Reinhold Messner über Andreas Hofer, über Fahnen und Vinschger
Reinhold Messner im Gedenkjahr 2009

Reinhold Messner sprach Klartext im Gedenkjahr

Publiziert in 10 / 2009 - Erschienen am 18. März 2009
Am 7. März wurde in ­Sigmundskron eine ungewöhnliche Ausstellung zum Gedenkjahr „1809-2009“ der Öffentlichkeit vorgestellt, anschließend eine Angelobung von 200 „neuen Schützen“ abgehalten und zum ersten Mal ein Trientner „Landeshauptmann“ eingeladen, in italienischer Sprache Grußworte zu sprechen. Obwohl Hausherr Reinhold Messner im Bewusstsein des historischen Ereignisses irgendwie unter Spannung stand, empfing er einen Journalisten nach dem anderen und legte auch dem „Vinschger“ gegenüber geduldig seine Sicht der Dinge dar im Umgang mit dem Traditionsverband der Schützen, mit der Organisation seiner Ausstellung, mit der Persönlichkeit des Andrä Hofer, aber auch mit einigen Ereignissen in jener ­Gemeinde, in der er seit sieben Jahren ­Ehrenbürger ist. von Günther Schöpf Der Einstieg in das etwa 20-minütige Gespräch drehte sich um Vorkommnisse im Ringen um eine gemeinsame Basis mit dem Schützenbund. Messner erzählte von den unterschiedlichen Anschauungen in der Südtiroler Toponomastik und begründete die Tatsache, warum Hofers Welschtiroler Zeit noch in keiner Ausstellung thematisiert worden ist. Er brachte zum Ausdruck, wie sehr ihm bewusst geworden sei, dass Andreas Hofers Integrationskraft eben über die Tradition der Schützen auf alle Tiroler Landesteile wirke. „Warum kann man in Zu­kunft nicht von einem Europa-Wahlkreis Tirol sprechen?“, zog er ein Fazit aus den Überlegungen. Reinhold Messner zeigte sich sehr informiert über Ereignisse und Entwicklungen, die bis heute in der Südtiroler Geschichte nachwirken. So kam das Gespräch auch auf den Andreas Hofer Bund des Hans Egarter, der aus Da­bleibern gebildet sich gegen die Nazi-Herrschaft gerichtet habe. Messner kam auf die „schlaue Politik“ eines Alcide De Gasperi und auf die Auto­nomie im Trentino zu sprechen und begründete, warum in ­Sigmundskron 1957 das „Los von Trient“ und nicht „von Rom“ gefordert worden ist. „Der Vinschger“: Würden Sie jetzt mit der rot-weißen Fahne winken, statt mit dem eigenen Taschentuch? Reinhold Messner: Ich habe den Schützen erlaubt, die ­Fahne zu hissen, das gehört bei ihnen dazu, aber ich winke mit überhaupt keiner Fahne. ­Gleich werde ich einen Satz sagen, den die Schützen nicht gerne hören werden: Es ist höchste Zeit allen Nationalismen, ­allen, abzuschwören. Wir haben immer draufgezahlt, wenn wir anderen Nationen gefolgt oder wenn wir in den Krieg gezogen sind. Wir sollen uns mit Worten wehren. Das Gedenkjahr 2009 wird ein Unglücksjahr für Trafoi in der Gemeinde Stilfs. Die Trafoier können sich von Walter Klaus keine Investitionen mehr erwarten. Was sagt der Stilfser Ehrenbürger Reinhold Messner dazu? Reinhold Messner: Walter Klaus ist gesundheitlich angeschlagen. Er hat viel Geld am Bodensee verloren oder investiert. Trafoi ist nicht so teuer; jetzt müssen die Hoteliers die Sache in die Hand nehmen. Es ist eine Südtiroler Krankheit, immer zu warten, dass irgendwer zahlt. Die Trafoier glauben, Sulden verhindere eine Investition von Klaus. Reinhold Messner: Sulden hat eine eigene Wirtschafts­gebarung, ist einigermaßen über Wasser. Zum letzten Mal hat Klaus in die Beschneiungsanlage investiert. Auch Sulden muss sich jetzt selbst tragen. Wie immer die Seilbahnen wirtschaften, sie schaffen Arbeits­plätze…Leider ist jetzt auch der Zusammenschluss mit Martell vom Tisch. Sie sind davon überzeugt? Reinhold Messner: Wenn Klaus nicht investiert, ist es vorbei. Die Marteller allein schaffen das nicht. Sicher, man hätte ein Wintersport­gebiet daraus machen können mit Hängen nach Osten und Westen, in Dimensionen wie der Kronplatz. Aber wenn die Marteller sagen, das brauchen wir nicht, dann kann man halt nichts machen. Ich glaube, für Trafoi ist es zu spät. Es ging für Klaus einmal darum, ein Gebäude zu erwerben, um Betten zu schaffen. Eine Seilbahn braucht Betten. Das ist aber nicht gelungen. Wäre die Verbindung mit Martell durchgeführt worden, hätten Touristiker im gesamten Vinschgau profitiert. Auch was den Investor auf der Tarscher Alm anbelangt, bin ich skeptisch. Diese Leute haben in letzter Zeit sehr viel Geld verloren. Man munkelt, dass Investor Blanco nur einer von mehreren Finanziers sei. Reinhold Messner: Dann gäbe es noch Hoffnungen für die Gegend um Latsch und Schlanders. Der gesamte ­Vinschgau ist touristisch nicht sehr stark positioniert, abgesehen von Naturns. Obwohl das Tal den kulturell wertvollsten Teil Südtirols darstellt und auch landschaftlich einmalig ist, bleibt besonders der ­Wintertourismus problematisch.
Günther Schöpf
Günther Schöpf
Vinschger Sonderausgabe

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