Tagesmütter
Im Freien vor der Kindertagesstätte in Latsch: Roswitha Haringer, Renate Dietl, Petra Bisaglia und Daniela Alber

Tagesmütter sind eine große Hilfe

Publiziert in 9 / 2006 - Erschienen am 4. Mai 2006
Auf Landesebene bewährt sich der Beruf der Tagesmutter besonders in den Städten gut. Vor allem im ländlichen Raum aber, wie es auch der Vinschgau ist, gibt es noch nicht viele Tagesmütter, die als solche arbeiten. Es gibt andererseits auch noch nicht viele Mütter in unserem Tal, vorwiegend ab Laas aufwärts, die ihr Kind bei einer Tagesmutter abgeben wollen. „Denn sehr viele Omis schauen auf ihre Enkel“, sagt Petra Bisaglia, die Geschäftsführerin der „Sozialgenossenschaft Tagesmütter“ Von Daniela di Pilla Stocker Viele Frauen sind bisher im Vinschgau ausgebildete Tagesmütter, nur einige davon üben derzeit diesen Beruf aus. Es gibt einige Gründe hierfür: zu wenig Nachfrage, einige Frauen sind wieder in ihren alten Beruf zurückgekehrt – sobald die eigenen Kinder aus dem Gröbsten waren, wiederum andere haben keine geeigneten Räume in ihren vier Wänden. Dies erklären Bisaglia und Renate Dietl dem „Vinschger“, langjährige Koordinatorin der Tagesmütter im Vinschgau. Das Berufsbild der Tagesmutter gibt es offiziell erst seit 1996. Südtirol hat diesbezüglich eine Vorreiterrolle auf Staatsebene gespielt, denn 1990 wurden erstmals Kurse organisiert. 1992 wurde der „Tagesmütterverein“ gegründet. Seit 2001 gibt es die „Sozialgenossenschaft Tagesmütter“ mit Sitz in Bozen. Pionierarbeit haben Gertrud Reger Trojer und Edeltraut Hafner geleistet. Drei große Pfeiler gehören zur Sozialgenossenschaft: der Tagesmütterdienst, die Ausbildung der Tagesmütter und die Kleinkindertagesstätten. Weiters organisiert die Genossenschaft bei Bedarf Projekte zur Kinderbetreuung. Die Präsidentin der Sozialgenossenschaft ist Eleonora Hemma Hackl, ihre Stellvertreterin Karolina Alber, weiters im Vorstand sind Germana Radina, Monika Spornberger und Marta Mich. Sie arbeiten ehrenamtlich und sind drei Jahre im Amt. Sie treffen sich monatlich. Hauptamtlich angestellt sind die Geschäftsführerin Petra Bisaglia und die Koordinatorinnen landesweit sowie eine Mitarbeiterin im Büro, die Mitarbeiter der Kindertagesstätten und vier Pädagoginnen. Die Koordinatorinnen sind: Martina Jakomet (Bozen), Marta Mich (Leifers Brixen und Sterzing), Sonja Niklas (Eppan), Frida Siller (Meran und Lana), Renate Dietl (Schlanders) und Ursula Holzer (Bruneck). Die Leiterinnen der Kindertagesstätten sind: Sonja Sparber (Eppan), Daniela Alber (Latsch) und Heike Meier (Leifers-Branzoll). Die Sozialgenossenschaft hat etwa 140 Mitglieder, davon sind 125 Tagesmütter. Bis zu sechs Kinder gleichzeitig kann eine Tagesmutter im Alter von Null bis 3 Jahren betreuen. Die Koordinatorin vermittelt zwischen Eltern und Tagesmutter. „Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die geeignete Tagesmutter zu finden, denn sie soll nicht weit weg wohnen und auf Eltern und Kind passend sein“, erklärt Dietl. Im Vinschgau ist dies noch ein schwieriges Unterfangen. Inzwischen gibt es ein paar Frauen, die die Ausbildung machen. Deren Inhalte sind: persönlichkeitsbildende Seminare, der Umgang mit dem Kind und seine Entwicklung, Gesundheitslehre, Berufskunde und Praktikum. Die Ausbildung sei auch für Männer gedacht und dauert etwa eineinhalb Jahren, es sind 465 Stunden, immer am Wochenende. Die Sozialgenossenschaft bietet die Ausbildung in Zusammenarbeit mit der Landesfachschule für soziale Berufe in Bozen an. Inzwischen veranstalten die Südtiroler Bäuerinnenorganisation und seit kurzem auch die Fachschulen für Hauswirtschaft derartige Ausbildungen. „Wichtig ist, dass alle dasselbe Ziel verfolgen, eine angemessene Ausbildung zur Tagesmutter zum Wohle aller“, sagt Bisaglia dazu sinngemäß. Die Tagesmutter ist versichert, die Kinder sind haftpflichtversichert. Sie erfüllt Betreuungs- und Erziehungsaufgaben und ist eine große Hilfe für berufstätige Mütter. Der Stundentarif für eine Tagesmutter ist gestaffelt von 4,60 Euro bis 5,80 Euro. „Es gibt Beiträge dazu vom Land für die Eltern, die laut ihrem Einkommen berechnet und vergeben werden“, erklärt Bisaglia. Der Bedarf an Tagesmütter steige besonders in den Städten, sagt Bisaglia. Aber auch im Obervinschgau etwa gibt es laut Dietl eine große Nachfrage. Aber, was tun, wenn es dort keine Tagesmütter gibt? Der Vorteil einer Tagesmutter bestehe besonders darin, dass sie sich ganz individuell den Gegebenheiten der Eltern und des Kindes anpassen kann. Zudem sind die so genannten Schnupperstunden zu erwähnen, die kostenlose Eingewöhnungszeit für Kinder bei der Tagesmutter. Ein Vertrag zwischen Eltern und Sozialgenossenschaft wird auch abgeschlossen. „Ich betreue seit Jahren gerne Kinder“ Roswitha Haringer aus Göflan ist eine „Profi“-Tagesmutter. Seit 1997 betreut sie laufend Kinder und hat zudem drei Pflegekinder. Ihre eigenen Töchter sind bereits erwachsen mit 24 und 21 Jahren. Haringer ist sogar schon Oma. Sie freut sich, wenn sich die Kinder, die sie tagsüber betreut, nach den „Schnupperstunden“ sich bei ihr richtig wohl fühlen. „Wenn sie nach der Betreuungszeit wieder gehen, bin ich jedes Mal traurig“, sagt sie. Miriam geht es gut bei der Tagesmutter „Ich habe kein schlechtes Gewissen“, beteuert Walburga Unterholzner Pflug aus Schlanders. Sie gibt ihre inzwischen 17 Monate alte Tochter Miriam zwei Tage in der Woche ab und alle zwei Wochen einen halben Tag dazu. Mit zehneinhalb Monaten war Miriam das erste Mal bei ihrer Tagesmutter in Schlanders. Sie soll sie nun betreuen, bis sie mit drei Jahren in den Kindergarten geht. Walburga Unterholzner Pflug findet diese eine gute Alternative der Betreuung. Zudem ist sie froh, wieder in Teilzeit als Sekretärin arbeiten zu können. „Ich habe dennoch Zeit für meine Tochter, und das ist gut so“, sagt sie. „Ich freue mich, bald als Tagesmutter arbeiten zu können“ Bernadette Thaler ist eine junge Frau mit 26 Jahren und Mutter von Greta, die im September drei Jahre alt wird. Thaler stammt aus Schluderns und wohnt mit ihrer Familie in Mals. Sie ist „gelernte Touristikerin“, wie sie erzählt. Derzeit arbeitet sie als Teilzeitkraft im Gamperheim in Mals als Erzieherin. Ausschlaggebend für das Abwickeln der Ausbildung zur Tagesmutter sei ihre Tochter gewesen. Tagesmütter betreuen Kinder zusammen mit ihren eigenen. „Allerdings wird Greta bereits den Kindergarten besuchen, wenn ich dieses Jahr die Ausbildung beenden werde“, erklärt Thaler. Auch der Partner von Bernadette Thaler steht zu ihrer Entscheidung. Das sei für sie genauso wichtig. „Ich ziehe die Tagesmutter dem Kinderhort vor“, sagt Thaler überzeugt. Denn bei der Tagesmutter erfahre das Kind noch ganz viel Geborgenheit. Thaler hat bereits in einer Kindertagesstätte des Landes mitgeholfen. Ein Teil ihres Praktikums hat sie im Kindergarten in Mals gemacht, den anderen Teil bei einer Tagesmutter in Meran. „Ja, bis nach Meran musste ich fahren für mein Praktikum“, sagt sie mit Bedauern. Die Ausbildung zur Tagesmutter sage ihr sehr zu, besonders die Persönlichkeitsentwicklung: „Eine Tagesmutter kann nicht arbeiten, wenn sie sich selbst nicht kennt“. Bernadette Thaler weiß auch, dass die Tagesmutter nicht die Mutter ersetzt, sondern berufstätige Mütter unterstützt. „Das Kind ist bei der Tagesmutter in professionellen Händen“, versichert Thaler und freut sich, bald als Tagesmutter arbeiten zu dürfen. Sie hofft, dass die Mütter dieses Angebot auch nützen. Informationen bei der Koordinatorin im Vinschgau, Renate Dietl, jeden Donnerstag von 8.30 bis 9.30 in Schlanders, im Haus der Bezirksgemeinschaft. Bitte sich für einen Termin vormerken unter 0473 736615.
Daniela di Pilla
Daniela di Pilla
Vinschger Sonderausgabe

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