Die Entscheidung naht
Die Erdbeermenge in Martell sank in den vergangenen 5 Jahren von jährlich 900 auf nunmehr 600 Tonnen.

Schicksalstag für die MEG

Publiziert in 15 / 2014 - Erschienen am 24. April 2014
„Auch die Mitglieder müssen ihren Obolus leisten“ Martell - Die Jahresmenge der in Martell produzierten Erd­beeren ging in den vergangenen 5 Jahren von 900 auf 600 Tonnen zurück. „Die Erlöse brachen ein, die Kosten stiegen und jede Investition wiegt in solchen Situationen doppelt schwer.“ So bringt VI.P-Direktor Josef Wielander die Krise auf den Punkt, in welche die Marteller Erzeugergenossenschaft MEG geschlittert ist. „Unglückliche“ Investitionen Dass auch „unglückliche“ Investitionen getätigt wurden, mag zwar zutreffen, sei aber nicht der eigentliche Grund für die Krise. Wielander: „Im Nachhinein ist man immer klüger. Wären bestimmte Investitionen nicht in Krisenzeiten getätigt worden, dann hätten wir sicherlich eine andere Ausgangssituation.“ Fakt ist, dass die MEG, der knapp 60 Mitglieder angehören, die auf rund 50 ha zum Großteil Erdbeeren anbauen, über 1,5 Millionen Euro Schulden hat. Unter solchen Vorzeichen ist es unmöglich, Darlehen zurückzuzahlen und Investitionen abzuschreiben. Um einen Ausweg zu finden, hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet: Raiffeisenverband Südtirol, Raiffeisenkasse Latsch, VI.P mit Obmann und Direktor, Abteilung Land- und Forstwirtschaft und Bürgermeister Georg Altstätter. Die Arbeitsgruppe nahm sich vor, einen Schnitt zu machen und einen Neuanfang vorzubereiten. „Das oberste Ziel aller Beteiligten sowie auch der Politik ist es, die Existenz der betroffenen Bauern zu retten“, so Wielander. „Es hat sich kein Geld in Luft aufgelöst“ „Es Aufräumen möchte er mit Gerüchten und Schuldzuweisungen: „Alle Geldflüsse sind nachvollziehbar. Es hat sich kein Geld in Luft ausgelöst. Es wurde nichts unterschlagen oder privat abgezweigt.“ Ein Konzept für einen Neuanfang liegt jetzt vor. Abgesehen von der Bestellung neuer Führungskräfte - der bisherige Geschäftsführer Peter Gamper hat bereits gekündigt; der bisherige Obmann Manfred Gamper und sein Stellvertreter Andreas Jäger stellen sich nicht mehr der Wahl - sollen bei der MEG-Vollversammlung am 28. April auch die Weichen für einen finanziellen und inhaltlichen Neubeginn gestellt werden. Der Raiffeisenverband sowie die Raiffeisenkasse Latsch haben die Bereitschaft einer finanziellen Unterstützung zugesagt, ebenso das Land (Amt für Obst- und Weinbau). VI.P stellt Betriebsleiter zur Verfügung „Wir als VI.P sind bereit, unser Know-how einzubringen, einen Betriebsleiter für die MEG zur Verfügung zu stellen sowie den Verkauf der Produkte zu übernehmen“, verrät Wielander dem der Vinschger. Den entscheidenden Punkt sieht er aber in der Bereitschaft der Mitglieder, „sich schriftlich für einen ­Rast am Brunnen in Burgeis Weiterbestand der Genossenschaft auszusprechen und auch Geschäftsanteile zu zeichnen.“ Nur wenn auch die Mitglieder bereit seien, ihren Obolus, so schwer dieser in dieser Zeit auch sein mag, zu leisten, sei ein Neuanfang möglich. Die Aufgabe, neue Leute für den neuen Vorstand zu finden, der am 28. April gewählt werden soll, hat BM Georg Altstätter übernommen. Diese gegebenenfalls zu wählen oder auch nicht, entscheiden dann natürlich die Mitglieder selbst. Inhaltlich ­gesehen wird u.a. an alternative Produkte gedacht, etwa an Kirschen oder Salate. Damit könnte auch dem Phänomen der Bodenmüdigkeit entgegen gewirkt werden. Wielander selbst zweifelt nicht daran, dass Martell auch weiterhin das „Beerental“ bleiben wird. Das letzte Wort hätten nun aber die Mitglieder zu sprechen. sepp
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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