Von der Qualität her ein Super-Jahr

Trotz 16 % weniger eine überdurchschnittliche Menge

Publiziert in 38 / 2010 - Erschienen am 27. Oktober 2010
Vinschgau – Über die Erlöse aus dem Verkauf der Äpfel des Vorjahres, über die Ernte 2010, die mittlerweile unter Dach und Fach ist, über die Strategien für den Absatz der Vinschger Äpfel und weitere Themen hat „Der Vinschger“ mit Josef Wielander, dem Geschäftsführer der VI.P (Vinschger Produzenten für Obst und Gemüse) gesprochen. „Der Vinschger“: Viele der knapp 1.800 Apfelbauern im Einzugsgebiet der VI.P hatten ihre Klauber bereits auf die Bäume geschickt bzw. griffen selbst zu den Klaub­eimern, als auf ihren Konten die Erlöse der Ernte 2009 eintrudelten. Waren die Auszahlungspreise des Vorjahres ein Ansporn oder sorgten sie für „saure“ Mienen? Josef Wielander: Diese Frage müssten Sie vielleicht besser den Produzenten stellen. Aus meiner Sicht ist die Auszahlung in Anbetracht der zurzeit herrschenden ­Rahmenbedingungen wesentlich besser ausgefallen als erwartet und somit gehe ich schon davon aus, dass auch die Produzenten zufrieden sind. Die angelieferte hohe Menge und die gute Qualität der Ernte 2009 haben schlussendlich dazu beigetragen, dass wir auf der Kosten- und Erlösseite besser aussteigen konnten, als während des Jahres angenommen. Freilich ist auch uns Vermarktern klar, dass bei Preisen, die nur knapp über den Produktionskosten zu stehen kamen, keine Freudentänze zu erwarten sind , da hilft auch nicht die Tatsache, dass wir im Vergleich zu allen anderen Produktions­gebieten eine höhere Wertschöpfung erwirtschaften konnten. Wie haben sich die Erlöse im Zeitraum der vergangenen 10 Jahre entwickelt? Josef Wielander: Man kann feststellen, dass es seit eh und je immer schon ein auf und ab im Ausmaß bis zu 50 % gegeben hat. Die Auszahlung der Ernte 2009 würde ich bezogen auf den Preis pro Kilogramm als unterdurchschnittlich, jedoch bezogen auf den Erlös pro Hektar als gut einstufen. Im Vorjahr hörte man von nicht wenigen Obstbauern, dass sich die Produktions­kosten mit den Erlösen in etwa die Waage halten. Das behaupteten auch solche, die alles eher als zu den „Jammerern“ gehören. Josef Wielander: Sehen Sie, jeder der mit offenen Augen und Ohren die Entwicklungen, egal auf welchem Gebiet, in den letzten Jahre verfolgt hat, stellte fest, dass es den wenigsten überhaupt gelungen ist, diese schwierige Zeit kostendeckend zu überbrücken. Man liest ja ständig nur von Schließungen, Konkursen, Gewinnein­bußen sowie Kaufkraftschmälerungen. Somit glaube ich schon, dass wir erhobenen Hauptes sagen können, dass wir für unsere Mitglieder dank der jahrelangen Vorbereitungen auf etwaige veränderte Rahmenbedingungen diese Zeit sehr gut überstehen konnten. Das gemeinsame, zentrale Markt- und Kundenbetreuungskonzept „VI.P 3“, auf den Weg gebracht im Jahr 2007, hat sich offensichtlich bewährt. Sind diesbezüglich alle kritischen Stimmen innerhalb der Obstbauern verstummt? Josef Wielander: Auch das wäre eigentlich eine Frage für die Basis. Persönlich gehe ich davon aus, dass wir über dieses Thema gar kein Wort mehr verlieren ­brauchen, denn gerade dieser Tatbestand hat uns vor Schlimmerem bewahrt und ist der Schlüssel zum Erfolg. Ich gehe somit davon aus, dass jeder von unserem Konzept mehr denn je überzeugt ist, wenn auch die eine oder andere Anpassung klarerweise von einigen gewünscht wird. Das Konzept ist ja nicht in Stein gehauen und somit werden wir uns ständig mit Verbesserungen bzw. Veränderungen auf Vorstands- und Geschäftsführerebene auseinandersetzen. In den vergangenen Wochen hat es stark gewommelt: auf den knapp 5.000 Hektar großen Anbauflächen ebenso wie in den Obstgenossenschaften und auch auf den Straßen, wo die Traktoren die Geschwindigkeit vorgaben. Wie viele Tonnen Äpfel wurden heuer eingefahren? Entspricht die Menge den Erwartungen? Josef Wielander: Die Ernte 2010 wird sich in etwa auf 310.000 Tonnen einpendeln. Das sind zwar rund 16 % weniger als die Rekordernte des letzten Jahres, doch entspricht diese Menge einer sehr guten, ja überdurchschnittlichen Ernte. Ein Blick auf die Erntemengen der vergangenen Jahre zeigt, dass es von 2007 bis 2009 eine Steigerung von 297.591 auf 372.469 Tonnen gab. Nun scheint sich die Menge wieder etwas eingependelt zu haben. 2009 gab es diesbezüglich große Engpässe, die auch mit Kosten verbunden ­waren. Josef Wielander: Die Ernte 2009 mit über 370.000 Tonnen ist als absolute Ausnahme einzustufen. Neben sehr gut behangenen Bäumen waren die Äpfel noch dazu sehr groß. Um das zu erreichen, muss alles zu 100 % das ganze Jahr über stimmen. Nicht alles ist eben in freier Natur beeinflussbar. Dieses überraschend starke Ergebnis von 2009 konnte aber dank der schwächeren Ernte vor allem im Nonstal durch die Anmietung von Zellen und Großkisten zwar mit viel Aufwand, doch ohne größere Engpässe für unsere Produzenten gemeistert werden. Wie steht es mit der Qualität der neuen Ernte? Als Laie hatte man den Eindruck, dass heuer sehr viele Rotbackige an den Bäumen hingen. Josef Wielander: Die Ausfärbung der Äpfel ist heuer tatsächlich sehr gut, sei es was die roten Backen bei den Golden als auch die Grundfarbe bei den roten Sorten betrifft. Wenn wir von Überraschungen im Lager verschont bleiben, dann kann man qualitativ sicher von einem hervor­ragenden Jahrgang sprechen. Die Erntefenster, also der Zeitrahmen für das Abliefern der Äpfel, wird von einigen als zu kurz empfunden. Josef Wielander: Ein straff eingehaltenes Erntefenster ist das um und auf für eine gute Lagerfähigkeit der Ware und somit für ein problemloses Beliefern unserer Kunden im Laufe des Jahres. Die Garantie der ­Frische, welche im direkten Zusammenhang mit dem optimalen Reifezustand steht, wird als extreme Stärke und Güte einer Verkaufsorganisation angesehen und daran kann und darf nicht gerüttelt werden. Ich glaube schon, dass wir uns einig sind, dass zu reife Äpfel fade schmecken und zu früh geerntete sicher kein Geschmackserlebnis darstellen. Sind die Weichen für den Absatz der Ernte 2010 schon gestellt und welche Markt­prognosen wagen Sie zu formulieren? Josef Wielander: Wir sind gerade auf Geschäftsführerebene dabei, nachdem nun die Mengen feststehen, den Abbauplan und die allgemeinen strategischen Maßnahmen für die laufende Kampagne zu definieren. Grundsätzlich stimmt uns die heurige Ausgangslage heute wie heute ­optimistisch. Hat sich der Umstand, dass der Obstbau mittlerweile auch im Obervinschgau bis hinauf nach Tartsch und Mals immer stärker Fuß fasst, bereits in der Ernte 2010 niedergeschlagen? Josef Wielander: Nein, eigentlich nicht, zumindest nicht im Sinne, dass eine strategische Änderung erforderlich wäre, dafür sind die Mengen noch zu gering. Wie entwickelt sich der Bio-Anbau? Josef Wielander: Der Bio Anbau ­entwickelt sich mit relativ bescheidenen Zuwachsraten, jedoch stetig nach oben. Es ist auch gut so daß die Zunahme an Menge nicht zu rasant erfolgt auf dass auch die Verkaufskanäle parallel dazu entwickelt werden können. Können Sie sich vorstellen, dass irgendwann das ganze Tal auf der Bio-Schiene fährt? Josef Wielander: Laut meinen Dafürhalten nein. Sehen Sie, die IP (Integrierte Produktion) ist sicher ein starker Kompromiss für den Konsumenten und bei Einhaltung der entsprechenden Richtlinien für die breite Masse an Konsumenten zu recht völlig ausreichend. Doch es gibt einen Konsumentenkreis, der selbst einen unbedenklichen Einsatz von chemischen Wirkstoffen nicht akzeptiert. Genau diese Schicht an Konsumenten können wir erfreulicherweise mit unserer Bio-Produk­tion zusätzlich ansprechen und be­friedigen. Etwas „Golden“-­lastig war der Vinschgau seit jeher. Ist er es noch immer? Josef Wielander: Unsere Faustregel auf Vinschgauebene ist es nach wie vor, maximal 70 % an Golden zu produzieren und mindestens 30 % an roten Alternativen. Diese Strategie wird in etwa von den Produzenten auch respektiert und befolgt. Interview: Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner

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