Rifairalm: „Ohne Zufahrt keine Zukunft“
Auf der Rifairalm in Taufers im Münstertal gedeiht vorzügliches Weidegras.

Interessentschaft Rifair kämpft für Almerschließung

Publiziert in 20 / 2008 - Erschienen am 28. Mai 2008
Taufers im Münstertal – Die Bemühungen der Interessentschaft Rifair für eine ­Erschließung der Rifairalm, die derzeit nur mit einer alten Materialseilbahn an das Tal angebunden ist, gehen weiter. Wenn es nicht gelingt, von der Seite der Schweiz her eine bereits bestehende Zufahrt, die derzeit rund 500 Meter vor der Staatsgrenze endet, bis hin zur Alm zu verlängern, droht dieser über kurz oder lang die Auflassung. Dieser Ansicht sind nicht nur die 34 Almrechtinhaber mit Präsident Paul Christandl an der Spitze, sondern auch Senn Luis Joos und seine Mitarbeiter. „Dreh- und Angelpunkt der Erschließung ist ein positives Gutachten der Nationalparkverwaltung,“ sagt Serafin Heinrich Schgör, der frühere Bürgermeister von Taufers und Schriftführer der Interessentschaft. Eines sei klar: „Die endgültige Entscheidung liegt beim Park. Die Alm befindet sich in einem Natura 2000-Gebiet und gehört somit zum Herzstück des Nationalparks. Wenn die Parkverwaltung nein sagt, wird es keinen Weg geben. In diesem Sinne hat sich auch die Landesregierung geäußert.“ von Sepp Laner Im Jahr 2006 waren nur 18 Melkkühe auf die 259 Hektar große Alm aufgetrieben worden. Bis dahin hatte sich der frühere Präsident Seppl Joos 18 Jahre lang für den Weiterbestand stark eingesetzt. Ohne seinen Einsatz wäre die Alm vermutlich schon früher aufgelassen worden. Um eine immer noch drohende Auflassung der urtümlichen Alm zu verhindern, legten sich Paul Christandl und weitere Interessentschafts-Mitglieder sowie auch Senn Luis Joos aus Mals im Frühjahr 2007 stark ins Zeug. Es gelang, das Almgebäude, das auf 2145 Höhenmetern liegt, mit beträchtlichem finanziellem Aufwand und mit unzähligen Arbeitsstunden auf Vordermann zu bringen. Das Almgebäude wurde innen und außen saniert. Herzstück ist die vollständig erneuerte Käserei, sodass bei der Herstellung von Käse und Butter jetzt alle sanitären und hygienischen Vorgaben erfüllt werden können. Die Bestoßung der Alm mit 32 Melkkühen war bereits im Almsommer 2007 beachtlich. 10 Pferde, 10 Schweine und etliche Stück Galtvieh kamen dazu. Luis Joos hat sich verpflichtet, ab 2007 für 5 Jahre als Senn auf der Rifairalm zu arbeiten. Er kennt diese Alm übrigens schon aus seiner Jugendzeit: „Damals weideten bis zu 60 Kühe und 30 Jungrinder auf der Alm.“ Untersuchungen haben ergeben, dass auf der Rifairalm vorzügliches Almgras gedeiht, wie es seinesgleichen landesweit kaum anzutreffen ist. Außerdem ist die Alm dank ihrer Lage auf der Nörderseite fast überhaupt nicht trockenheitsanfällig. Etwas erleichtert hat die Arbeit des Alppersonals ein kleiner Transport-Traktor. Der Einachser wurde im Frühjahr 2007 mit einem Hubschrauber auf die Alm geflogen. Auch die Materialien für die Sanierung mussten zum Teil per Helikopter eingeflogen werden, zumal die Traglast der Materialseilbahn relativ gering ist. Den Bau eines möglichst umweltschonenden und schmalen Zufahrtsweges erachten der Senn sowie Paul Christandl und der gesamte Interessenstschafts-Ausschuss als unabdingbar, um einen Weiterbestand der Alm garantieren zu können. Luis Joos: „Wir wollen ganz sicher nicht eine Straße, die jeder benutzen kann, und wir wollen auch nicht, dass die Alm ihren urtümlichen Charakter verliert. Wohl aber sollte es möglich sein, dass ein Tierzart bis zur Alm fahren kann, dass eine kranke Kuh zu Tal zu befördert werden kann und dass das Alppersonal die Almprodukte und andere Materialien transportieren kann.“ Irgendwelche Hintergedanken, etwa in die Richtung eines Ausschanks, gibt es laut Luis Joos keine: „Wenn aufgeschenkt wird und scharenweise Leute auf die Alm kommen, bin ich der erste, der verschwindet.“ Es gehe rein darum, die ureigene Almtätigkeit erhalten und den heutigen, notwendigen Erfordernissen anzupassen. Mit der Produktqualität braucht die Rifairalm übrigens nicht hinter dem Berg zu halten. Bei der letzten Vinschgauer Alpkäseverkostung, an der 28 Almen beteiligt waren, belegte die Rifairalm den 7. Platz. Um den heurigen Almbetrieb wieder aufnehmen zu können, sind Instandhaltungsarbeiten an der alten Materialseilbahn, die von Puntweil aus auf die Alm führt, notwendig. Besonders dringend ist die Erneuerung beschädigter Holzstützen. „Wir werden diese Arbeiten dank der großzügigen Unterstützung des Forstispektorates Schlanders und natürlich des Einsatzes von Paul Christandl und weiterer Mitarbeiter noch rechtzeitig vor dem Auftrieb durchführen können“, gibt sich Serafin Heinrich Schgör zuversichtlich. Auf die Frage, ob ein Neubau der Materialseilbahn nicht eine Alternative zum Bau einer Zufahrt sein könnte, meinte Schgör: „Wir haben es hier nicht mit einer Galtvieh-, sondern mit einer Milchviehalm zu tun. Das heißt, dass es unbedingt notwendig ist, dass ein Tierarzt bis zur Alm fahren kann, wenn eine Kuh krank ist oder belegt werden muss. Derzeit wird noch ein Stier auf der Alm gehalten. Auch für das Alppersonal und für Notfälle wäre eine Zufahrt mehr als wünschenswert.“ Einen noch wichtigeren Aspekt sieht Schgör aber in der Frage der Finanzierung: „Der Bau einer neuer Seilbahn dürfte in etwa eine Million Euro kosten. Dieses Geld dürfte kaum aufzutreiben sein. Von den Almrechtinhabern sind solche Beiträge nicht zu erwarten, was auch verständlich ist, denn warum soll jemand in eine Sache investieren, die so gut wie keinen Rückfluss garantiert?“ Ein Projekt, eine Zufahrt von der Seite der Schweiz her zu errichten, wurde in der Vergangenheit schon mehrfach vorgelegt. Bei der Nationalparkverwaltung stieß das Vorhaben bisher auf Ablehnung. Serafin Heinrich Schgör: „Die Alm liegt in einem Natura 2000-Gebiet und gehört somit zum Herzstück des Nationalsparks. Es ist uns daher durchaus bewusst, dass die Parkverwaltung über den Bau eines Weges alles eher als glücklich ist. Befürchtet wird natürlich, dass Hand in Hand mit dem Bau der Zufahrt die ‚Invasion’ kommt, sprich die Autos.“ An einer möglichst umweltschonenden und konsensfähigen Trassenführung werde derzeit noch gesucht. Der Wunsch der Interessentschaft ist es, den bereits bestehenden Weg in Müstair, der rund 500 Meter vor der Staatsgrenze endet, bis hin zur Alm weiterzuführen. Insgesamt wäre der Bau eines rund 1,8 Kilometer langen Weges mit einer Höchstbreite von 2 Metern notwendig, wobei die ersten 500 Meter durch Schweizer Hoheitsgebiet führen würden. Der bestehende Weg in Müstair war Mitte der 80-er Jahre nach einem großen Waldbrand für Aufforstungszwecke errichtet worden. Mit dem Bürgermeister von Müstair, Gilbert Ruinatscha, hat die Interessentschaft in der Vergangenheit schon öfters über das Zufahrts-Projekt gesprochen und stieß dabei grundsätzlich auf Zustimmung. Für das ursprüngliche Projekt waren Kosten in Höhe von rund 180.000 Euro angegeben worden. Sollte der Nationalpark der noch zu findenden, neuen Trasse zustimmen, müsste die Interessentschaft beim Land und bei der Gemeinde für Finanzierungsbeiträge anklopfen. Als Lösung für eine größtmögliche Einschränkung des Verkehrs zur Alm kann sich Serafin Heinrich Schgör strenge Kontrollen nach dem Muster der Schweiz vorstellen. Dies wäre durchaus möglich, „denn um auf die Alm zu gelangen, muss man ja zunächst die Grenze passieren, bis nach Sta. Maria fahren und dort kurz vor dem Ospidal Val Müstair links abbiegen.“ Mit der Grenzpolizei abzuklären wäre auch der Umstand, dass jene, die auf die Alm fahren, zwar zunächst in die Schweiz, dann aber wieder in der Nähe der Alm über die Staatsgrenze nach Südtirol zurückfahren. Detail am Rande: Die Staatsgrenze fällt nicht mit der Grenze der Katastralgemeinden zusammen. Demnach ist die Gemeinde Taufers stolze Besitzerin von 42 Hektar Wald im Hoheitsgebiet der Eidgenossen.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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