Eine Gemeinde setzt auf Qualität
Vorbildliche Restaurierung des schon 1418 erwähnten Vernerguots, seit 1531 Strasserhof, der zum Ensemble Nummer 5 gehört; links im Bild der Hof vor der Sanierung , rechts nachher.

„Fühlen wir uns wohl, fühlen sich auch die Gäste wohl“

Publiziert in 23 / 2014 - Erschienen am 18. Juni 2014
Die Tourismusgemeinde Partschins wollte mehr auf einen intakten Lebensraum setzen als auf Betten und Sterne. Partschins - Dass „auf dem Tourismusmarkt der Teufel los“ ist (O-Ton Lois Kronbichler), musste ihnen der Tourismus-Berater nicht erst beibringen. Dass es mit dem Aufstocken der Betten nicht getan sein kann, war Referentin Birgit Egger Ladurner, Tourismus-Präsident Hans Peter Weiss und seiner Direktorin Karin Thaler von vornherein klar. Auch dass in der Zieltal-Gemeinde viel „Potential“ steckt, war bis zum Überdruss wiederholt worden. Aber spätestens seit dem kurzen Zwischensatz von Lois Kronbichler in der Jahresversammlung des Tourismusvereines am 12. März 2014 „Der Tourismus geht uns alle an“ wurde vielen bewusst: Partschins braucht nicht nur ein Entwicklungskonzept für den Tourismus, sondern ein neues Bewusstsein seiner Bewohner. Daraus entwickelte sich der Lieblingssatz von Referentin Ladurner: „Wenn wir uns in unserem Lebensraum wohl fühlen, fühlen sich auch unsere Gäste wohl.“ Es entstand die Idee, über einen „integrierten Gesamtprozess zu einem integrierten Gesamtkonzept“ zu kommen. Die Initiative „Lebenswerte Gemeinde“ des Handels- und Dienstleister-Verbandes (hds) war eine ergänzende Fügung und eine zusätzliche Finanzierungsquelle. Eine Art „Leitbilddiskussion“ Von Anfang an waren Bürgermeister Albert Gögele, sein Stellvertreter Alois Forcher und Tourismusreferentin Egger Ladurner bemüht, Vertreter aller Bevölkerungsschichten und aller Altersgruppen mit Verwaltern, Vereinen und Verbänden an einen Tisch zu bringen. Die Ergebnisse aus den Bemühungen einer 22 Personen umfassenden Arbeitsgruppe, aus den Analysen von Marktentwicklungen, von sozialen und touristischen Daten, aus Überlegungen zum Thema „Lebensraum und Lebensqualität“, aus fotografischen Begehungen und Interviews Partschinser Meinungsmacher stellte Lois Kronbichler am 10. Juni 2014 dem Gemeinderat vor. Er wies nicht nur positive Alleinstellungsmerkmale der Gemeinde Partschins nach. Keine Südtiroler Gemeinde habe seit 1992 mehr als 1.400 Gästebetten verloren. Kaum eine Gemeinde habe im nicht gewerblichen Bereich 47,5 % an Nächtigungen eingebüßt. Allerdings erreiche Partschins bei den gewerblichen Betrieben den Südtiroler Spitzenwert von 178 Vollbelegungstagen. Zudem liege Partschins in der Aufenthaltsdauer von 5,5 Tagen über dem Südtiroler Durchschnitt. Nach detaillierter und schonungsloser Gegenüberstellung von Schwächen und Chancen empfahl der Tourismusexperte der Gemeindeverwaltung, Tourismuszonen für 600 neue Betten und maximal 250 Stellplätze auf einem oder auf zwei Campingplätzen auszuweisen. Die 18 anwesenden Räte sprachen sich nach kurzer Diskussion einstimmig für den Beschluss aus. Mit allen im Gespräch Nahtlos und ergänzend sollte sich die Behandlung des 2. Tagesordnungspunktes „Eintragung von 25 Ensembles in den Bauleitplan der Gemeinde Partschins“ an das Tourismus-Konzept anschließen. Vor der Abstimmung wurden die Volksvertreter und das interessierte Publikum allerdings einer harten Geduldsprobe unterzogen. Der beauftragte Architekt Bernhard Lösch (Innichen) bemühte sich, die 25 Objekte - darunter ganze Dorfteile - vorzustellen und deren kulturhistorische Bedeutung anhand von festgelegten Kriterien auch zu erläutern und zu begründen. Das Ortszentrum von Partschins wurde in die Ensemble Huben, Zentrum A und B eingeteilt. In Rabland genießen Unterhuben, St. Jakob, der Strasserhof, die Gemeindebibliothek, die Kirche und der Brunnen Ensemblestatus. Das Weiße Rössl, der Weiler Weirach, das E-Werk, der Bahnhof und St. Helena wurden in der Fraktion Töll ausgewiesen. In der Bergfraktion Tabland - für Fraktion kennen die Partschinser auch den Ausdruck Degnei - wurden Tabland selbst, der Ebner, der Saltebauer, der Wasserfaller als Ensembles eingestuft, im Ortsteil Vertigen die Höfe Obermair und Niedermair, im Ortsteil Stainwent der Gruobhof, der Winklerhof und die Platterhöfe. In der Fraktion Quadrat gehören Quadrat selbst, Oberbrunn und Niedereben, die Weiße Wand und die Bunkeranlage zu den wertvollen Objekten. Nach den Ausführungen des Architekten erinnerte Bürgermeister Gögele, wie sehr man sich bemüht habe, kompromissbereit zu sein und mit allen Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Er fasste den langen, bürokratischen Weg zusammen vom Entwurf des Ausschusses, der Begutachtung durch den Sachverständigenbeirat, vom Ausschussbeschluss zur Einleitung der Bauleitplanänderung, von der Übergabe an die Kommission für Natur, Landschaft und Raumentwicklung, der Verständigung aller Eigentümer von betroffenen Flächen per Einschreibebrief oder elektronischer Post bis zum Eingang von 24 Einwänden innerhalb der 30-tägigen Rekursfrist. Unterschiedliche Positionen In der nachfolgenden Diskussion zeichneten sich zwei grundsätzliche Positionen ab: Auf der einen Seite Vertreter der Bauernschaft, die den Ensembleschutz als Belastung betrachteten, auf der anderen Seite die Mitglieder der Arbeitsgruppe, die darin eine Wertsteigerung sahen. Ratsmitglied Sigmund Kripp meinte sinngemäß: „In 70 Jahren SVP-Regierung wurde immer von Schutz geredet und jetzt heißt es plötzlich, jeder in der Schutzzone sei gefangen und belastet.“ Walter Laimer und Günther Garber hielten an ihrer Überzeugung fest, dass hier Privaten etwas aufgebürdet werde und dass die Allgemeinheit nicht immer nur verlangen könne, ohne etwas zu geben. Es würden jene bestraft, die sich bemüht hätten, alte Bausubstanz zu erhalten, während denen, die „Klötze“ hingestellt hätten, nichts geschehe. Sie erklärten, sich der Stimme enthalten zu wollen. Bauernvertreter und Vizebürgermeister Alois Forcher stellte fest: „Wenn ich mich jetzt der Stimme enthalte, bedeutet das, dass ich zwei Jahre umsonst gearbeitet habe.“ Sämtliche 24 Einwände wurden vom Bürgermeister vorgetragen, erklärt und zur Abstimmung gebracht. Bei der Gesamtabstimmung enthielten sich Laimer, Garber, das Ausschussmitglied der Heimatpfleger Christian Oberperfler und der Vizepräsident des Tourismusvereines Simon Gamper der Stimme. Günther Schöpf
Günther Schöpf
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