Die Kraft der kleinen ­Kreisläufe
Der Projektbetreuer Daniel Degischer, der Lehrveranstaltungs-Koordinator Johannes Dickel und der ­Projektbetreuer Simon Czermak (von links).

“Kleine Kreisläufe steigern die Wertschöpfung”

Publiziert in 5 / 2013 - Erschienen am 13. Februar 2013
Begleitet und betreut wurde die Arbeit der Studenten von Professor und MCI Fachbereichsleiter Johannes Dickel (Koordinator der Lehrveranstaltung) sowie den Assistenten Simon Czermak und Daniel Degischer. Wir haben mit diesem Team gesprochen: der Vinschger: Welche zentrale Erkenntnis kann aus der Projektstudie „Regionale Wirtschaftskreisläufe im Vinschgau“ gewonnen werden? Dickel, Czermak und Degischer: Als zentrale Erkenntnis aus dem Projekt ging hervor, dass regionale Wirtschaftskreisläufe wesentlich zu einer nachhaltigen Wertschöpfung in der Region beitragen können. Durch eine Stärkung dieser Kreisläufe profitieren nicht nur eine, sondern gleich mehrere Branchen, zum Beispiel Landwirtschaft, Bäckereihandwerk, Tourismus/Hotellerie und andere. Innerhalb der Branchen werden insbesondere kleine und kleinste Unternehmen gestärkt. Dadurch kann nicht zuletzt der Abwanderungsproblematik entgegengesteuert und die Beschäftigung gesteigert werden. Konsumenten profitieren von gestärkten regionalen Wirtschaftskreisläufen durch die hohe Qualität regionaler, frischer Produkte und einer Logistikkette, die eine hervorragende CO2-Bilanz aufweist, siehe “ökologischer Fußabdruck”. Die Studenten sprechen sich in ihren Empfehlungen für eine stärkere Bewusstseinsbildung und ein kräftigeres Miteinander aus. Teilen auch Sie diese Empfehlung? Die Bewusstseinsbildung und Stärkung von Kooperationen stellen eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Etablierung regionaler Wirtschaftskreisläufe dar. Dies geht einerseits aus den geführten Interviews hervor, andererseits ist es für die Funktionsfähigkeit entsprechender Wirtschaftskreisläufe unbedingt erforderlich. Die Bewusstseinsbildung sollte auf Produzentenseite Verständnis erzeugen, dass sich nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg und Regionalität nicht ausschließen. Im Gegensatz dazu liegt in der Regionalität das Potential, Rentabilität und Wertschöpfung dauerhaft zu sichern. Aber auch den Konsumenten sollte bewusst werden, dass sie durch den Kauf regionaler Produkte einerseits aufgrund der hohen Qualität profitieren, andererseits aber auch die Lebensqualität der Region zu einem gewissen Teil sichern und Arbeitsplätze schaffen können. Lässt sich dem Trend der Globalisierung mit einer Stärkung regionaler Kreisläufe tatsächlich gegensteuern? Wir wären vorsichtig, die Globalisierung als ausschließlich negativen Trend darzustellen. Diese hat durchaus sehr viele positive Seiten, kann sich aber auf gewisse Bereiche, Branchen und Regionen auch negativ auswirken. Wir sehen eine Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe vielmehr als Chance, die negativen Effekte der Globalisierung abfedern zu können. Bevor dieser wirtschaftliche Integrationsprozess “Globalisierung” im jüngeren Kontext stattgefunden hat, waren regionale Wirtschaftskreislaufe die Regel. In jüngerer Zeit gilt es nun, die stark positiven Auswirkungen regionalen Wirtschaftens für die heutige Zeit zu erkennen, gezielt zu nützen und dabei entsprechende Werte wieder in den Köpfen der Menschen zu verankern. Aber regionale Wirtschaftskreisläufe an sich können dauerhaft nur funktionieren und eine Hebelwirkung entfalten, wenn sie offen gestaltet sind und ein Teil der Produkte auch überregional abgesetzt werden, Touristen zum Beispiel kaufen regionale Produkte für sich selbst oder als Mitbringsel für Freunde. Nicht zuletzt haben die modernen Konsumenten eine tiefe Sehnsucht nach Authentizität, zu der unstreitig auch regionale Produkte und der Einkauf bei Menschen gehört, die man kennt. Wer muss was tun, um die regionalen Wirtschaftskreisläufe zu stärken? Es gibt mehrere Akteure, die ihren jeweiligen Beitrag leisten müssen. Einerseits hat die Politik positive Rahmenbedingungen zu schaffen, welche die freie Entfaltung innovativer Ideen ermöglichen und fördern. Andererseits sollten auch die jeweiligen Verbände Kooperationen zwischen ihren Mitgliedern fördern und versuchen, Vorurteile abzubauen und als Ansprechpartner zu fungieren. Zusätzlich sollten sich die einzelnen Unternehmer für neue Ideen öffnen und sich verstärkt der Chancen regionaler Wirtschaftskreisläufe bewusst werden. Eine wesentliche Rolle spielen natürlich auch die Konsumenten, die regionalen Produkten und Dienstleistungen ein stärkeres Vertrauen entgegenbringen und auch bereit sein müssen, für regionale Qualität einen teilweise etwas höheren Preis zu bezahlen. Sepp Laner * In der nächsten Ausgabe lesen Sie ein Interview mit einem der beteiligten Studenten.
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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