Los von Laas
Erhard Alber: „Wir wollen keinen Raubbau, wohl aber eine vernünftige und einigermaßen wirtschaftliche Lösung.“

Neue Kursrichtung bei Marmorabtransport

Publiziert in 20 / 2012 - Erschienen am 23. Mai 2012
Die Gemeinde Schlanders und die Fraktion Göflan sind bestrebt, sich in Sachen Marmorabtransport von Laas abzukoppeln. Einen ersten wichtigen Beschluss in diese Richtung soll der Gemeinderat am 24. Mai fassen. Göflan/Schlanders - Es ist der Tagesordnungspunkt Nr. 12, der es in sich hat: „Klassifizierung eines Weges, K.G. Nördersberg als Gemeindestraße im Sinne des Landesgesetzes Nr. 24/1991“. Es geht in der Sache darum, die Straße, über die schon seit einiger Zeit der Marmor aus dem Wantlbruch in Göflan zu Tal gebracht wird, in eine Gemeindestraße umzuwandeln. Die Einleitung des dazu notwendigen Enteignungsverfahrens soll der Gemeinderat am 24. Mai beschließen. Die Straße gehört derzeit zum Teil einer Interessentschaft mit mehreren Eigentümern und ist teilweise als Forststraße klassifiziert, speziell was den Teilabschnitt der in den Jahren 1957 und 1958 erbauten „Marmorstraße“ betrifft. Der Hintergrund der Umwidmung in Gemeindestraße liegt auf der Hand: Sollte der Gemeinderat Ja sagen, wird es in Zukunft nicht mehr in die Zuständigkeit des Landeshauptmannes fallen, den Abtransport des Marmors über die Straße zu ermächtigen, sondern in jene des Bürgermeister von Schlanders. Wie in der vergangenen Woche im Rathaus zu erfahren war, dürften die betroffenen Grundbesitzer - bei angeblich einer einzigen Ausnahme - mit der Enteignung bzw. der Umwidmung einverstanden sein. Sollte der Rat dem Beschlussantrag des Gemeindeausschusses zustimmen, „wäre dies ein Meilenstein für mehr Eigenständigkeit und Entscheidungsfreiheit in Bezug auf den Marmorabbau in Göflan,“ gibt sich Fraktionspräsident Erhard Alber überzeugt, einer der zwei Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit im Gemeinderat. „Abtransport über Schrägbahn ist unrentabel“ Wie berichtet, hatte Landeshauptmann Luis Durnwalder erst unlängst bei einer Aussprache mit Vertretern der Gemeinden Laas und Schlanders, der Fraktionen Laas und Göflan sowie der Lasa Marmo bekräftigt, dass die Schrägbahn in Laas von allen Bruchbetreibern zum Abtransport genutzt werden sollte und dass er keine Genehmigung mehr für einen Abtransport über die Straße in Göflan erteilen werde, es sei denn, sämtliche Grundeigentümer und auch der Nationalpark geben dafür ihr Einverständnis. „Es ist die Erfüllung dieser zwei Bedingungen, auf die wir hinarbeiten“, bestätigte Bürgermeister Dieter Pinggera am Montag. Ein Abtransport über die Schrägbahn sei wirtschaftlich nicht rentabel sei und ein Straßenabtransport über ­Göflan sei weniger umweltschädlich. In Sachen Umweltbilanz wurde ein neutraler Fachmann mit der Ausarbeitung eines Gutachtens beauftragt. Sollte das Gutachten zugunsten der Straßen-Variante über Göflan ausfallen, dürfte laut Pinggera auch der Nationalpark damit einverstanden sein.“ Warten auf Umwelt-Gutachten „Uns als Fraktion Göflan geht es darum, eine vernünftige und einigermaßen wirtschaftliche Lösung zu finden“, so Erhard Alber. Dies habe man über viele Jahre hinweg versucht, aber es sei nicht gelungen, „trotz mehrerer Verhandlungen, die geführt wurden.“ Der wohl größte Knackpunkt sind laut Alber die Kosten. Zurzeit ist es so, dass der Bruchbetreiber ca. 60 Euro pro Kubikmeter für den Tramsport an die Gemeinde Schlanders zahlt - diese ist vertraglich verpflichtet, den Transport zu gewährleisten - und ca. 140 Euro pro Kubikmeter als Pacht an die Fraktion. Bei einer Jahresabbaumenge von rund 2.000 Kubikmetern an Marmorblöcken verbleiben der Fraktion somit mehrere 100.000 Euro im Jahr. Müsste der Stein aus ­Göflan über die rund 8 km lange Straße vom Wantlbruch zum Weißwasserbruch in Laas, mit der Seilbahn und Schrägbahn zu Tal und wieder per LKW zum Betrieb nach Schlanders gebracht werden, würde allein der Transport laut Alber ca. 175 Euro kosten: 55 Euro für den LKW-Transport, 20 Euro für die Straßeninstandhaltung und 100 Euro für die Schrägbahn. „Der Fraktion Göflan würden damit nur mehr ca. 45 Euro pro Kubikmeter verbleiben,“ rechnet der Fraktionspräsident vor. Auf die Frage, warum seinerzeit vertraglich verankert wurde, dass die Gemeinde den Transport zu gewährleisten hat, meinte Alber: „Ohne diese Klausel hätte sich bei der Ausschreibung wohl kein Unternehmen um die Abbruchrechte beworben.“ 2005 hatte die Firma „Tiroler Marmorwerke GmbH” die Abbaurechte am Göflaner Marmorbruch erworben, im August 2007 wurden die Rechte an die Firma „Göflaner Marmor GmbH“ der Familie Pohl aus Kastelbell übertragen. Am Freitag, 25. Mai, wird übrigens die neue Werkstätte der „Göflaner Marmor GmbH“ an der Staatsstraße in Schlanders feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Für Alber ist es eindeutig vernünftiger, den Marmor aus Göflan über die Straße zu Tal zu bringen: „Werden die Blöcke mit LKWs im hochalpinen Gelände vom Wantlbruch zum Weißwasserbruch gebracht und nach dem Abtransport mit Seilbahn und Schrägbahn wieder per LKW nach Schlanders zurücktransportiert, kommt man auf etwa 17 LKW-Kilometer. Das ist ziemlich genau dieselbe Strecke vom Wantlbruch zum Betrieb nach Schlanders, nur dass der Weg hier schneller, direkter, unkomplizierter und vor allem viel kostengünstiger ist.“ Laut derzeitigem Vertrag können pro Tag höchstens 4 LKW-Fahrten über die Straße in Göflan durchgeführt werden. Das ist laut Alber auch ausreichend: „In Göflan wird nur im Sommer Marmor abgebaut. Die vertraglich festgelegte Jahreshöchstmenge beläuft sich auf 2.500 Kubikmeter. Wir haben keine Absicht, Raubbau zu betreiben.“ Gegen eine Zusammenarbeit mit der Lasa Marmo, etwa im Bereich Marketing oder in Form von Austausch von Blöcken, sei nichts einzuwenden, „und wir haben auch nichts gegen den Erhalt der Schrägbahn als Industriedenkmal, aber wir sind überzeugt, dass der Weg der Eigenständigkeit der richtige ist,“ so Alber. „Man hatte uns vor der Neuausschreibung lange Zeit ausgebeutet und wir wurden nachher über Jahre hinweg nur hingehalten. Alber erinnert auch an die Geschichte und Tradition des Marmorabbaus in Göflan. Bis 1921 wurde der Marmor immer über Göflan zu Tal gebracht. Nach diesem Jahr ruhte die Abbautätigkeit bis 1959/60. In diesen Jahren begann dann die Firma „Lasa Marmo“, den Göflaner Bruch zu bearbeiten, und zwar bis zum Ablauf der Konzessionsrechte 1999. Unlängst hat die Fraktion ­Göflan übrigens im Bereich der Hofstelle Tafratz eine rund 200.000 Euro teure Umfahrung gebaut. Das Land steuert 50.000 Euro bei, den Rest bestreitet die Fraktion. Das Maschinenhaus im Bereich des Bruchs in Göflan, wo Bernhard Grassl aus Laas künstlerisch tätig ist, und die so genannte Kantine, gehören der Fraktion Göflan. Am Dach der Kantine ließ die Fraktion kürzlich Instandsetzungsarbeiten durchführen. Über künftige ­Nutzungsmöglichkeiten wird derzeit noch nachgedacht. Bereits fest steht, dass am 5. August 2012 die Bürgerkapelle Schlanders im Wantlbruch im Rahmen des Almfestes und eines Tages der offenen Tür ein Konzert geben wird. In Zukunft Seilbahn in Göflan? Nicht auszuschließen ist laut dem Fraktionsvorsteher, „dass in Zukunft vielleicht eine Seilbahn für den Marmorabtransport in Göflan gebaut wird. Es wäre ­sicher sinnvoll, im Hinblick darauf bereits jetzt schon Jahr für Jahr etwas Geld zurückzulegen.“ Gespannt sein darf man, wie die Laaser auf die Entwicklungen in Göflan und Schlanders reagieren werden. Sepp Laner
Josef Laner
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