus? Haben sich in Ihrer Amtszeit neue Betriebe angesiedelt? Die leer stehenden Flächen in den Gewerbezonen sind inzwischen alle verbaut worden. Von Betrieben, die schon ansässig waren? Es sind auch Betriebe von ­außerhalb dazu gekommen. Jetzt sind wir schon bei der nächsten Erweiterung, der vierten. Dort werden drei Firmen Platz finden. Zwei davon aus Plaus. Was tut sich im Tourismus? Das Entwicklungskonzept ist ja genehmigt worden. Ja, 250 neue Betten sind vorge­sehen. Und als erster Schritt dieses Konzeptes wird demnächst auch eine neue Zone ausgewiesen. Wir haben in derselben Zeit auch den Gemeindezivilschutzplan gemacht und sind dabei, den Gefahrenzonenplan zu erstellen. Welche Gefahren hat Plaus zu befürchten? Überschwemmungen? Natürlich ist die Etsch eine Gefahrenquelle, aber auch draußen am Birchberg der Melsbach. Wie die Zonen eingeteilt sind, bestimmt der Gefahrenzonenplan. Beim Zivilschutzplan haben wir es nicht beim Erstellen bewenden lassen. Wir treffen uns auch jährlich einmal zur Übung zwischen Gemeindeleitstelle und Feuerwehr. Da sind alle dabei, Beamte, Ausschuss, Sekretär... Was noch zu erwähnen ist, wir haben inzwischen im ganzen Dorfzentrum die Leerrohre für die Glasfasern des schnellen Internets verlegt und auch schon an den Telefonzentralen angeschlossen. Froh sind wir auch, dass wir die Sportbar wieder in Schwung bringen konnten. Die Gemeinde hat einen fähigen Pächter gefunden. Wie muss man sich erklären, dass Plaus nicht an der Mountainbike-Verbindung Kastelbell-Aschbach beteiligt ist? Dazu muss man die Hintergründe kennen. Nicht für die Verbindungsstrecke, sondern für die Abfahrtsstrecke musste erst eine Lösung gefunden werden. Erstens ist Plaus eine kleine Gemeinde und der Anteil am Nörderberg ist entsprechend klein. So lautete ein ursprünglicher Vorschlag, den Wanderweg von der Naturnser Alm bis herab nach Birchberg als Mountainbike-Strecke zu nützen. Darüber waren die Jäger gar nicht begeistert, weil ja das Revier sehr klein ist. Das nächste Problem: Die Verbindung zur Naturnser Alm ist immerhin ein Wanderweg, den man den Gästen empfehlen kann. Entgegenkommende Radfahrer sind für Wanderer als gefährlich eingeschätzt worden. Auch gegen das Befahren der Straße hat die Interessentschaft Birchberg Bedenken angemeldet. Trotzdem haben wir uns um eine Alternative bemüht. Wir haben sie auch gefunden. Erst kürzlich ist ein neuer Forstweg angelegt worden. Damit könnte man von der Alm zum obersten Hof kommen, über ein noch zu erstellendes Wegstück den Brandhof erreichen und auf Naturnser Gemeindegebiet abfahren. Das ist der neueste Stand. Wir müssen uns über die anstehende Gemeinderatswahl unterhalten. Die Wahl 2009 war ein markanter Neuanfang, Bürgermeister, Vize und drei Gemeinderäte waren neu. Könnte ab 10. Mai 2015 die Erneuerung weitergehen? Könnten sich viele Kandidaten melden? Es ist ein allgemeines Phänomen im Land, dass es nicht mehr so leicht ist, überhaupt Kandidaten zu finden. Man wird langsam anfangen müssen, Kandidaten zu suchen. Ich zweifle, ob es leichter werden wird, neue zu finden. Jemand von der Bürgerliste hat vor den letzten Wahlen gewitzelt, dass die SVP übers Pfarrblatt Kandidaten gesucht habe. Wird das auch heuer so gehandhabt? (Lacht) Jetzt haben wir aber ein eigenes Blatt. Unser Plauser-­Infoblatt erscheint jede 2. Woche am Freitag. Die Bürgerliste ist in Plaus im Jahr 2000 auf die Tatsache hin gegründet worden, dass das Volk nichts zu sagen hatte. Inzwischen ist sie aktiv im Rat integriert und stellt den Vizebürgermeister. Mir ist es darum gegangen, dass alle zusammenarbeiten. In einer kleinen Gemeinde wie Plaus als Partei zu agieren, bringt Streit und Unfrieden, weil man oft künstlich im Sinne der Partei einen Gegenstandpunkt einnehmen muss. Werden Sie den „Listlern“ demnächst empfehlen, wieder unterm Edelweiß anzutreten? Ich will diesbezüglich niemandem etwas empfehlen. Wir werden ­sicher Gespräche führen. Jeder, der als Außenstehender einer Gemeinderatssitzung beiwohnt, könnte gar nicht unterscheiden, wer zu welcher Gruppierung gehört. Wir arbeiten sehr gut zusammen, wir reden miteinander und von der SVP-Seite her wäre es kein Problem, auf unserer Liste zu kandidieren. Zu sehen ist, ob sie das auch möchten. Hat der SVP-Ortsobmann das Thema noch nie angeschnitten? Die Ortsobfrau. Barbara Egger Mair sitzt dem Ausschuss derzeit vor und wir werden darüber sicherlich bald konkrete Gespräche führen. Sie kommen, die Frauen auch in Blau? Und trotzdem wird es nicht nur für uns ein Problem bleiben, Kandidatinnen zu finden. Wenn man ein Drittel für die Liste braucht, ist das nicht leicht. Auch wenn wir in Zukunft statt 15 nur mehr 12 Gemeinderäte haben werden. Wird es wieder SVP-Vorwahlen geben oder steht der Bürgermeister-Kandidat Jürgen Klotz schon fest? Der SVP Ortsausschuss wird diesbezüglich sicherlich bald eine Entscheidung treffen. Wenn dieses große Kirchenbau-Projekt umgesetzt werden soll, wird es doch Kontinuität brauchen? Von meiner Seite aus steht einer Wiederkandidatur nichts entgegen. Wir müssen schauen. Interview Günther Schöpf
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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