Hier wird Wissen „angebaut“
Die Zahl der Ehrengäste, die an der 60-Jahr-Feier teilnahmen, war groß.

Von der Schulbank auf Feld und Wiese

Publiziert in 8 / 2013 - Erschienen am 6. März 2013
Seit über einem halben Jahrhundert prägen Absolventen der Fachschule Fürstenburg die Landwirtschaft im Vinschgau und darüber hinaus. Burgeis - „Die Vergangenheit können wir nicht verändern. Die Zukunft aber ist gestaltbar, sofern wir heute die Weichen dafür stellen.“ Mit diesen Worten eröffnete die Direktorin Monika Aondio am vergangenen Freitag die 60-Jahr-Feier der Fachschule für Land- und Forstwirtschaft Fürstenburg in Burgeis. Neben Abt Markus Spanier, dem ­eigentlichen Hausherrn, konnte Aondio den Landeshauptmann Luis Durnwalder begrüßen, seinen Stellvertreter Richard ­Theiner, den früheren Landesrat für Landwirtschaft und frisch gebackenen Senator Hans Berger, die Landtagsabgeordneten Sepp Noggler und Walter Baumgartner, ehemalige Schulfunktionäre und Schüler, hochrangige Vertreter des Bauernbundes, der Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Abteilungen des Landes sowie Vertreter von Partnerschulen und viele weitere Ehrengäste. „Der Bauer als Fürst“ Diesen Titel trägt das über 200 Seiten starke, reich bebilderte und im Tappeiner Verlag erschienene Festbuch, das anlässlich der 60-Jahr-Feier herausgebracht wurde. Marjan Cescutti, der Vorsitzende des Südtiroler Kulturinstituts, der in den späten 50er Jahren selbst bei Kursen an der Fürstenburg unterrichtet hatte, würdigte das Buch als „großartige Eigenleistung der Fachschule“. 22 der insgesamt rund 70 Lehrkräfte der Fachschulen Fürstenburg und Kortsch haben am Buch mitgeschrieben. Das Werk vermittelt nicht nur einen Einblick in die Geschichte der Fürstenburg, sondern zeigt auch die schulische Entwicklung von 1953 bis bis heute auf. Auch sämtliche Baumaßnahmen werden beleuchtet. Weiters werden die Leser über die Entwicklungen in der Nutztierhaltung, im Obstbau und in der Forstwirtschaft informiert sowie über weitere Weiterbildungsangebote, wie es zum Beispiel die Sennkurse sind. Als besonders interessant und aufschlussreich wertete Cescutti die vielen Interviews mit unterschiedlichsten Gesprächspartnern. Weichen für neues Schülerheim Luis Durnwalder freute sich, „dass man die Bedeutung der Ausbildung in der Landwirtschaft schon vor 60 Jahren erkannt hat.“ Den Führungskräften der Fachschule sei es gelungen, sich stets der Zeit anzupassen und neue Anforderungen erfolgreich anzunehmen. Sei es in früheren Zeiten in der Landwirtschaft vor allem darum gegangen, die Mengen zu steigern, so nehmen mittlerweile auch die Gesundheit, die Qualität der Produkte, die Landschaftspflege und die Verknüpfung der Landwirtschaft mit dem Fremdenverkehr einen großen Stellenwert ein. Einen Sonderapplaus gab es, als Durnwalder ankündigte, „dass wir am kommenden Montag in der Landesregierung die Weichen für den Neubau eines Schülerheims stellen werden.“ Die Errichtung des Heims, das in unmittelbarer der Nähe des Schulneubaus auf einer Grundfläche des Klosters Marienberg entstehen soll, ist auch laut Hans Berger absolut notwendig. Er erinnerte daran, das es vor 10 Jahren 86 Schülerinnen und Schüler gab, vor 4 Jahren 177 und im heurigen Schuljahr 148. Dass die Berufsmatura jetzt Wirklichkeit wird, würde den früheren langjährigen Direktor Georg Flora, der am 1. November 2010 gestorben ist, laut Berger besonders freuen. Pioniere in der Landwirtschaft fördern Dass der Stellenwert der Landwirtschaft in Zukunft noch weiter steigen wird, davon gab sich der ehemalige EU-Landwirtschaftskommissar und jetzige Präsident des Europäischens Forums ­Alpbach, Franz Fischler, überzeugt. „Die Landwirtschaft der Zukunft, vor allem jene im Alpenraum, muss auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein, auf den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und auch auf die kulturelle Identität,“ so der Festredner. Die Schlüssel zum Erfolg liegen in der Qualität, im Know-how und in der innovativen Technologie. Das Investieren in die Köpfe, sprich die Ausbildung und Weiterbildung der Bauern sowie das lebenslange Lernen, werde immer wichtiger werden, „wenn wir als westliche Welt im Bereich der Landwirtschaft nicht von Ländern wie China, Indien oder Brasilien überholt werden wollen.“ Neben der fachlichen Bildung sei auch die Herzensbildung der jungen Menschen wichtig. Innovativ, wettbewerbsfähig und grün: Mit diesen drei Stichworten umschrieb Fischler die Voraussetzungen für ein weiteres Wachstum in der Landwirtschaft. Es gehe darum, Pioniere unter den Bauern zu finden und zu fördern. Leistungen, wie sie die Bauern etwa in den Bereichen Umwelt, Klimaschutz oder Tourismus erbringen, seien abzugelten, also zu bezahlen. „Der Bauer muss imstande sein, von seinen Produkten zu leben.“ Besorgt zeigte sich Fischler darüber, dass die Unterschiede zwischen Berg- und Flachbauern bezüglich der EU-Förderpolitik nicht kleiner, sondern eher größer zu werden scheinen. Dieser Entwicklung sei vorzubeugen: „Die Einkommen der Bergbauern sind allen anderen Agrareinkommen anzugleichen.“ „Spiritualität und Schule“ So hat Abt Markus Spanier sein Vorwort im Festbuch betitelt. Er verlas es anstelle der Predigt im Zuge der Wortgottesfeier. Abgeschlossen wurde die Jubi­läumsfeier mit einem köstlichen Abendessen, das in der Küche der Fürstenburg unter Chefkoch Manfred Ziernheld zubereitet worden war. Serviert wurden die Köstlichkeiten von Schülerinnen der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Kortsch. Sepp Laner
Josef Laner
Josef Laner
Vinschger Sonderausgabe

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